Kreis Germersheim Güterzüge machen nicht alle glücklich

Das Thema Verkehr interessiert offensichtlich: Die Kandidaten für die Bundestagswahl und andere Kommunalpolitiker waren gekommen
Das Thema Verkehr interessiert offensichtlich: Die Kandidaten für die Bundestagswahl und andere Kommunalpolitiker waren gekommen, dazu zahlreiche Zuhörer.

Bestens besucht war die Podiumsdiskussion „Bleibt der öffentliche Verkehr auf der Strecke“ am Dienstagabend im Bürgerhaus Hatzenbühl. Eingeladen hatte das Verkehrsforum Südpfalz. Neben den Bürgern waren auch Kandidaten für die kommende Bundestagswahl und andere Kommunalpolitiker vertreten.

Hans-Jürgen Burckhardt, Sprecher der Bürgerinitiative Verkehrsforum Südpfalz, begann die Veranstaltung mit einem projizierten Foto. „Dies ist der Güterbahnhof Landau in den 1980er Jahren“, sagte Burckhardt. Doch dieser sei Geschichte. „Er musste Autos und Parkplätzen Platz machen und wurde dem Erdboden gleichgemacht.“ Seit vielen Jahren seien Bahnhöfe in Deutschland systematisch von der Bildfläche verschwunden. „Seit 70 Jahren haben wir eine Verkehrspolitik, die für Pkw und Lkw gemacht wird“, so Burckhardt weiter. Mehr als 10.000 Kilometer stillgelegte Strecken und zahlreiche Bahnhöfe seien dem Kahlschlag zum Opfer gefallen. Daher stellte der Gastgeber die Frage: „Bleibt die Bahn auf der Strecke, kommt sie gar aufs Abstellgleis?“ In kurzen Statements positionierten sich die Politiker zu Bahn und ÖPNV, deren Stärkung sie einhellig begrüßten. Der Bundestagsabgeordnete Thomas Gebhart (CDU) meinte: „Gerade für Menschen, die nicht so mobil sind, ist der ÖPNV enorm wichtig. Hinzu kommt der Umweltschutzaspekt gegenüber der Straße.“ Konkret in der Südpfalz sprach er die Strecken Wörth-Germersheim und Neustadt-Landau-Wörth an, die man stärken müsse. Verbesserungen habe es bei der Verbindung Bad Bergzabern-Karlsruhe durch einen zusätzlichen Zug gegeben. Thomas Hitschler (MdB, SPD) betonte, dass gerade auf dem Land der ÖPNV darbe, während er in der Stadt oft funktioniere. Er sprach eine bessere Anbindung der Südpfalz nach Frankreich oder die Verbindung Landau-Germersheim an. Speziell im zunehmenden Güterverkehr könnte man beispielsweise mit sogenannten „Flüsterbremsen“ operieren, welche die Anwohner lärmtechnisch schonen. Tobias Lindner (MdB, Grüne) plädierte beispielsweise dafür, die Hauptschlagader der Südpfalz, die Strecke Wörth-Landau-Neustadt zu ertüchtigen. Er forderte zudem eine klare Trennung von Netz und Betrieb bei der Bahn und verstärkten Lärmschutz. Entscheidend sei es, dass bei der Bahn der Kunde künftig wieder im Mittelpunkt stehe. Denn seit geraumer Zeit folge die DB der Logik eines Aktienunternehmens. Von einer „desolaten Infrastruktur“ bei der Bahn sprach Heiko Wildberg, Kandidat der AfD. Man müsse marode Strecken und Brücken dringend sanieren. Einer „Abwendung von der Auto-Lobby“ sprach Max Keck, Die Linke, das Wort. Den Nahverkehr zukunftsfähiger zu machen, versprach der FDP-Kreisvorsitzende Kandidat Christian Völker. Zu einem kurzen Disput kam es, als Burckhardt meinte, dass Personen, die sich Grundstücke an Gleisen gekauft haben, mit dem Lärm leben müssten. „Ich freue mich über jeden Güterwaggon, den ich sehe.“ Dem widersprach Hitschler: „Man darf nicht vergessen, dass viele Leute gesundheitliche Probleme durch den Lärm haben. Man darf es sich nicht zu einfach machen.“ Im Laufe des Abends ging es auch um den Bundesverkehrswegeplan, den internationalen Güterverkehr, der vor allem rechtsrheinisch laufen soll und immer wieder über eine „neoliberale Ideologie“, welche den Kunden vernachlässigt und die Rendite in den Fokus gerückt habe. Ein Mann aus Wörth hatte ein Beispiel. Kürzlich sei er mit seiner Frau von Wörth nach Neustadt mit der Bahn gefahren. „Hin und zurück hat das 42 Euro gekostet. Das kann doch nicht sein?“ Hier schaltete sich Keck (Linke) ein und forderte sozial gerechtere Tarife. Von Bürgerseite wurde ein verständlicheres Tarifsystem gefordert und zudem eine bessere Umsetzung am Kassenautomaten. Beschwerden gab es über Unpünktlichkeit oder Zugausfälle. Auch Radfahrer hatten Beschwerden. So wurde kritisiert, dass das Hafentor am Landeshafen Wörth geschlossen werden soll. Für Radfahrer aus der Südpfalz, die nach Karlsruhe pendeln, hätte die Schließung der zentralen Strecke große Umwege zur Folge. Grüne, CDU und SPD plädierten für die Offenhaltung. Unter anderem forderte der Verkehrsplaner Herbert Jäger beim rund dreistündigen Forum, dass die Rhein-Neckar-S-Bahn über Wörth nach Karlsruhe (im Stunden-Takt) weiterfahren soll.

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