Knittelsheim
Fußballer haben Corona-Schock überstanden
Thomas Richter klang am Dienstagabend erstmal erleichtert. Die Nachricht, dass alle als Kontaktpersonen eingestuften Vereinsmitglieder, die seit Freitag in Quarantäne waren, ein negatives Testergebnis haben, sei „noch warm“, sagte der TuS-Vorsitzende gegenüber der RHEINPFALZ. Er hatte sie gerade vom Gesundheitsamt erhalten. „Jeder der auf dem Sportgelände war, wurde getestet“, sagt Richter. Zehn bis zwölf Leute, die unmittelbareren Kontakt zu dem infizierten Spieler – etwa in der Dusche oder am Tisch – bleiben vorsichtshalber noch bis nächsten Montag in Quarantäne. Auch der infizierte Spieler, der nie Covid-19-Symptome gezeigt habe, sei mittlerweile negativ getestet. Eine Erklärung dafür könne sein, dass er sich frühzeitig in seinem Urlaub angesteckt hatte und die Infektion mittlerweile überstanden habe, meint Richter.
Am Freitag war bekanntgeworden, dass sich ein Spieler des TuS Knittelsheim mit dem Coronavirus infiziert hat. Der Verein hat sofort alle Trainings, Aktivitäten und Spiele abgesagt. „Wir haben direkt die Reißleine gezogen und alle informiert“, erklärt Richter. Das Gesundheitsamt des Landkreises hat daraufhin die Kontaktpersonen des Spielers ermittelt und mehr als 60 Tests angeordnet. Der Großteil der Betroffenen lebe im Kreis Germersheim, teilte am Dienstag eine Sprecherin der Kreisverwaltung auf Anfrage mit.
Information läuft nicht rund
Am Samstag hat die Kreisverwaltung auf ihrer Facebook-Seite grundsätzlich an Reiserückkehrer appelliert, einen Corona-Test machen zu lassen. Man solle „unbedingt das Ergebnis abwarten und bis zu dieser Zeit Distanz zu anderen Menschen wahren“, hieß es. Und: Ein Rückkehrer mit positivem Ergebnis habe sich nicht an diese Empfehlung gehalten und sei direkt zum Fußballtraining gegangen.
Diese Information stellte sich als unzureichend heraus. „Unser Mitspieler hat sich am vergangenen Montag nach seiner Rückkehr aus dem Urlaub an der Grenze Bayerns einem freiwilligen Test unterzogen“, teilte der Verein am Samstag auf seiner Facebook-Seite mit. Er hatte weder Symptome, noch sei er aus einem Corona-Risikogebiet eingereist. Die bayrischen Behörden hätten zugesichert, dass das Ergebnis – sofern es positiv sei – nach ein bis zwei Tagen da wäre. „Sollte man sich nicht melden, wäre der Test negativ“, heißt es in der Stellungnahme. Die Mitteilung, dass er infiziert sei, erreichte ihn und das örtliche Gesundheitsamt allerdings erst freitags.
Ergebnis kommt viel später als erwartet
„Wir wollten möglichst alle Beteiligten erreichen, um die Verbreitung des Virus sofort unterbinden zu können“, erklärt die Sprecherin des Kreises. „Für die Kontaktermittlung waren wir dringlich auf Unterstützung durch die beteiligten Strukturen per Tabellen (Anwesenheits- und Kontaktlisten) angewiesen – und das sollte die Botschaft sein.“ Die Verwaltung habe sich zur Veröffentlichung entschieden, um „insbesondere nochmals den Appell zu untermauern, sich testen zu lassen und das Ergebnis abzuwarten. Zudem haben wir immer dann etwas konkreter über positive Fälle informiert, wenn eine Betroffenheit für größere Personenkreise und Einrichtungen vorlag“. Eine wichtige Information lag der Verwaltung zu diesem Zeitpunkt nicht vor, „nämlich, dass dem jungen Mann in Bayern gesagt wurde, er bekäme bei einem positiven Testergebnis innerhalb einer Frist von ein bis zwei Tagen Bescheid“. Nachdem das nicht passiert sei, fühlte er sich sicher und ging ins Training, so der Kreis. Es sei keine Absicht gewesen, jemanden an den Pranger zu stellen.
Die Frist wäre demnach am Mittwochmorgen abgelaufen. Am Dienstagabend hat der Fußballer trainiert. „Das hat an der grundsätzlichen Situation gar nichts geändert, da das positive Ergebnis insgesamt viel zu spät kam“, so die Kreis-Sprecherin. Der Spieler habe mit dem freiwilligen Test gut reagiert, denn nur so sei die Infektion überhaupt bekanntgeworden. Die Verwaltung geht davon aus, dass er zu den mehreren tausend in Bayern getesteten Personen gehört, die mit großer Verzögerung über ihr Ergebnis informiert wurden.
Der Fall löst einen Shitstorm aus
In den sozialen Netzwerken hat der Knittelsheimer Corona-Fall einen Shitstorm losgetreten. Mit Hetzkommentaren verbreiteten sich auch Halbwahrheiten wie ein Lauffeuer. „Das war nicht okay gegenüber unserem Spieler“, sagt Thomas Richter, Vorsitzender des TuS Knittelsheim. Die Stellungnahme des Vereins am Samstag sei eine Reaktion auf die Mitteilung des Kreises und den allgemeinen Shitstorm gewesen, der losgetreten wurde. Der TuS stellt sich schützend vor seinen Spieler. Da er nicht aus einem Risikogebiet kam, hätte er sich ja gar nicht testen lassen müssen, betont Thomas Richter. „Der, der sich freiwillig testen lässt, wird dann noch zum Buhmann.“
Auch der Kreisverwaltung sind die „unerwarteten harten Kommentierungen und respektlosen Äußerungen“ vieler Social-Media-Nutzer nicht entgangen. „Am Samstag haben wir in Abstimmung mit dem Spieler eine Medieninformation nachgeschoben und den Sachverhalt geklärt, verbunden mit der Hoffnung, dass die Menschen auch die Korrektur wahrnehmen und einordnen“, so die Kreis-Sprecherin. Die Verwaltung sei betroffen und fühle sich in der Verantwortung ihm gegenüber. Der Kreis wies gestern nochmals daraufhin, dass Anwesenheitslisten helfen, Infektionsketten zu erkennen und zu unterbrechen. „Wir haben jetzt gesehen, wie wichtig es ist, dass diese gut und konsequent geführt werden.“
Isolierte Spieler trainieren online
Nach dem ersten „Schock“ kehrt mittlerweile Ruhe beim TuS ein, berichtet Thomas Richter. Auf die Klarstellung auf Facebook habe der Verein „überwältigende positive Resonanz“ bekommen. Am Sonntag legten die isolierten Spieler eine Trainingseinheit über die Video-Plattform Skype ein. Jetzt wartet der Vorsitzende darauf, dass das Gesundheitsamt bald grünes Licht für den Sportbetrieb auf dem Rasen gibt.