Kreis Germersheim Germersheim: Caritaszentrum Germersheim vor 50 Jahren gegründet

Träger der Lern- und Spielstube war 1982, als das Foto entstand, Caritas. Heute ist es die Stadt.
Träger der Lern- und Spielstube war 1982, als das Foto entstand, Caritas. Heute ist es die Stadt.

Ein orangeroter VW-Käfer als Dienstwagen, 1000 D-Mark für die Barkasse und eine engagierte Sozialarbeiterin namens Gerlinde Fritsch, die den Aufbau des damaligen Caritas-Sekretariats von ihrem möblierten Zimmer in der Sandstraße aus bewerkstelligt hat. So hat die Geschichte des heutigen Caritas-Zentrums begonnen. Am 12. April besteht diese Einrichtung seit 50 Jahren.

„Im Kreis Germersheim haben wir noch gar nix“ – diese Aussage des damaligen Caritasdirektors Dr. Ludwig Staufer war die Ausgangssituation für Gerlinde Fritsch. „Ich bin dann erst einmal durch die Lande gereist und habe mich vorgestellt“, erinnert sich die heute 77-Jährige. Parallel dazu habe sie Büroräume gesucht und im „Hause Christnacht“, im Nebenzimmer des Gasthauses „Alte Post“ gefunden. „Am Anfang kamen viele und wollten ein Glas Bier“ erinnert sich Fritsch und lacht.

"Not sehen und handeln"

„Not sehen und handeln, das ist Caritas“ sagt Joachim Mergen, heutiger Leiter des Caritas-Zentrums. Das Kerngeschäft damals wie heute ist die Hilfe für Menschen in Not- und Konfliktsituationen. Diese allerdings haben sich im Laufe der Jahre verändert - wie auch die Angebote des Caritaszentrums. Anfangs war neben allgemeiner Sozialberatung die Organisation von Kinder-, Mütter- und Altenerholung Basis der Arbeit. Schon im Folgejahr kam die Suchtberatung dazu und 1970 die Ausländerbetreuung für Gastarbeiter. 1973 war die Eröffnung der Erziehungsberatungsstelle ein Meilenstein.

Seniorenwoche und Sprechtage

Die Lebenssituation der Menschen „Am Alten Hafen“ zu verbessern war Ziel einer Arbeitsgemeinschaft, die 1985 zum ersten Mal tagte. Die erste Seniorenwoche (1986), Sprechtage für Schwangere (1987) und die Einrichtung eines Mobilen Sozialen Hilfsdienstes (1990) waren weitere Angebote. Der Mobile Dienst wurde 1997 an den Malteser Hilfsdienst übergeben. 1991, inzwischen war der Umzug in die Josef-Probst-Straße erfolgt, hielt mit dem ersten PC die EDV Einzug auch in das Caritas-Sekretariat. Inzwischen ist es möglich, sich über die vielen Beratungsangebote auf der Homepage zu informieren und online Termine zu vereinbaren. Seniorentreff, Kleiderkammer, „Alleinerziehendengruppe“ (2000-2004) sind weitere Aktivitäten, die in der Chronik des Caritas-Zentrums aufgelistet sind. 2002 erfolgte ein erneuter Umzug in die Bellheimer Straße 17 und die Umbenennung in „Caritas-Zentrum“.

Im Dauerregen abgesoffen

Die Ortsranderholung für Schulkinder ist von Beginn an (1977) bis heute ein stark nachgefragtes Angebot. „Wir sind schon wieder ausgebucht“ sagt Joachim Mergen. Lange Zeit fand die Betreuung der Kinder in der Bildungs-und Freizeitstätte des Kreises in Rülzheim statt. „Uns sind mal zwei Zelte, die uns von den Amerikanern zur Verfügung gestellt wurden, bei Dauerregen abgesoffen. Die wurden dann mit einem großen Kran wieder aufgerichtet.“ Diese Episode ist sicher nicht nur Gerlinde Fritsch in lebendiger Erinnerung geblieben. Im Jahr 2003 wird der Allgemeine Hospiz- und Palliativberatungsdienst im Kreis Germersheim gemeinsam mit der Sozialstation Hagenbach-Kandel-Wörth gegründet und 2005 in alleinige Trägerschaft übernommen. Aktuell sind in diesem Bereich 24 Personen ehrenamtlich tätig. 2009 wurde aus der einstigen Kleiderkammer der heutige Caritas-Warenkorb. 2011 ziehen die Caritas-Fachdienste in die 17er Straße, das ehemalige Altenheim, um.

"Präsent sein, wo die Menschen sind"

Früher seien die Angebote ganzheitlicher gewesen, erinnert sich Gerlinde Fritsch. Bei aller wichtigen Spezialisierung und damit auch Professionalisierung dürfe aber der Mensch als Ganzes nicht aus den Augen verloren werden. „Wir müssen präsent sein dort, wo die Menschen sind“ sagt auch Joachim Mergen mit dem Hinweis auf regelmäßige Sprechstunden in Kitas oder andere niedrigschwellige Angebote. Diese seien zwar „kostenlos aber nicht umsonst“. Raum zu schaffen, wo sich Menschen begegnen können, sei das Ziel. Die Weiterentwicklung der Familienbüros im Landkreis zu „regionalen, generationen- und lebenslagenübergreifenden Anlaufstellen für Familien“ passt zu diesem Ziel ebenso wie die geplante „Freizeitgruppe für abstinenzorientierte Menschen“. Angebote zur Unterstützung von Kindern und Jugendlichen, die Gewalterfahrungen oder ständige Angst und Todesnähe auf der Flucht erlebt haben, sind in Planung.

Mehr zum Thema
x