Kreis Germersheim Germersheim: Luftwaffenausbildung auch in Norddeutschland?
Nachdem die Ausbildung der Bundeswehr in den vergangenen Jahren an wenigen Standorten zentralisiert wurde, gibt es nun Überlegungen im Verteidigungsministerium dies wieder zu ändern. Das sagte der südpfälzische Bundestagsabgeordnete Thomas Hitschler (SPD) am Montag bei der Diskussion in Germersheim zum Thema „Unsere Bundeswehr – eine Truppe vor vielfältigen Herausforderungen“.
Die Luftwaffe hat die Ausbildung ihrer Rekruten in Germersheim in der Südpfalz-Kaserne zentralisiert, zu der der Außenstandort im fränkischen Roth gehört. Oberstleutnant Martin Hess, Kommandeur des Germersheimer Luftwaffenausbildungsbataillons, sagte am Rande der Veranstaltung der RHEINPFALZ, die Überlegungen beinhalteten, bezogen auf die Luftwaffe, dass im norddeutschen Heide ein zweiter Ausbildungsstandort geschaffen werden könnte. Dort würden derzeit die Unteroffiziere ausgebildet. Heide sei schon vor den jüngsten Bundeswehrreformen ein Ausbildungsstandort gewesen. Ausgebaut könnte dort ein Pendant zu Germersheim, also ein zweites „Tor zur Luftwaffe“ entstehen; wobei dessen Außenstandort in Roth irgendwann geschlossen und das Personal nach Germersheim verlagert werden soll. Das Ziel der angedachten Regionalisierung sei auch, die Bindung der Rekruten an die jeweilige Region zu stärken und Fahrtzeiten zu verkürzen, sagte Hitschler der RHEINPFALZ. Auch vor diesem Hintergrund sei die Umwandlung militärischer in zivile Flächen vorerst ausgesetzt. Schließlich wisse man jetzt noch nicht, ob Flächen, die bis vor Kurzem noch aufgegeben werden sollten, nicht bald wieder gebraucht werden.
Tenor: Sicherheitspolitik hat an Bedeutung gewonnen
Das Mitglied des Verteidigungsausschusses diskutierte mit Generalleutnant a. D. Rainer Glatz und Oberstleutnant a. D. Thomas Sohst, Landesvorsitzender West des Deutschen Bundeswehrverbandes. Mehrere der rund 60 Zuhörer, überwiegend Soldaten, vor allem aus Germersheim und Zweibrücken sowie Reservisten, beteiligten sich an der munteren Debatte im Bürgersaal des Stadthauses. Tenor der Abendveranstaltung: Die Sicherheitspolitik hat nicht zuletzt nach der Annexion der Halbinsel Krim durch Russland an Bedeutung gewonnen. Deshalb benötige die Bundeswehr mehr Geld: mehr Geld, um für ihre Aufgaben vollständig ausgerüstet werden zu können, mehr Geld, um den von der Bundesregierung eingegangenen Militärbündnisverpflichtungen nachkommen zu können und mehr Geld, um im Wettbewerb um gutes Personal auf dem Arbeitsmarkt bestehen zu können.