Kreis Germersheim Faszination Greifvögel
WÖRTH. „Ich bin fasziniert, welche Greifvögel – nicht nur heimische – hier zu sehen sind und mit welchem Idealismus Herr Anselm diese Anlage betreibt“, sagt Tina Kuntz aus Herxheim. Ihre Begleiterinnen Hedwig und Gerda Meyer, die schon öfter bei RHEINPFALZ-Touren dabei waren, stimmen ihr da voll zu. „Wir sind sehr überrascht. Wir fahren hier oft mit dem Fahrrad vorbei, aber waren noch nie drin. Das haben wir nicht gewusst.“
Alle drei RHEINPFALZ-Leserinnen sind beim Besuch des „Adlerhorstes“ von Reinhold Anselm dabei, um Eindrücke aus der Welt der Greifvögel zu sammeln. Eine große Schautafel kurz vor der Wörther Grillhütte kündigt die Vogelstation an. Während die sechs Kinder gleich zum Gehege des Fischadlers streben, folgen die elf Erwachsenen dem Vogelzüchter aus Leidenschaft etwas gemächlicher. Er warnt seine Besucher, die Finger oder Hände nicht zu weit durch das Gitter zu strecken: „Das ist in der Brutzeit lebensgefährlich.“ „Woher haben Sie diesen Adler und was hat er gekostet?“, wird Anselm gefragt. „Der stammt aus dem Nürnberger Zoo. Das Paar hat 20 000 Euro gekostet.“ Zu den verwunderten „Oohs“ erwidert Anselm: „Ja, da bekäme man schon einen Mercedes“, ehe er die Gruppe zu den Schleiereulen und Waldkäuzen führt. Dabei zeigt der „Vogelflüsterer“, wie ihn die RHEINPFALZ 2014 betitelte, den interessierten Kindern und Erwachsenen zwei kleine Schleiereulen – die eine zehn, die andere 14 Tage alt. „Die habe ich, wie die meisten meiner Vögel, von Hand aufgezogen“, erzählt er. Zunächst bekommen die Teilnehmer der RHEINPFALZ-Sommertour ein Nest voll mit nicht befruchteten Eiern von Störchen, Adlern oder Uhus zu sehen, dann gibt es diese Vögel ebenso „live“ zu bewundern. Nicht schlecht staunen die Besucher, als Anselm ihnen die Speisekarte seiner Greifvögel erläutert. Auf dieser stehen jeden Tag bei zwei Fütterungen 250 Eintagsküken, größere Fisch- und Fleischportionen, verschiedene Mehlwürmer, Eier und Spezialweichfutter. „Das kostet doch bestimmt auch ganz schön viel Geld“, meint eines der Kinder, worauf der Vogelliebhaber nur schmunzelt. „Ja“, meint seine Frau Inge, die ihn manchmal bei der Arbeit unterstützt, „das ist eben schon über 40 Jahre das Hobby meines Mannes.“ „1981 fing das hier in der Gewanne „Meierhöfel“ an“, ergänzt seine Tochter Alexandra, die, ebenso wie Schwester Julia, zu Besuch in Vaters Revier gekommen ist. Zuerst hat Anselm zuhause Vögel gehalten und aufgezogen. Dann hat er dieses Grundstück erworben. „Das war ein richtiger Urwald – ein Dschungel“, erinnert sich Alexandra, die anfangs mit ihrem älteren Bruder mithelfen musste. Anselm erzählt, wie er das Gelände mit den alten Obstbäumen regelrecht gerodet und eingezäunt hat. „Danach baute ich die ersten Gehege für die Eulen, die Uhus und die Falken. Später kamen die Gehege für Adler, verschiedene Käuze und Bussarde dazu.“ Länger hält sich die Besuchergruppe an den beiden erst ein paar Wochen alten Steppen-Jungadlern auf. Es waren ursprünglich drei, die der „Vogel-Ersatzpapa“ , wie ihn der SWR in einem Beitrag nannte, aufgezogen hatte. Einen hat er an einen Zoo weitergegeben. „Ich durfte sie streicheln“, freut sich der 8-jährige Bastian aus Herxheim, dem vor allem die großen Adler imponiert haben. Der 8-jährige Leon aus Wörth hat sich dagegen etwas geärgert, dass der Adler sein Fressen nicht abgeholt hatte. Ganz stolz zeigen die Kinder die Adlerfedern, die ihnen Anselm zur Erinnerung geschenkt hat. Zwei Sorgen plagen den 69-jährigen: Zum einen, weiß er nicht, woher er nach dem Tod des Berufsfischers aus Leimersheim seine Fische beziehen wird und dass die Stromversorgung der Station über ein Aggregat laufen muss. Gertrud Ehrhardt aus Wernersberg zog ein passendes Fazit des Besuches: „Das ist eine sehr schöne, gepflegte Anlage. Solche Leute muss man einfach bewundern, die sich so aufopfern.“