Kreis Germersheim Franzosen sind wahlmüde und Pfälzer leben auf dem Bauernhof
«Paris.» Frankreich hat gewählt. Vor Ort hat Linda Engel, freie Mitarbeiterin der RHEINPFALZ-Lokalredaktion Germersheim-Wörth, die Geschehnisse rund um den zweiten Wahlgang der Parlamentswahl in Frankreich bei einem Wahlbeobachtungsseminar verfolgt.
Nicht nur etwas über die Politik unserer beiden Länder sollten wir bei unserem fünftägigen Seminar in Paris lernen. Unser Ziel war es auch, am Ende eine einstündige Radiosendung zum Thema „Zweite Runde der Parlamentswahlen in Frankreich“ im Kasten zu haben. Wie umfangreich und anstrengend diese Aufnahmen sein würden, konnten wir 25 Teilnehmer uns zu Beginn kaum vorstellen. Übrigens kam nicht wie vor dem Seminar angekündigt eine Hälfte der Teilnehmer aus Frankreich und die andere aus Deutschland, sondern 80 Prozent aus Deutschland mangels Interesse französischer Jugendlicher. Bei der Einführung konnten wir zwar schon erahnen, dass wir während der kommenden Tage nur sehr wenig Freizeit haben würden, aber dass wir sogar Gespräche mit Wahlkämpfern mangels Zeit früher abbrechen müssen, kündigte sich dort noch nicht an. Viele von uns kamen mit der Erwartung nach Paris, das französische Parlament zu besichtigen und direkt vor Ort mit Abgeordneten zu sprechen. Da in Frankreich wegen der Terroranschläge noch immer Ausnahmezustand herrscht, fiel der Besuch des Parlaments aber flach. Ambitionierte Kandidaten hatten außerdem kaum Interesse oder an den letzten Tagen vor der Wahl auch keine Zeit, unsere Gruppe zu treffen. So kam gleich zu Beginn Ernüchterung auf. Enttäuscht fuhr am Montagnachmittag allerdings niemand nach Hause. Ich kam am engsten mit der Partei der Republikaner in Kontakt. Mit fünf anderen Teilnehmern des Seminars besuchte ich am Freitagabend die Abschlusskundgebung der Kandidatin der Republikaner des fünften Wahlbezirkes in Paris. Für mich persönlich war das Interview am Nachmittag mit Julia Killian allerdings noch interessanter. Sie war in der ersten Runde der Parlamentswahlen Kandidatin für die Bewegung „La France insoumise“, hatte es dann allerdings nicht in die zweite Runde geschafft. Sie berichtete uns von ihrer Kandidatur, ihrer Kampagne und deren Finanzierung, die ein Kandidat in Frankreich erst einmal selbst übernehmen muss. Nur wenn der Kandidat die Fünf-Prozent-Hürde überspringt, übernimmt die Partei die Kosten. Französische Bürger befragten wir gleich mehrere Male, am ersten Tag auf der Straße und am Sonntag dann direkt im Wahllokal. Bereits auf der Straße war zu spüren, dass viele Franzosen sehr wahlmüde waren. Dass die Wahlbeteiligung noch geringer als erwartet ausfiel, war für uns deshalb keine Überraschung. Wir legten bei unseren Befragungen auch einen Schwerpunkt auf Europa und speziell auf das deutsch-französische Tandem. Die Antworten der französischen Bürger dazu waren teilweise erschreckend für mich. Antworten wie Frankreich ist Frankreich, Europa interessiert mich nicht, hörten wir öfters. Den Wahlabend verfolgten wir schließlich im Fernsehen. Im September steht dann mit derselben Gruppe das Seminar zur Bundestagswahl in Berlin an. Außer mir kommen alle Teilnehmer aus Großstädten wie Berlin, Köln oder München. David aus Dortmund fragte mich, als er hörte, dass ich aus der Pfalz komme, ob wir einen Bauernhof hätten und wo ich Französisch lernen konnte ... Gespannt fiebere ich jetzt dem 30. Juni entgegen. An diesem Tag wird im Hamburger Radio unsere Sendung ausgestrahlt und über Internet ist sie auch bei uns zu hören. Aus der Region