Kreis Germersheim „Fluch und Segen zugleich“

«Wörth». Das Europa-Gymnasium soll unter Denkmalschutz gestellt werden, das Rathaus und die Kirche St. Theodard folgen vielleicht. Was damit auf die Stadt zukommt, darüber sprach die RHEINPFALZ mit Bürgermeister Dennis Nitsche (SPD).
Spontan dachte ich, dass die Baukultur doch sehr vielfältig ist. Und dass offenbar auch Dinge, die als betonlastige Klötze empfunden werden können, einen besonderen Wert darstellen. Und dann dachte ich noch, dass es eine teure Angelegenheit werden dürfte, wenn wir eines Tages auf die Idee kommen, das Rathaus zu sanieren. Denn wir wissen, dass wir ein energetisch problematisches Gebäude haben. Kennen Sie den Denkmalschutzantrag bereits im Detail? Nein. Mir ist aber bekannt, dass im besonderen die drei Gebäude katholische Kirche St. Theodard, das Rathaus und das Europa Gymnasium im Blickfeld stehen. Sie stehen als Ensemble recht eng beieinander. Welchen Einfluss hat das Verfahren auf die Sanierung des Europagymnasiums? Meines Wissens ist es so, dass sich Kreisverwaltung und Denkmalbehörde darauf geeinigt haben, Teile zu erhalten. Allerdings kann zum Beispiel ein Volldämmschutz nur zum Teil angebracht werden. Das macht es möglicherweise ein wenig schwierig. Ist dieser Vorgang eigentlich positiv für die Stadt? Das kann Fluch und Segen zugleich sein. Wenn wir am Rathaus zum Beispiel die Fassaden erhalten müssen, dann muss mit vorgesetztem Glas gearbeitet werden, das einen entsprechenden Wärmeschutz bewerkstelligen kann. Einerseits wird es eine Herausforderung werden, andererseits wird es auch Gelder vom Land geben. Wie ist Ihre persönliche Meinung? Ich freue mich natürlich schon, dass wir hier in einem denkmalgeschützten Gebäude sitzen. Dass Gebäude aus den sechziger und siebziger Jahren einen Denkmalwert haben, ist aber wahrscheinlich noch nicht in das allgemeine Bewusstsein und ästhetische Empfinden übergegangen. Kann man Denkmalschutz und Stadtentwicklung unter einen Hut bekommen? Das ist ein bisschen eine schwierige Frage. Wenn wir alles unter Schutz stellen, dann nehmen wir uns auch viele Möglichkeiten. Wir wollen ja eine lebendige Stadt und kein Freilichtmuseum oder Bullerbü in Beton. Es ist ambivalent und wir müssen Gestaltungs- und Entwicklungsmöglichkeiten im Auge behalten dürfen.
