Maximiliansau / Karlsruhe
Erzieherin mit Gitarre auf Bühnen, YouTube und in der Kita
Plötzlich hatte sie diesen Akkord im Ohr. Dazu diese Textzeile: Anders sein. Immer wieder wiederholte Jasmin Krauß in den nächsten Tagen die Melodie, grübelte und feilte am Text. Immer wieder summte sie die Tonfolge, verrät ihre Freundin Simone Schneider, die sie in ihrem Vorhaben, ein Lied zu schreiben bestärkte.
„Ich kann keine Noten, nur Akkorde“, verrät die Karlsruherin Krauß – und überrascht, denn seit gut 15 Jahren ist sie Sängerin bei der Band Badwater, die Coversongs aus den Bereichen Rock, Pop, Soul und Funk bis hin zu Balladen im Repertoire hat. In der Band, die in Knielingen probt, ist sie Sängerin, spielt Gitarre und manchmal auch Mundharmonika. Dazu kommt das Kazoo, ein kleines Membranophon, das durch die Stimme in Schwung gebracht wird.
Anders in der Kindheit: Fußball und Gitarre
Schon in der Kindheit hat die junge Jasmin – Geburtsjahr 1969 – Musik mit der Familie gemacht. Von ihrem Bruder hat sie das Spielen der Gitarre abgeschaut, hat sich die Akkorde selbst beigebracht. „Musik hat mich immer begeistert.“ Auf dem nahen Fußballplatz in Knielingen hat sie mit den Jungs gespielt. Sie wurde sogar Spielführerin. „Ich habe alle rumgescheucht“, sagt sie lachend. Später spielte sie in einem Frauenteam in Bulach. „Ich habe früh gemerkt, dass ich anders bin“, schaut Jasmin Krauß zurück. Das Fußballspielen mit den Jungs – damals in den 70ern für Mädchen noch eher ungewöhnlich – ist nur ein Beispiel.
So also zum Song, in dem sie singt: „Jetzt kann ich es verstehen, anders zu sein“ und zu Selbstvertrauen aufruft. Sie weiß: Es gibt Phasen, in denen man sich allein fühlt. Vom Akkord im Ohr bis zum Besuch im Studio in Linkenheim vergingen etwa fünf Monate. Im Studio unterstützt wurde sie von ihrer Nichte Selina Seck als Background-Sängerin und von Regina Degado mit dem Saxophon. „Es war das erste Mal, dass ich in einem Studio war“, erklärt Krauß – und das Ergebnis überraschte sie selbst: „Ich dachte nicht, dass es sich so gut anhören würde.“
Viel Zuspruch erhalten
Krauß spielte den Song Freunden und der Familie vor. Sogar die kritische Mama war begeistert, freut sich die Musikerin. Auffällig: So einige Hörer bezogen den Songtext auf sich selbst – für Krauß ein Nachweis, dass eben viele anders sind oder sich so einschätzen. Zusammen mit ihren musikalischen Unterstützern nahm sie ein Video auf, gedreht im eigenen idyllischen Garten in Grünwinkel. Veröffentlicht wurde es erst auf den privaten Kanälen und dann öffentlich auf YouTube. Die Kommentare sind voller Lob.
Lob gibt es für ihr musikalisches Engagement auch immer wieder von den Kollegen und Kindern in der Kindertagesstätte Martin Luther King in Maximiliansau. Dort arbeitet Krauß bereits seit 35 Jahren, ist dadurch im Ort gut bekannt. Auch dort arbeitet sie mit der Gitarre und freut sich, wenn die Kleinen so einen Draht zur Musik finden und auch mal sagen: „Ich will auch so Gitarre spielen können, wie die Jasmin!“ Für die Kollegen textet Krauß zu besonderen Anlässen auch mal ein Lied. Zum Jahresabschluss in der Kita gehört es schon zur Tradition.
War es also eine ganz spontane Entscheidung ein eigenes Lied zu produzieren? Tief im Inneren hatte sie wohl schon länger den Wunsch, erklärt Jasmin Krauß. Im Jahr 2023 besuchte sie einen Singer-Songwriter-Kurs in Bechtolsheim bei Alzey. Auch bei einem Vorentscheid zur Casting-Show „Deutschland sucht den Superstar“ war sie mal dabei. „Da war aber schnell Schluss“, erinnert sich Krauß mit einem Augenzwinkern. Und damals bei „Badwater“? Eigentlich war eine Sängerin gesucht, doch sie hatte das Inserat in der Zeitung nicht richtig gelesen und stellte sich mit ihrer Gitarre vor. Mit ihrer offenen und freundlichen Art kam sie gut an und so wurde sie Bandmitglied. Es passte und passt immer noch. Doch auch ein weiterer eigener Song ist nicht ausgeschlossen. Ideen sind da – und Simone eine gute Zuhörerin, die Feedback gibt und ermutigt. Doch Jasmin Krauß weiß auch selbst: Man muss keine Angst haben, anders zu sein.
Info
„Anders sein“ auf YouTube: https://youtu.be/TdqbhpIC52s