Kreis Germersheim Germersheim: Polizei zufrieden mit Schichtmodell

Noch etwas skeptisch blickt Dienststellenleiter Wolfgang Zöller (rechts) auf die Ausführungen zum neuen Schichtmodell von Jens V
Noch etwas skeptisch blickt Dienststellenleiter Wolfgang Zöller (rechts) auf die Ausführungen zum neuen Schichtmodell von Jens Völlinger im Januar dieses Jahres.

Seit Januar arbeiten die Polizisten in Germersheim nach einem neuen Wechselschichtmodell und sind eine von fünf Pilotinspektionen im Land.

Seit fast einem Jahr arbeiten die Polizisten in Germersheim nach einem neuen Wechselschichtmodell – wissenschaftlich begleitet. Dies ist Teil des Programms „Gesünder arbeiten in der Polizei“ – kurz GAP. Die Erfahrungen, die die Polizisten mit dem Arbeitszeitmodell gemacht haben ist meist positiv, wie Inspektionsleiter Wolfgang Zöller auf RHEINPFALZ-Nachfrage sagt. In den meisten Polizeiinspektionen des Landes Rheinland-Pfalz – wie auch im Bereich der Polizeidirektion Landau – wird noch nach einem Wechselschichtmodell mit „Doppelschlag“ gearbeitet. „Doppelschlag“ bedeutet, dass ein Polizist in Germersheim seine Schicht am ersten Tag mit einer „Spätschicht“ gegen 12 Uhr beginnt und bis 21 Uhr arbeitet. Danach schläft er und geht am nächsten Tag zur Frühschicht. Es folgt eine kurze Regenerationsphase Zuhause und am selben Tag, gegen 21 Uhr, wird die Nachtschicht bis zum nächsten Morgen (6 Uhr) angetreten. Eine Freizeit von drei Tagen, die oftmals wegen dienstlicher Verpflichtungen unterbrochen wurde, schließt sich daran an. Doch dieses Wechselschichtmodell ist nicht vereinbar mit einer EU-Richtlinie, die seit 2003 gültig ist. Aus diesem Grund haben sich Polizisten in Germersheim für ein neues Schichtmodell entschieden und danach nun fast ein Jahr lang gearbeitet. Das Ergebnis: „Die Kollegen haben das neue Wechselschichtmodell für sich angenommen“, sagt Wolfgang Zöller, Leiter der Germersheimer Polizeiinspektion. Die Erfahrungen seien meist positiv.

Keine „Dunkelschicht“ mehr

Entgegen zum „Doppelschlag“, arbeiten die Polizisten in Germersheim nun an zwei Tagen Frühschicht, an zwei Tagen Spätschicht und an den folgenden zwei Tagen Nachtschicht. Die Regenerationsphase beträgt drei volle Tage und der Rest des Tages, aus dem man aus der Nachtschicht kommt. Für Jens Völlinger, Dienstgruppenleiter einer Schicht und Initiator dieses Wechselschichtmodells, hat es große Vorteile – vor allem für das Privatleben. „Auch die Dienstgruppen sind zusammengewachsen, das Arbeitsklima hat sich verbessert“, sagt Völlinger. Früher, beim „Doppelschlag“, habe es eine „Dunkelschicht“ gegeben. Die Kollegen dieser Schicht haben die Polizisten in seiner Dienstgruppe nie zu Gesicht bekommen oder nur – „wenn sie in ihrer Freizeit etwas auf der Dienststelle zu tun hatten“. Das habe sich geändert, weil die Arbeitszeiten flexibler seien. Über die flexibleren Arbeitszeiten freut sich Dennis Hook, denn er ist für die Diensteinteilung seiner Kollegen zuständig. Da jetzt Polizisten innerhalb von 24 Stunden acht Stunden arbeiten, können zur Verstärkung anderer Schichten auch mal die Schicht wechseln. Sie können anstelle zur Frühschicht auch mal zur Spätschicht in einer anderen Dienstgruppe gehen und danach wieder in die Schicht ihrer eigentlichen Dienstgruppe zurückkehren – weil eine genügend lange Regenerationszeit vorhanden ist. Beim „Doppelschlag“ musste man laut Hook im System bleiben. Das führte dazu, dass bei Personalengpässen Kollegen aus der Freizeit geholt werden mussten. „Das fällt nun eigentlich weg“, sagt Hook. Das Schichtmodell, nach welchem in Germersheim seit fast zwölf Monaten gearbeitet wird, wird wissenschaftlich ausgewertet. Germersheim ist eine von fünf Pilotinspektionen im Land, die Neues ausprobieren. Drei Fragebögen müssen die teilnehmenden Polizisten ausfüllen – einen zu Beginn, einen zur Halbzeit und jetzt einen zum Ende der Testphase. Diese werden ausgewertet und am Ende wird das Innenministerium den Inspektionen mehrere Wechselschichtmodelle empfehlen, die der EU-Richtlinie entsprechen. Ab 1. Januar 2018 könnte die Polizeiinspektion Germersheim wieder zurück zum „Doppelschlag“ gehen – doch das will keiner. Und voraussichtlich zum 1. Januar 2019 müssen alle die Polizeiinspektionen, die sich bisher nicht für ein neues Wechselschichtmodell erwärmen konnten, auf eines der Empfohlenen umstellen.

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