Germersheim Fäkalien und Schreie in Germersheim: Nachbarschaft am Limit

Der Bewohner des improvisierten Zeltes wirft Fäkalien und leere Flaschen über den Zaun zum Nachbargrundstück.
Der Bewohner des improvisierten Zeltes wirft Fäkalien und leere Flaschen über den Zaun zum Nachbargrundstück.

Mehrere psychisch kranke Obdachlose terrorisieren seit Jahren immer wieder das Wohngebiet. Den Anwohnern reicht es.

Es kann mitten in der Nacht sein, am frühen Morgen oder während der Mittagszeit – ein Mann läuft schreiend durch die Straßen, beleidigt jeden und alles mit derben Worten. Seinen Vornamen kennt in dem Wohngebiet Am alten Hafen und darüber hinaus jeder. Nun gibt es einen weiteren Schreihals, der zudem mit Fäkalien um sich wirft.

Wohncontainer brennt

Untergebracht waren die teilweise psychisch gestörten Obdachlosen in den blauen Wohncontainern Am alten Hafen, neben der „Villa Sorgenfrei“, seit dem Jahr 2022. Bis einige der Wohncontainer im Februar dieses Jahres ausgebrannt sind. Der Grund war laut Staatsanwaltschaft Landau fahrlässige Brandstiftung durch eine unsachgemäß entsorgte Kippe. Anders klingt dies bei der direkten Nachbarschaft. Dort sagt man, dass der Bewohner, der den Brand wohl verursachte, bereits einige Zeit vorher erst seine sämtlichen Möbel aus dem Fenster geworfen habe. Dann habe er Ersatz bekommen und am Tag des Brandes soll er sich so geäußert haben, dass „sich niemand aufregen soll, es ist doch nur ein kleines Feuer“, so die Nachbarn. Vor dem Feuer konnte sich ein Mitbewohner, der im Obergeschoss wohnte, nur mit einem Sprung aus dem Fenster retten. Dabei brach er sich beide Beine.

Container vor Wiedereinzug

Nun stehen die Wohncontainer nach Sanierung und teilweise Erneuerung vor dem Wiedereinzug. Am Montag, 1. Dezember, sollen die ersten Bewohner wieder einziehen. „Wir sind dazu vom Land verpflichtet, uns um die Obdachlosen zu kümmern“, sagt Sascha Hofmann, Erster Beigeordneter der Stadt. Einige der Anwohner sind darüber nicht erfreut. Am Anfang, als die ersten Bewohner vor einigen Jahren eingezogen sind, „war alles normal. Die Bewohner wurden vom Ordnungsamt morgens geweckt und aus den Räumen verwiesen“, sagt Anwohnerin Sina Bayer. Die Bewohner hatten ihr Geregeltes. Das habe funktioniert. Doch mit der Zeit habe sich das geändert. Es sei nicht mehr kontrolliert worden. Einer der Bewohner, der inzwischen verstorben ist und tagelang tot in seiner Wohnung lag, habe auch schon mal aus dem Fenster uriniert, während Kindergeburtstag gefeiert wurde. Auch er sei psychisch krank gewesen und habe viel rumgeschrien. Sie habe zwei Kinder, beide würden nicht mehr durchschlafen, „haben auch Angst“.

Keine Nachtruhe mehr

Grund ist der ehemalige Containerbewohner, der nun in einer anderen Wohnung der Germersheimer Wohnbau Am alten Hafen untergebracht ist. Er läuft durch die Straßen des Wohngebietes zu allen Tages- und Nachtzeiten und schreit. Der soll nun „Anfang Dezember wieder neben uns einziehen“, sagt Sina Bayer. „Ich arbeite im Sicherheitsdienst, arbeite nachts, und muss tagsüber schlafen“, sagt Thomas Lehrmig, ein weiterer Nachbar. Patrik Poh arbeitet Schicht bei Daimler und wird ebenfalls regelmäßig durch das Schreien aufgeweckt. Ein Durchschlafen sei fast unmöglich.

Obdachloser mit Zweitwohnsitz

Eines Morgens war auf dem Nachbargrundstück zur „Villa Sorgenfrei“ und den Containern ein Fahrradanhänger mit Planen abgedeckt zu einem Zelt umgebaut gestanden. „Das Gelände ist mit einem Bauzaun abgesperrt und umzäunt“, sagt Judith Krömeke. Sie besitzt mit ihrem Mann und den beiden Kindern den „Germersheimer Roßstall“ und das benachbarte Gelände. Es habe sich herausgestellt, dass ein Obdachloser sich den Platz als „Zweitwohnsitz ausgesucht hat, denn bei der AOK hatte er auch einen“, erzählt Judith Krömeke. Nach Anrufen bei Heiner Butz vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), der sich um die Obdachlosen Am Alten Hafen im Auftrag der Stadt kümmert, wurde dieser zu den Wohncontainern umgezogen. Dort kampiert er nun „und wirft leere Bierflaschen einfach über den Zaun, wo unsere Kinder spielen“, sagt Sina Bayer. Das Ekelerregende aber sei, dass er Plastikbeutel mit Exkrementen ebenfalls über den Zaun werfe. Zudem schreie er und wirke dabei sehr bedrohlich.

An Regeln halten

Die Exkremente des Zeltbewohners und die Anderer finden sich Judith Krömeke zufolge auch an den Bäumen vor ihrem Grundstück. Nachts sei es auch schon mal vorgekommen, dass ein blutverschmierter Mann, der in den Containern gewohnt habe, an ihrer Terrassentür geklopft habe. Er habe einen Zaun und zwei Meter Brombeerhecken überwunden. Sei mehr als verwirrt gewesen. Die Polizei sei dann gekommen, habe ihn ins Pfalzklinikum gefahren, aber letztlich geändert habe sich an der Situation nichts. Am nächsten Tag sei er wieder da gewesen. Meine Kinder fahren mit dem Rad zur Schule. „Man hat schon ein ungutes Gefühl“, ergänzt sie. Sie sehe, dass den Menschen geholfen werden muss. Und das sei auch gut so. „Aber sie müssen sich wie andere Menschen auch an Regeln halten“, sagt sie bestimmt.

Drei schwere Fälle

Heiner Butz kümmert sich mit seinen drei Fachkräften, die Teilzeit arbeiten, um rund 25 Obdachlose Am Alten Hafen. „Um 10 bis 15 müssen wir uns intensiver kümmern – um drei davon nochmals besonders“, sagt Butz. Gerade der Mann, der Fäkalien wirft, ist ein Problemfall. Angaben der Polizei zufolge hat er kürzlich einen Mann bedroht, der sich nach seinem Befinden erkundigte. Dabei soll er ein Messer gezogen haben. Daraufhin hat ihn die Polizei in eine Fachklinik gefahren. Schon am nächsten Tag war der psychisch Kranke wieder zurück. Das Klinikum hat ihn nicht dort behalten. Für die Stadt ist das ein Dilemma, wie Hofmann sagt. Für größere Träger wie beispielsweise die Caritas sei die Stadt Germersheim zu klein. Die Kosten für die Hilfe, die das DRK um Heiner Butz für diese Menschen erbringt, gehe voll zu Lasten der Stadt.

Problem bleibt ungelöst

Nun scheint eine Lösung gefunden zu sein, die eine regelmäßige Medikamenteneinnahme beinhaltet. Voraussetzung ist, dass „ich einen Arzt finde, der die Depotspritzen gibt“, sagt Butz. „Über 20 Stunden habe ich die vergangenen Tage mit dem Problemfall verbracht“, sagt der 74-Jährige. Bis die Medikamente wirken, könne es ein paar Tage dauern. Wie es mit dem anderen Schreihals weitergeht, der die Nachtruhe stört, weiß Butz nicht: „Ich habe keine Idee, es hilft bisher nichts.“

Hier landet der Abfall des Obdachlosen. Gerade wurde wieder eine Bierflasche über den Zaun geworfen.
Hier landet der Abfall des Obdachlosen. Gerade wurde wieder eine Bierflasche über den Zaun geworfen.
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