Kandel
Fachgeschäft für Farben und Tapeten schließt
Es war gegen Ende der 1970er Jahre: Das neue Haus fast fertig, allerdings mussten die Holzfenster erstmals gestrichen werden. „Fahr mal nach Kandel zum Womann, der kennt sich da gut aus!“ lautete die Empfehlung eines Fachmannes. Gesagt, getan. In Kandel angekommen, führte der Weg schnurstracks ins neue Farbengeschäft von Walter Womann in der Hauptstraße, nahe dem Stadthaus.
Der freundliche Experte hinter dem halbhohen Tresen empfahl eine „Dickschichtlasur von Glasurit“. Walter Womann hatte sich damals in Kandel schon etabliert und einen ebenso guten Ruf als Fachmann für Farben, Lacke, Tapeten und Bodenbeläge erworben. Heimtextilien gab es auch zu kaufen in seinem modern eingerichteten Geschäft in der Hauptstraße, in das er nach einiger Zeit umgezogen war.
Frau Helga stets die wichtigste Stütze
Zu Beginn der 1970er Jahre hatte sich der gelernte Kaufmann selbstständig gemacht. In Edenkoben führten seine Eltern bereits einen Farbenhandel. Sie hatte es aus dem bayrischen Fürstenfeldbruck in die Pfalz verschlagen. Hier beendete Womann auch seine Schulausbildung. Seinen bayrischen Akzent legte er nicht mehr ab, seine Freundin und spätere Frau Helga sollte ihm in all den Jahren als wichtigste Mitarbeiterin stets zur Seite stehen.
Im Januar dieses Jahres ist Walter Womann 79-jährig verstorben. Nach einem Sturz hatte er sich zwar auf dem Weg der Besserung befunden, immer wieder versprach er im Krankenhaus seiner Frau, ihr so schnell wie möglich wieder zur Seite zu stehen. Daraus wurde nichts mehr, sein geschwächtes Herz machte einen Strich durch die Rechnung der beiden.
In den vergangenen Jahrzehnten waren sie so etwas wie eine feste Institution im Kandeler Einzelhandel geworden, mitten im Herzen der Stadt zu erreichen. Wer etwas zu streichen, zu tapezieren oder einen Boden zu belegen hatte, der fand hier nicht nur ein gut gewähltes Sortiment mit qualitativ hochwertigen Produkten vor, sondern konnte auch auf fachkundige Beratung setzen. Wenn ein Problem auftauchte konnte man sich hier nach Lösungsstrategien erkundigen.
Fester Kundenstamm trotz Baumärkten
Trotz der Konkurrenz durch die großen Baumärkte hielt sich ein großer Stamm von Heimwerkern, die Artikel für den Innen- und Außenbereich besorgen mussten. Zur Farbe gehörte auch der richtige Pinsel, den Spatel zum Umrühren bekam man geschenkt. Helga Womann fällt die Aufgabe ihres Geschäftes nicht leicht, wie man gleich bemerkt, wenn man mit ihr spricht. Ihr Mann fehle ihr halt an der Seite, bedauert sie mehrmals. Walter Womann ist nicht zu ersetzen. Ein Bild auf dem Tresen erinnert an ihn, so als ob er gleich zur Tür hereinkommen würde.
Obwohl die beiden immer mal wieder über den Verkauf ihres Farbengeschäftes nachdachten, fand sich kein Interessent, der dieses übernehmen wollte. Nun findet ein „totaler Räumungsverkauf wegen Geschäftsaufgabe mit Preisnachlässen bis zu 70 Prozent“ statt.
Das Geschäft war ihr Leben, erzählt Helga Womann, die all ihren treuen Kunden Danke sagt für den großen Zuspruch auch in der jüngsten Zeit. Was mit den Räumlichkeiten, die der Familie gehören, geschehen soll, ist noch unklar, so Helga Womann, die in der Raiffeisenstraße wohnt. Den Weg ins Geschäft legten sie und ihr Mann stets mit dem schon als Oldtimer geführten BMW zurück, dessen Zuverlässigkeit die beiden Womanns so sehr schätzten wie die Treue ihrer vielen Stammkunden.