Knittelsheim / Bornheim
Erste Storcheneier liegen schon im Nest
Seit vielen Jahren sind die Störche zurück in der Region. Nicht ganz unbeteiligt am Erfolg ist die Aktion Pfalzstorch. Eine Expertin für Störche ruft nun zur Wachsamkeit auf: Falls jetzt noch ein Nest an einer gefährlichen Stelle gebaut wird, sollte das der Aktion Pfalzstorch gemeldet werden. Denn dann ließe sich ein Unglück meist noch vermeiden.
Jessica Lehmann, die Leiterin des Storchenzentrums in Bornheim, sagt auf Anfrage der RHEINPFALZ, dass bis zum 9. März ungefähr 80 bis 85 Prozent der Nester in der Pfalz belegt seien. „Damit liegen die Störche genau im Zeitplan“, ordnet sie ein. Bornheim ist mit aktuell 32 vorhandenen Nestern der Spitzenreiter im Bundesland. Auf Rang zwei folgt Knittelsheim mit 25 Storchenhorsten. In der 1000-Einwohner-Gemeinde sind Anfang März 22 Nester von Brutpaaren belegt, wie „Storchenvater“ Peter Waldecker mitteilt.
Brut hat begonnen
In Bornheim hat vor rund zwei Wochen eine Störchin in einem Nest in der Hauptstraße das erste Ei der Saison gelegt, wie Jessica Lehmann informiert. „Sobald das zweite Ei da ist, beginnt das Paar mit der Brut. Dann dürfen die Störche nicht mehr gestört werden“, sagt die Beauftragte für Pressearbeit beim Verein Aktion Pfalzstorch. Weil sich seit Anfang der vorletzten Woche die Elterntiere beim Brüten abwechseln, habe diese Phase beim schnellsten Brutpaar des Jahres bereits begonnen – wie übrigens auch schon 2021. „In der Regel werden zwei bis sechs Eier gelegt. Im Durchschnitt schlüpfen pro Nest zwei Junge“, weiß Lehmann.
In Knittelsheim betreut Peter Waldecker allein zehn Storchennester. „Zwei sind auf unserem Hausdach und acht Nester auf einem Grundstück, das ich von der Gemeinde gepachtet habe“, sagt er. Anfang März sind bereits acht der zehn Horste belegt. Dazu zählt Störchin Jimmy. Die Henne stürzte 2007 als Küken aus einem Nest auf Waldeckers Anwesen. Er zog es dann per Hand auf. Wie sich bald zeigte, war Jimmy kein Storchenmann, sondern eine Storchenfrau. Anders als die meisten Artgenossen zieht die Handaufzucht nicht nach Süden, sondern sie überwintert in Knittelsheim. Der „Storchenvater“ muss sie deshalb mit Futter versorgen. Das sei eine große Ausnahme.
Wenige Überwinterer
„Die Störche werden nicht mehr gefüttert. Die Natur bietet ihnen genug Nahrung“, sagt Jessica Lehmann. „Es gibt nur ganz wenige Überwinterer“, teilt sie mit. Peter Waldecker nennt die Äcker rund um Landau als wichtige Quelle für Mäuse und Würmer. „Die Felder werden im März gepflügt und die Störche laufen direkt hinter den Traktoren her“, sagt er. Von ungefähr 490 Storchenbrutpaaren im vergangenen Jahr in ganz Rheinland-Pfalz hatten circa 410 ihre Nester in der Pfalz, weiß Lehmann. Rund 120 wurden im Kreis Germersheim und etwa 70 im Kreis Südliche Weinstraße gezählt. „Es gibt also noch genügend Gebiete im Land, in denen sich Störche ansiedeln können“, sagt die Expertin.
Der Kritik, die gelegentlich zu hören ist, es gebe schon zu viele Störche in der Pfalz, begegnet Lehmann mit dem Hinweis darauf, dass eine sich selbst regulierende Population das Ziel der Aktion Pfalzstorch sei. Der Verein hat ab Ende der 90er Jahre unter anderem mit dem Einsatz von Lockstörchen und der Wiedervernässung der Queichwiesen die Wiederansiedlung von „Meister Adebar“ erreicht. Seit Mitte der 70er Jahre galt der Weißstorch in der Pfalz als ausgestorben. Der Verein betreibt neben dem Storchenzentrum in Bornheim auch die Storchenscheune, in der verletzte Tiere gepflegt und – im Idealfall – wieder fit fürs Leben in freier „Wildbahn“ gemacht werden.
Hohe Sterberate
„Nur sieben bis neun Prozent aller Storchenjungen werden drei Jahre oder älter, also geschlechtsreif“, sagt Lehmann. Der Stromtod, ein Stromschlag an einer nicht gesicherten Überlandleitung, ist die Ursache für zwei Drittel bis drei Viertel aller frühzeitigen Sterbefälle bei den Adebaren, teilt sie mit. Vergiftungen, Jagd und das Fressen von Müll folgen als weitere Todesursachen. „In den nächsten Tagen werden noch Jungstörche aus dem Winterquartier in Spanien oder Afrika zurückkehren, die dann zum ersten Mal brüten. Weil sie noch unerfahren sind, kommt es bei ihnen öfter vor, dass diese jungen Brutpaare ein Nest an einer gefährlichen Stelle auf einem Dach zu bauen versuchen. „Falls man das bemerkt, sollte man sich gleich bei der Aktion Pfalzstorch melden. Denn bevor die Brut begonnen hat, können wir ein solchen Nest noch abbauen und eventuell verlegen“, erklärt die Expertin.
Wer in Knittelsheim wohnt, der kann sich bei Notfällen auch an Peter Waldecker wenden. Er hat außerdem immer eine interessante Begebenheit mit „seinen“ Störchen auf Lager. Ob es die Treue von Storch „Zeus“ ist, der schon einige Jahre immer wieder in Knittelsheim brütet, oder die schwere Beinverletzung eines anderen Adebars, der mit dem Handicap im Spätsommer nach Süden flog und im nächsten Frühjahr zu Waldeckers Erstaunen mit geheiltem, wenn auch etwas krummem Bein wieder nach Knittelsheim geflogen kam. Umfassende Informationen zum Weißstorch im Allgemeinen und in der Pfalz im Besonderen gibt es im Bornheimer Storchenzentrum – in der dortigen Dauerausstellung und bei Führungen zu den Nestern im Ort durch Jessica Lehmann, seit 16. März immer mittwochs von 13 bis 16 Uhr. Eine Anmeldung ist notwendig.
Im Netz
Aktion Pfalzstorch in Bornheim mit Storchenzentrum und Storchenscheune: https://www.pfalzstorch.de; in Knittelsheim gibt es, wie auch in Bornheim, mehrere Storchenkameras: https://www.knittelsheim-storch.de, Webmaster ist Andreas Wölfel.