Wörth RHEINPFALZ Plus Artikel Fernwärme aus Holzhackschnitzel

Seit vielen Jahren betreibt die stadt wörth ein Fernwärmekraftwerk, das mit Holzhackschnitzel beheizt wird.
Seit vielen Jahren betreibt die stadt wörth ein Fernwärmekraftwerk, das mit Holzhackschnitzel beheizt wird.

Inmitten von teils tropischen Temperaturen tobte in den vergangenen Wochen eine hitzige Debatte über die Wärmeversorgung der Zukunft. Ein zentraler Baustein soll die Fernwärme der kommunalen Versorger sein. Eine Kommune hat schon begonnen.

Die Wärmewende ist in Wörth vor allem Aufgabe der Neuen Energie Wörth (NEW). Das vor drei Jahren gegründete Gemeinschaftsunternehmen von Stadt Wörth und den Pfalzwerken will nach eigenen Angaben den Ausbau der Anlagen zur hocheffizienten dezentralen Energieerzeugung und -verteilung vorantreiben und dabei vor allem erneuerbare Energiequellen nutzen. „Wir haben die Energie- und Wärmeversorgung in Wörth zur zentralen Aufgabe gemacht“, heißt es von der NEW, die aus der „Synergie zweier starker Partner“ einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz leisten will.

Primäre Quelle der Heizwärme sind im Wörther System Holzhackschnitzel. Dazu werden Wald-Hack-Schnitzel und Grünpflegeholz von regionalen Lieferanten verwendet. Fast zwei Drittel der im Jahresverlauf benötigten Wärme im Fernwärmenetz werden durch diesen Biomassenbrennstoff erzeugt. Ein Drittel kommt noch immer aus Gas und Öl. Dazu besteht ein Anschluss an das Erdgasnetz und in der Heizperiode komme zusätzlich ein Erdgas-Spitzenlastkessel zum Einsatz, erklärt das Unternehmen. „Für die Zukunft hat sich NEW als Ziel gesetzt, die Wärmeversorgung nahezu vollständig aus erneuerbaren und CO2-neutralen Energien zu generieren.“

Öl und Gas weiterhin nötig

Ein vollständiger Verzicht auf fossile Energieträger sei aber gerade zu Spitzenverbrauchszeiten schwierig. Der fossile Anteil solle aber unter fünf Prozent gehalten werden. Dazu solle im Zuge des Netzausbaus in Maximiliansau mit Solarthermie Heizwärme aus Sonnenenergie entstehen. Dazu hofft man auch in Wörth, dass bald ein neuer klimaneutral zu verbrennender Brennstoff entsteht, der dazu noch wirtschaftlich nutzbar sein soll. Die NEW hofft auf „die zukünftige Nutzung von Wasserstoff in den Spitzenlast-Kesseln.“

Beim Ausbau der Fernwärme setzt die NEW vor allem auf das Stadtgebiet Wörth. Dazu soll auch das bislang noch im Besitz der Pfalzwerke befindliche Netz in Wörth übernommen werden. Perspektivisch soll auch Maximiliansau mit Fernwärme versorgt werden. Aktuell stehe man dabei vor einigen, allerseits bekannten Herausforderungen, sagt Christoph Gröger, Geschäftsführer der NEW und nennt Genehmigungsverfahren, fehlende Personal und Materialverfügbarkeit. „Wir arbeiten eng mit unseren Kunden, Partnern und der Gemeinde zusammen, um eine zukunftsweisende und nachhaltige Energieversorgung zu schaffen und damit einen wichtigen Beitrag zur Schonung der natürlichen Ressourcen und zum Schutz unserer Umwelt leisten können.“

Beitrag zu Klimaneutralität der Stadt

Prinzipiell sei das Wärmemodell von Wörth auf weitere Kommunen in der Südpfalz übertragbar. Die Pfalzwerke würden das in den kommenden Jahren weiterentwickeln und ausbauen. Aufgrund vieler Unsicherheiten könne das Unternehmen aber nicht verlässlich abschätzen, welchen Anteil der Gesamtenergieversorgung ein solches Nah- und Fernwärmemodell in Zukunft ausmachen könne. Mit einer prognostizierten Einsparung von 85 Prozent der CO2-Emissionen erhofft sich die Stadt Wörth von dieser Art der Energieversorgung aber einen erheblichen Beitrag, um die Stadt bis 2030 klimaneutral zu machen.

„Mir ist äußerst wichtig, dass wir die Klimaneutralität verbinden mit der Bezahlbarkeit der Energie für alle Menschen in unserer Stadt. Bezahlbare Energiepreise für die Bürgerinnen und Bürger, Klimaschutz und Nachhaltigkeit sowie Wirtschaftlichkeit müssen miteinander in Einklang stehen“, sagt Bürgermeister Dennis Nitsche. Das Modell leiste einen wertvollen Beitrag, um sich bei der Energieversorgung unabhängiger zu machen. „Wir haben die einmalige Chance Investitionen, Arbeitsplätze und erhebliche Wertschöpfung in der Region anzusiedeln und uns unabhängig von Energieimporten aus fragwürdigen Staaten zu machen. Das wird erheblichen Wohlstand in die Region bringen“, betont er auch Möglichkeiten der wirtschaftlichen Entwicklung für die Region.

Die Debatte der vergangenen Wochen habe das Interesse an dem Wörther Modell deutlich erhöht. Dazu sind die Kommunalverwaltungen gefordert, bis 2028 eine eigene Wärmeplanung vorzulegen. Im kommenden Monat planen die Pfalzwerke dazu regionale Veranstaltungen, in der sie über kommunale Wärmeplanung und Nachhaltigkeit informieren. „Hier wird die Erstellung von Studien mit einer umfangreichen Bestandsanalyse, einer detaillierten Potenzialanalyse sowie der Betrachtung von Fokusgebieten angeboten“, heißt es von den Pfalzwerken. „Wir wollen unseren kommunalen Partnern beratend zur Seite stehen.“

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