Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Germersheim: Fürs H-Kennzeichen muss der Oldtimer gut erhalten sein

Vom Alter her zwar ein Oldtimer, nur kein amtlich ausgewiesener.
Vom Alter her zwar ein Oldtimer, nur kein amtlich ausgewiesener. Foto: van

Eine Germersheimerin würde ihren 33 Jahre alten VW Passat, der Rost angesetzt hat, gerne als Oldtimer anmelden. Doch das begehrte H-Kennzeichen werde ihr mit der Begründung verwehrt, das Auto sei nicht erhaltenswert. Was tun?

Das Auto ist des Deutschen liebstes Kind – heißt es. Viele Boliden werden entsprechend gehegt und gepflegt, äußerlich und innerlich, also auch technisch. Nicht zuletzt Oldtimer brauchen diese Zuwendung, damit sie bei der Ausfahrt eine gute Figur machen und nicht plötzlich stehenbleiben. Das sollen schließlich nur die staunenden Zaungäste angesichts der glänzenden Erscheinungen. Der Aufwand kostet Geld, teilweise viel Geld.

Aber was macht einen Oldtimer aus? Wie kommt man an das begehrte H-Kennzeichen? H steht übrigens für „historisch“. Das fragt sich auch die Germersheimerin Ute Plückhan. Sie fährt einen VW Passat Baujahr 1986. Mit 33 Jahren erfüllt sein Alter diese Anforderung an einen Oldtimer. Wenn nur der Rost nicht wäre. Der Wagen steht seit Jahren auf der Straße, nicht, wie so viele Gleichaltrige, geschützt in einer Garage. So habe die Zulassungsstelle ihr auf Anfrage geantwortet, der Wagen sei nicht erhaltenswert. Was die Frau wenig begeistert, schließlich fahre der Wagen noch gut.

Muss Pflege des Kulturguts dienen

Aber wie muss ein Oldtimer nun daherkommen, um als solcher zugelassen zu werden? Was muss man tun? Antworten gibt die Kreisverwaltung Germersheim: Demnach muss man zunächst zur bei ihr angesiedelten Zulassungsstelle in Germersheim oder der Außenstelle Kandel gehen. Dort sind die erforderlichen Unterlagen vorzulegen wie Ausweis, Fahrzeugschein oder -brief, Versicherungsbestätigung, Bescheinigung der Hauptuntersuchung, also TÜV oder Dekra, und das Gutachten eines amtlich anerkannten Sachverständigen, Prüfers oder Prüfingenieurs. Das Auto muss vor mindestens 30 Jahren erstmals in den Verkehr gekommen sein. Er muss weitestgehend dem Originalzustand entsprechen, gut erhalten sein und „zur Pflege des sogenannten kraftfahrzeugtechnischen Kulturgutes dienen“.

Nahe am Originalzustand

Um das geforderte positive Gutachten zu erhalten, sind im Wesentlichen folgende Bedingungen zu erfüllen: keine erkennbaren technischen Mängel unter Berücksichtigung des damaligen Stands der Technik und Vorschriftenlage; nur leichte beziehungsweise angemessene Gebrauchsspuren (also Patina darf das Fahrzeug haben, aber nicht verbraucht sein); es dürfen kein wesentlichen Teile fehlen; erkennbare Unfallschäden oder Anzeichen unsachgemäßer Instandsetzung sind auch nicht zulässig. Und nicht zuletzt müssen sich die wesentlichen Baugruppen weitestgehend im Originalzustand beziehungsweise in einem zeitgenössischen Zustand befinden.

Nachbessern ist möglich

Kann man nachbessern? „Das ist selbstredend möglich“ schreibt die Kreisverwaltung. Allerdings muss die Reparatur fach- und sachgerecht und unter Einhaltung der vorgenannten Kriterien erfolgen. Eine Absprache mit der Zulassungsstelle sei hierbei zwar nicht erforderlich, aber: „Da es hier im Wesentlichen um technische Fragestellungen geht, empfiehlt es sich aus Sicht der Straßenverkehrsbehörde, den notwendigen Reparaturumfang mit einem Sachverständigen abzuklären.“

Bei der Zulassung eines Oldtimers wird eine Gebühr zwischen etwa 40 und 64 Euro fällig. Der Steuersatz liegt pauschal bei 192 Euro für Personenkraftwagen. Was die Versicherung anbetrifft, so bieten einige Gesellschaften spezielle Oldtimer-Tarife an.

Ohne Plakette in Umweltzone

Ist der Oldtimer einmal als solcher zugelassen, bedarf es neben der üblichen Hauptuntersuchungspflicht keiner zusätzlichen technischen Kontrollen. Eine Pflicht, einzelne Fahrten aufzuzeichnen, gibt es nach Auskunft der Kreisverwaltung ebenfalls nicht. Obwohl es für Oldtimer keine Umweltplakette gibt, dürfen sie in Umweltzonen einfahren.

1003 Oldtimer im Kreis zugelassen

Momentan sind laut Kreisverwaltung 1003 Oldtimer im Landkreis Germersheim zugelassen. Eine Auswertung nach Modellen ist zwar nicht möglich, aber die häufigsten Marken sind Mercedes, VW, Porsche, Ford, BMW, Opel und Audi. Ob es im Laufe der Jahre Verschiebungen gegeben hat, früher möglicherweise mehr US-Cars als Oldtimer zugelassen worden sind, lässt sich nach Mitteilung der Behörde ebensowenig feststellen wie die Anzahl der Anfragen nach H-Kennzeichen beziehungsweise Zulassungen von Oldtimern in den vergangenen Jahren. Darüber wird keine Statistik geführt.

Ein Ford Capri RS. Wobei das Buchstaben-Kürzel für „Ralleysport“ steht.
Ein Ford Capri RS. Wobei das Buchstaben-Kürzel für »Ralleysport« steht. Foto: Hans
Ein Pritschenwagen.
Ein Pritschenwagen. Foto: Iversen
Er rollt immer noch. Der Käfer.
Er rollt immer noch. Der Käfer. Foto: Iversen
Und der Haifisch, der hat Flossen. Und die trägt er – am Heck.
Und der Haifisch, der hat Flossen. Und die trägt er – am Heck. Foto: Iversen
Von wegen „fifty shades of grey“. Ein Grauton tut’s auch.
Von wegen »fifty shades of grey«. Ein Grauton tut’s auch. Foto: Iversen
Go, Trabi, go! Wartburg auch.
Go, Trabi, go! Wartburg auch. Foto: Iversen
Keine Milka-Kuh.
Keine Milka-Kuh. Archivfoto: Iversen
Ganz in Grau. Ein BMW.
Ganz in Grau. Ein BMW. Foto: Iversen
Alte Schönheiten stehen Spalier.
Alte Schönheiten stehen Spalier. Foto: privat
x