Kreis Germersheim Geschäftsführung rudert zurück

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Draußen brennt die Sonne, drinnen reden sich die Vertreter von IG Metall und Betriebsrat die Köpfe heiß. „Die Geschäftsleitung hat geglaubt, sie kann sich benehmen, wie die Axt im Wald“, wettert Uwe Schütz bei der Betriebsversammlung von Schaidt Innovations am Samstag vom Podium in der fast voll besetzten Kulturhalle in Schaidt. „Aber wir sind satisfaktionsfähig“, betont der erste Bevollmächtigte der IG-Metall-Verwaltungsstelle Neustadt. Dank der Kampfbereitschaft der Beschäftigten im früheren Harman-Becker-Werk, denke die Geschäftsleitung nun um. Rückblick: Um die Schließung des Elektromontagewerkes zu verhindern, hatte die IG Metall für die gut 500 Mitarbeiter einen Sozialtarifvertrag ausgehandelt, der für die Beschäftigten Abfindungen von etwa 50 Millionen Euro vorsah. Dieses Geld wurde den neuen Eignern, als sie das Werk im April vergangenen Jahres übernahmen, zur Verfügung gestellt. Zum Zwecke der Weiterführung und Entwicklung des Unternehmens (wir berichteten am Samstag). Wofür dieses Geld verwendet wird, darüber wacht ein Beirat, in den Arbeitgeber und Arbeitnehmer je zwei Vertreter entsenden. Als Vorsitzender des Gremiums fungiert als fünftes Mitglied Bernd Gottschalk, der ehemalige Präsident des Verbands der Automobilindustrie und Ex-Daimler-Vorstandsmitglied. Die Gewerkschaftsvertreter haben ein Vetorecht „in allen Dingen, die euer Geld und eure Arbeit betreffen“, erklärt Winfried Ott. Der gelernte Physiker arbeitet für die gemeinnützige Technologieberatungsstelle Rheinland-Pfalz, ein Tochterunternehmen des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), und ist einer der beiden IG-Metall-Vertreter im Unternehmensbeirat. Nun hat die Geschäftsführung von Schaidt Innovations beim Landgericht Bad Kreuznach gegen Ott einen Antrag auf einstweilige Anordnung gestellt. Ott sollte eine Schweigepflicht gegenüber der IG Metall – die ihn ja in das Gremium entsandt hat – und dem Betriebsrat auferlegt werden. Für jede einzelne Verletzung der geforderten Verschwiegenheitspflicht sollte Ott eine viertel Million Euro Strafe zahlen oder für ein halbes Jahr ins Gefängnis gehen. „Ich wäre also im Knast gestorben“, sagte Ott mit Galgenhumor. Dabei sei die beschriebene Beiratskonstruktion vertraglich festgeschrieben, erklärt Ott den Beschäftigten. Die Existenz des Beirats sei kein Goodwill der Geschäftsleitung. Rein rechtlich gehöre das Geld den Gesellschaftern, aber der Geist der Verträge sei, dass es die Beschäftigten weiterhin kontrollieren. „Das haben die, die voreilig Steine werfen aber offenbar nicht gelesen“, sagt Ott gemünzt auf die Geschäftsführer Sebastian Moss und Andreas von Mayer zu Knonow. „Heimtückisch“, nennt Uwe Schütz den Versuch der Geschäftsführer die Kommunikation zwischen Gewerkschaft und den von ihr entsandten Beiratsmitgliedern zu unterbinden. Natürlich sei in dessen Folge „der IG-Metall-Apparat warmgelaufen.“ Dabei habe man die Geschäftsleitung mehrfach gewarnt, „nicht auf die Herdplatte zu langen“, so Schütz. Man sei zur „Eskalation pur“ bereit gewesen, fügt Ott hinzu. Inzwischen ruderten die Geschäftsführer aber wieder zurück, berichten Schütz und Ott. Am Samstag hätten sie zugesagt, sowohl die Forderung nach Verschwiegenheit als auch das Gerichtsverfahren zurückzunehmen. Die schriftliche Bestätigung dieser Zusagen erwarten die Gewerkschafter heute. Obwohl der unmittelbare Konflikt vorerst entschärft ist, erfordert die endgültige Befriedung des Betriebs wohl noch weitere Bemühungen der Geschäftsleitung. Das Unternehmen werde vor die Wand fahren, „wenn wir es nicht packen, zu einer Kultur des Miteinanders zu kommen“, warnt Ott. Ideen und Bedürfnisse der Mitarbeiter müssten von den Geschäftsführern und ihren Führungskräften endlich ernst genommen werden, fordert er. „Der Betriebsrat ist kein Faselverein, sondern das Organ der Mitbestimmung der Beschäftigten.“ Unmut gibt es bei den Mitarbeitern auch über die Art der Unternehmensführung. Die Geschäftsführer, die von aus außerhalb kommen, zeigten in der Firma zu wenig Präsenz. Bei Planung und Organisation der Betriebsabläufe herrschten Missstände. Das verursache Mehrarbeit und Mehrkosten. „Ich habe gedacht, das sind Unternehmer und die machen ihren Job“, zeigt sich Betriebsratsvorsitzende Petra Meyer-Spreckic, Arbeitnehmervertreterin im Beirat enttäuscht.

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