Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Gegenüber: Karl Hammel blickt auf 100 bewegte Jahre zurück

Karl Hammel an seinem 100. Geburtstag.
Karl Hammel an seinem 100. Geburtstag.

Jüngst wurde Karl Hammel 100 Jahre alt. Das Wörther Urgestein erinnert sich an Kriegszeiten und an den Bau ortsprägender Gebäude in Wörth.

Karl Hammel wurde 1925 in Wörth geboren und ist dort aufgewachsen – die Kriegszeiten ausgenommen – und besuchte zunächst die Volksschule. Seine Eltern, die ein Schuhgeschäft und eine Schuhmacherei führten, schickten ihn in die Wirtschafts-Aufbauschule nach Landau, wo er die Mittlere Reife erhielt.

„Mein großes Hobby in der Jugendzeit waren die Segelflugzeuge, die ich immer wieder am Flugplatz in Karlsruhe bestaunte. Ich habe begeistert selbst welche gebaut und mit der Laubsäge bearbeitet. Flugzeugbau war damit mein berufliches Ziel. Deshalb bin ich morgens um fünf Uhr aufgestanden und um sechs Uhr mit dem Zug nach Speyer zu den Flugzeugwerken gefahren, obwohl ich dort kein Geld verdiente.“ Es folgte eine kurze Arbeitszeit bei den Schaerer-Werken in Karlsruhe. „Die wurden 1942 aber über Nacht total durch einen Bombenangriff zerstört“ , erzählt Hammel, der auch kurz bei DWM (Deutsche Waffen- und Munitionsfabriken) tätig war.

Bald ging es ins Ausland

Im selben Jahr folgte die Einberufung zum Reichsarbeitsdienst mit 17 Jahren ins Saarland , wo Hammel bis zum Sommer 1943 blieb, ehe er nach Mainz-Gonsenheim zur Grundausbildung der Wehrmacht kam. „Plötzlich wurden wir mit 20 Mann in einen Eisenbahnwaggon verladen und sind nach drei Wochen in Kiew gelandet – es begann eine schlimme Zeit.“

Eines Tages wurde er zum Kommandeur bestellt, der ihn fragte, ob er Offizier werden wolle. „Nach Rücksprache mit meinen Kollegen – da ich gar nicht wusste, was da auf mich zukommt – war ich einverstanden, da ich dadurch ja eigentlich nicht an die Front musste. So wurde ich im Dezember 1943 nach Grenoble in Frankreich gebracht. Aber bald ging es weiter nach Weißrussland (heute Belarus), wo wir nachts Minen verlegt haben. Nach einem Feuerüberfall der Russen wurde mein Kommandeur, dessen Melder ich war, getötet. Ich konnte noch kopflos einfach wegrennen.“

Weihnachten 1944 in Heidelberg

Der Zug nach Minsk, in dem sich Hammel dann befand, wurde bombardiert und er kam mit einem Lazarettzug nach Warschau. Dann wurde er nach Ingolstadt verlegt und bekam von dort einen Stellungsbefehl nach Rumänien, ehe es nach Ungarn in die Puszta und ins Matra-Gebirge ging. Letztlich war er in der Kriegsschule in Dessau-Roßlau, „die aufgelöst wurde, weil die Russen immer näher kamen. Über die Elbe ging es in Zivil und Weihnachten 1944 landete ich in Heidelberg, ehe ich über den Rhein gepaddelt bin“.

1945 war er zurück in seiner Heimat, als er in Westheim erfuhr, dass sein Vater umgebracht worden war. „Ein paar Wochen hielt ich mich in Bellheim auf, bei Bekannten und die Geschwister brachten mir Verpflegung aus Wörth. Ich musste mich dann bei der Kommandantur in Neustadt melden. Unser Haus war abgebrannt, mein Bruder in Italien gefallen. Ich lebte in einem Zimmer mit Schwester und Mutter und arbeitete bei der Tante im Feld“, erinnert er sich.

„Aber ich wollte ja endlich einen Beruf erlernen. So war ich drei Jahre Lehrling beim kleinen Baugeschäft Adolf Beyerle und absolvierte nach zwei Jahren die Gesellenprüfung als Maurer, ehe ich an die Fachhochschule nach Karlsruhe ging und sechs Semester studierte und als Diplom-Ingenieur für Hochbau abschloss.“ 1954 heiratete er seine Thea.

Gebäude in Wörth geplant

Drei Jahre arbeitete Hammel bei einem Statiker in Mühlburg. „Das war mir zu monoton. Ich wollte raus auf die Baustelle.“ Das tat er dann drei Jahre lang für ein Architekturbüro in der Nähe von Karlsruhe mit der Planung von Ein- und Mehrfamilienhäusern, der Bauführung und Betreuung.

Dann ging es in Wörth Ende der 1960-er Jahre um den Bau der Dorschbergschule, um den er sich beim Gemeinderat beworben und vorgestellt hatte. „Zusammen mit Architekt Georg Fischer und Statiker Dieter Wagner bekam ich den Auftrag. Es folgten der Bau der Berufsbildenden Schule und als so genannte Planungsgruppe 74 der Bau der Bienwaldhalle von 1974 bis 1977, die damals 4,5 Millionen Mark kostete, sowie der Bau der Sporthalle. Das hat alles gut geklappt. Der damalige Bürgermeister Karl Josef Stöffler brauchte sich keine Sorgen machen.“

Anschließend war Hammel auch in eigener Regie für den Bau so mancher Geschäftshäuser und privater Häuser zuständig. Seine politische Heimat wurde die FDP, für die er auch im Gemeinderat war. Sportlich ist er seit über 85 Jahre mit der Turnabteilung des TV verbunden.

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