Rülzheim RHEINPFALZ Plus Artikel Gemeindewerke gehen mit Thüga neue Wege

Holger Lapp in der Leitstelle der Thüga-Energienetze in Singen. Die Erdgas-Versorgung wurde von hier überwacht. Nun kümmert sich
Holger Lapp in der Leitstelle der Thüga-Energienetze in Singen. Die Erdgas-Versorgung wurde von hier überwacht. Nun kümmert sich die Thüga auch um die Stromnetze.

Die Kooperation der Gemeindewerke Rülzheim und Hördt mit der Thüga wird von allen Partnern als historisch bezeichnet. In der Südpfalz ist es in dieser Form ein besonderes Modell. Die Verbandsgemeindewerke sind von der Änderung nicht betroffen.

Die Energiewirtschaft hat sich in den zurückliegenden Jahren stark verändert, wurde komplexer. Für kleinere Gemeindewerke wurde es immer schwieriger, auch in Zukunft einen reibungslosen Stromnetzbetrieb für ihre Kunden sicherzustellen. Deshalb waren das Werk Energieversorgungsunternehmen (EVU) in Hördt und das in Rülzheim schon länger auf der Suche nach einem Partner, aber auch, weil die Unternehmensergebnisse sich verschlechterten. „Beide Werke waren finanziell beinahe am Ende“, betonen die Ortsbürgermeister von Rülzheim und Hördt, Reiner Hör und Max Frey, sowie der kaufmännische Werkleiter Jürgen Trauth im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Gesucht worden war also eine nachhaltige Lösung, die auch für die Zukunft wirtschaftlich tragfähig ist. Mit der Thüga habe die Gemeinde „einen starken Partner an unserer Seite“, so Ortsbürgermeister Hör, „der uns hilft, uns für die Zukunft zu wappnen und die Energie- und Wärmeversorgung für Rülzheim sicherzustellen“.

Partner schnell gefunden

Nach Angaben der Partner ist der Anfang Dezember 2023 notariell beurkundete Konsortialvertrag ein juristischer Meilenstein. Das Kooperationsmodell ist das Ergebnis eines mehrjährigen Prozesses, dessen Ergebnis die Gemeinderäte Hördt und Rülzheim einstimmig zugestimmt haben. Bei der Suche nach einem geeigneten Partner wurden die Gemeindewerke bereits relativ frühzeitig mit Thüga Energienetze (THEN) fündig. Nach der Wahl des Kooperationspartners ging es dann darum, das Kooperationsmodell inhaltlich auszugestalten. „Phasenweise waren wir bei der Ausgestaltung des Kooperationsmodells auf der Suche nach der Quadratur des Kreises gewesen“, so Trauth. Dabei seien Themen wie Regionalität, Serviceorientierung und wirtschaftliche Nachhaltigkeit, aber auch Effizienz stets im Vordergrund gestanden. Mit beiden Firmen habe man „starke Partner an der Seite“, die dazu beitragen könnten, die Energiewende in Rülzheim in Angriff zu nehmen, so Hör. Am Zustandekommen der Kooperation seien Werkleiter Trauth und Andreas Vogler von der Thüga maßgeblich beteiligt gewesen.

Die Energienetze sind THEN-Geschäftsführer Christoph Raquet zufolge in sehr gutem Zustand. Er geht davon aus, dass in den im Boden liegenden Gasleitungen zu 99 Prozent auch später einmal Wasserstoff transportiert werden kann. Oberirdisch seien mit neuen Verdichterstationen und mehr aber schon noch weitere Investitionen zu tätigen. Mit den heutigen Gasuhren sei das auch nicht zu machen, die Endkunden benötigten irgendwann auch neue Zähler.

Die Zusammenarbeit zwischen der Thüga und den Gemeinden klappt seit über 100 Jahren. Nun wird ein neues Kapitel geschrieben.
Die Zusammenarbeit zwischen der Thüga und den Gemeinden klappt seit über 100 Jahren. Nun wird ein neues Kapitel geschrieben.

Die zum 1. Januar neu gegründete Netzeigentumsgesellschaft Energienetze Südpfalz GmbH & Co. KG übernehmen das operative Geschäft. Beteiligt sind die Gemeinden Rülzheim mit 40,54 Prozent, die Ortsgemeinde Hördt mit 12,03 Prozent und die Thüga Energienetze mit 47,43 Prozent, sagt Hör auf Nachfrage. Die Gemeindewerke Rülzheim und Hördt, die bisher für die Versorgung mit Strom zuständig waren, werden aufgelöst. Die Netzeigentumsgesellschaft Südpfalz kümmert sich seit Januar um alle Strom- und Gasnetze in beiden Gemeinden. Für die Kunden in Rülzheim und Hördt ändert sich nichts. Ansprechpartner werden auch in Zukunft die Mitarbeiter des Energiecenters in der Mittleren Ortsstraße sein, deren Beschäftigte großteils – wenn dies gewünscht war – übernommen wurden.

Aufsichtsrat für Gesellschaft

Bei der noch zu gründenden Vertriebsgesellschaft stehen die Beteiligungssätze noch nicht fest, sagt Markus Spitz, Geschäftsführer der Thüga Energie, auf Nachfrage. Im Laufe des ersten Halbjahres werde es auch hier eine neue Gesellschaft geben. Die Thüga Energie soll künftig auch die Verantwortung für den Betrieb des Fernwärmenetzes in Rülzheim tragen. Beide neuen Firmen stellen „eine komplett neue Landschaft“ dar, sind sich die Vertragspartner im Gespräch mit der RHEINPFALZ einig. Für beide Firmen wird es künftig einen Aufsichtsrat geben, der mit vier Mitgliedern aus Rülzheim, zwei aus Hördt und drei von der Thüga besetzt sein wird. Geschäftsführer der Netzeigentumsgesellschaft Energienetze Südpfalz wird Bauamtsleiter Sascha Schäffner.

Für Christoph Raquet stellt die Kooperation „ein Erfolgsmodell für die Zukunft“ dar, weil künftig „ein starker Partner mit technischem Know-how und kaufmännischer Expertise den zukunftsfähigen Netzbetrieb mit ihren immer höher werdenden Anforderungen“ vorhanden sei. Genannt wurde unter anderem auch der Schutz der Netze vor Hackerangriffen (Cybersecurity). Das Know-how sei besonders wichtig, weil der Strombedarf in Zukunft weiter zunehmen werde. Für Markus Spitz stellt die neue Kooperation die Energie- und Wärmeversorgung beider Gemeinden langfristig sicher.

Nicht betroffen von den Veränderungen sind Bürgermeister Matthias Schardt zufolge nicht die Verbandsgemeindewerke-Abwasserbeseitigung. Sie kümmern sich ausschließlich um die Bereiche Wasser- und Abwasserbeseitigung, deren Tätigkeitsfeld eine öffentliche Aufgabe ist.

x