Bellheim RHEINPFALZ Plus Artikel Fernwärmenetz fürs Bierdorf geplant

Auf dem Brauerei-Gelände soll ein Rechenzentrum entstehen. Dessen Abwärme könnte ins geplante Fernwärmenetz eingespeist werden.
Auf dem Brauerei-Gelände soll ein Rechenzentrum entstehen. Dessen Abwärme könnte ins geplante Fernwärmenetz eingespeist werden.

In Anbetracht der Energiewende soll in Bellheim ein Fernwärmenetz entstehen. Fördermittel sind bereits beantragt, informierte Ortsbürgermeister Paul Gärtner (FWG) und nannte Einzelheiten.

Die Gemeinde habe kurzfristig davon erfahren, dass es möglich ist, aus dem kommunalen Investitionsprogramm Klimaschutz und Innovation (KIPKI) eine Förderung in Höhe von vier Millionen Euro für den Aufbau eines Fernwärmenetzes zu erhalten, „wenn es als Pilotprojekt zugelassen wird“. Um das geplante Netz zu speisen, gibt es laut Gärtner mehrere Möglichkeiten: Zum einen werde auf dem Gelände der Brauerei Park & Bellheimer ein Rechenzentrum geplant, mit dessen Abwärme rund 2000 Haushalte versorgt werden könnten. Allerdings habe auch schon das ortsansässige Unternehmen Kardex Interesse an der Nutzung der Abwärme bekundet. Ferner könnte die Brauerei Überkapazitäten aus ihrem Blockheizkraftwerk einspeisen. Gärtner verwies auch auf die in Rülzheim geplante Geothermiebohrung; das entsprechende Suchfeld nach Erdwärme erstrecke sich fast bis an Bellheims Ortsgrenze. Darüber hinaus sei schon über Wärmegewinnung aus den Abwasserkanälen nachgedacht worden. Weitere Wärmequellen könnten sich im Lauf der Zeit auftun und genutzt werden.

Nach Gärtners Aussage haben Gespräche mit den Pfalzwerken ergeben, dass diese Interesse haben, das Projekt zu finanzieren beziehungsweise sogar vorzufinanzieren – gegebenenfalls auch ohne finanzielle Beteiligung der Gemeinde. In Anbetracht dessen wäre das Projekt Fernwärme auch dann nicht gestorben, sollte es mit dem KIPKI-Geld nicht klappen; zumal es für solch ein Fernwärme-Projekt noch andere Fördertöpfe gebe. Es wäre für die Gemeinde auch insofern kein Abenteuer, als die Pfalzwerke auf diesem Gebiet schon Erfahrungen in anderen Orten gesammelt und Zahlen auf den Tisch gelegt hätten, die Hand und Fuß haben.

Anfang in Albert-Schweitzer-Straße

Mit dem Aufbau des Fernwärmenetzes beginnen, könnte man in der Albrecht-Schweitzer-Straße. Diese soll, ähnlich wie die Hintere Straße, auf absehbare Zeit innerhalb eines Jahres für rund 690.000 Euro saniert werden, sagte Gärtner. Die entsprechende Entwurfsplanung hat der Gemeinderat am Donnerstag auf den Weg gebracht; geplant sind drei Bauabschnitte á 90 Meter. Die Bürger sollen baldmöglichst über die Pläne informiert werden. Da die Straße ohnedies aufgegraben werde, um neue Leitungen zu verlegen, könnten die Pfalzwerke hier bereits eine erste Leitung einbauen, was Kosten spare. Weitere Straßen, zunächst etwa die Zeiskamer- und die Jahnstraße könnten folgen. Schrittweise ließen sich dann auch die übrigen Straßen im Dorf anschließen. Das bereits bestehende kommunale Nahwärmenetz könnte ebenfalls integriert werden.

Weil bei der Art und Weise wie die Pfalzwerke das Fernwärmenetz betreiben möchten, die Vorlauftemperatur 75 Grad beträgt, so Gärtner, könnten auch ältere Häuser angeschlossen werden, die derzeit noch konventionell beheizt werden.

Da es sich um keinen offiziellen Tagesordnungspunkt handelte, sondern um eine Information, gab es zunächst für den Gemeinderat nichts zu beschließen. Allerdings drückten alle Fraktionen ihre Zustimmung zu dem Vorhaben aus.

Strom sparen und Gräben nutzen

Unabhängig von diesem KIPKI-Sonderprojekt verabschiedete der Rat einstimmig eine Liste mit Vorhaben, die in Kürze zur Förderung mit KIPKI-Mitteln angemeldet werden sollen: Umrüstung der Flutlichtanlage im Stadion und der Straßenbeleuchtung auf energiesparende LED-Technik, Photovoltaikanlagen fürs Dach des geplanten Kita-Hasenspiel-Anbaus, den Bauhof und Privathäuser sowie Maßnahmen zur Verbesserung des Wasserrückhalts in den Wäldern, durch die Reaktivierung und regelmäßige Nutzung von Gräben. Insgesamt soll Bellheim rund 254.000 Euro aus dem KIPKI-Programm erhalten.

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