Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Fachkräfte mit Feuerwehr-Wissen

Nandini und Heiko Hengen und ihr Unternehmen sind „Partner der Feuerwehr“.
Nandini und Heiko Hengen und ihr Unternehmen sind »Partner der Feuerwehr«.

Als Fünfjähriger sah Heiko Hengen einen Brand. Er war bei seinen Großeltern in Landau und auf der gegenüberliegenden Straßenseite stand ein Wohnhaus in Flammen. Die Feuerwehr war im Großeinsatz und löschte. „Das machte Eindruck auf mich und hat mich geprägt“, sagt Hengen. Mit elf Jahren ging er zur Freiwilligen Feuerwehr. Die ist in Rheinland-Pfalz enorm wichtig, denn nur die großen Städte mit mehr als 90.000 Einwohnern haben Berufswehren. Für die kleineren Kommunen hingegen sind die Freiwilligen Wehren zuständig, deren feuerwehrtechnisch geschultes Personal ehrenamtlich seinen Dienst leistet. So auch Hengen. Drei rote Streifen am Schulterstück seiner Ausgehuniform zeigen heute, dass er Hauptbrandmeister ist.

Den Piepser immer in der Tasche

Während seines Studiums der Elektrotechnik blieb Hengen der Feuerwehr treu. Ebenso nachdem er 2003 das Ingenieurbüro Hengen übernommen hatte, um Hardware und Software für digitale Signalverarbeitung und automatische Bilderkennung zu erforschen – auch für 3-D-Technologie und Regelungstechnik. Wenn zum Beispiel in einem Produktionsablauf Einzelteile mit komplizierten Oberflächen lackiert werden müssen, liefern Kamerabilder die notwendigen Infos über die Positionen der Oberflächen, damit der Lackierlaser „weiß“, in welchem Winkel er spritzen muss. So können auch Seifenspender, die – mit Sensoren ausgestattet – die darunter gehaltenen Hände erkennen.

Zusammen mit seiner Frau Nandini, die er im Studium kennenlernte, erweiterte Hengen das Unternehmen 2020 zur Hengen Production GmbH & Co KG, so dass die elektrotechnischen Platinen jetzt selbst produziert werden. Die Unternehmensgruppe macht Jahresumsätze zwischen 2 bis 3 Millionen Euro und hat drei Standorte in Kandel, Landau und Steinweiler. Das Labor in Steinweiler ist fürs gegenwärtige Auftragsvolumen zu klein geworden. Auf dem Nachbargrundstück wird deshalb gebaut. Nach Fertigstellung gegen Jahresende hat man weitere 750 Quadratmeter zur Verfügung.

Kurzum: Es gibt genug zu tun. Und dennoch ist Hengen immer noch bei der Feuerwehr, hat den Piepser in der Tasche und hält somit die vorgeschriebene Tagesalarmstärke der Freiwilligen Feuerwehr aufrecht. Es kommt in der Verbandsgemeinde Kandel jährlich zu etwa 100 bis 120 Einsätzen.

Chef und Mitarbeiter bei der Feuerwehr aktiv

Sechs von 25 Mitarbeitern des Hi-Tech-Unternehmens sind ebenfalls bei der Freiwilligen Feuerwehr. Für den Arbeitgeber ist das nicht ohne. Er ist verpflichtet, sie für Einsätze oder auch Schulungen freizustellen. „Trotzdem hat der Betrieb Vorteile“, ist Nandini Hengen überzeugt. Mit Kenntnissen im Brand- oder Strahlenschutz sowie im Umgang mit Gefahrstoffen und Chemikalien hätten die Feuerwehrleute anderen Arbeitnehmern oft viel an Knowhow voraus. Sie reagieren auf Stress eher mit Besonnenheit, sind von Grund auf vertraut mit Erster Hilfe und denken deshalb auch in Alltags- und Berufssituationen grundsätzlich aus der Perspektive eines Helfenden mit.

Hengen weiß das zu schätzen. Und deshalb hat sein Unternehmen auch die Ehrenplakette „Partner der Feuerwehr“ vom Landesfeuerwehrverband verliehen bekommen. Der will andere Unternehmen ermutigen, Angestellte, die Feuerwehrdienst leisten, darin zu unterstützen. Weil es viele Pendler gibt, die nicht mehr in ihrem Wohnort arbeiten, sei das Solidarprinzip der Freiwilligen Feuerwehr nicht mehr selbstverständlich. Von einem möglichen Kündigungsschutz für Feuerwehrangehörige hält Heiko Hengen allerdings nichts. „Wir haben Fachkräftemangel“, sagt er: „Wer gut arbeitet, braucht keinen Kündigungsschutz.“

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