Kreis Germersheim „Erschrocken, was ich alles gekauft habe“

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Kandel. „Alles muss raus!“ heißt es im Discoplex A65 in Kandel. Denn wo sonst nur getanzt, geflirtet und gefeiert wird, findet unter dem Label „Schwesterherz“ erstmals ein Mädchenflohmarkt statt, auf dem „Kleider zu Kohle“ und „super Schnäppchen“ gemacht werden sollen.

Schon zur Eröffnungszeit hat sich vor dem Eingang eine riesige Schlange gebildet. Mädchen, Mädchen, Mädchen, hier und da mal Eltern und auch ganz vereinzelt ein junger Mann. Letzterer dann eher mit defensiver Mimik, was auch verständlich ist. Denn nicht nur in diesem Alter besteht hinsichtlich weiblicher Bekleidung das männliche Hauptinteresse wohl zunächst darin, dass diese eher luftig und schnörkellos zu demontieren sein muss. Bei der Beschaffung jener daher eher lästigen Accessoires muss Mann dann nicht unbedingt noch dabei sein. Drinnen befindet sich auf den verschiedenen Ebenen des Komplexes nahezu alles, was junge Frauen zur Selbstoptimierung zu benötigen glauben: Kleider, Pullover, Tops, BHs, Hosen, Sonnenbrillen, Modeschmuck, Kosmetika und natürlich wirklich alle Arten von Schuhen. Und all das von züchtig bis sehr, sehr heiß. Schon in der Schlange hatte eine Mutter geächzt, ob es wirklich eine gute Idee gewesen sein kann, hierher zu kommen und von ihrer Tochter ein Grinsen zur Antwort erhalten. Jetzt wird gestöbert, geprüft und auch gekauft, was Anbieterinnen wie die 20-jährige Michelle aus Jockgrim natürlich freut. Über Facebook hat sie von diesem Event erfahren und sich dann für einen der knapp 50 Verkaufsplätze angemeldet, die Gebühr beträgt je nach Größe 30 oder 40 Euro. Von dem Gewinn möchte sie Essen gehen, der Rest wird zurückgelegt und „auf jeden Fall nicht verplempert“. In den letzten Wochen habe sie bei sich immer wieder Sachen herausgesucht, genug Auswahl hat es offensichtlich gegeben: „Ich überlege jetzt wirklich dreimal, ob ich etwas kaufe. Hier liegen jetzt so einige Sachen, die richtig teuer waren und ich aber trotzdem nie getragen habe.“ Auch die Schwestern Sarah und Yasmin aus Kandel haben einen Stand und gibt Sarah zu: „Manchmal bin ich selbst etwas darüber erschrocken, was ich alles gekauft habe“. Jetzt sollen die Einnahmen in die Urlaubskasse fließen. Aber nicht alles ist Mode an diesem Tag. Immerhin liegen an einigen Ständen sogar Bücher, neben altersgerechten auch die Klassiker aus den Folterarsenalen des Deutschunterrichts, also Brechts „Mutter Courage“, Sophokles „Ödipus“ oder der unvermeidliche „Homo Faber“ von Max Frisch. Sogar noch frisch eingeschweißte Bücher sind zu sehen und wirken wie Mahnmale überflüssiger Geschenkideen. Letztlich bleiben aber alle Bücher nur Staffage wie die oft platzierten Gummibärchen oder Bonbons, die potentielle Käuferinnen gewogen stimmen sollen. „Ah, da sehe ich bestimmt wieder fett drin aus“, verwirft ein junges, völlig normal gewichtiges Mädchen ein zunächst favorisiertes Kleidchen. In solchen Fällen sind Gummibärchen erst recht keine pfiffige Geschäftsidee. Für A65-Geschäftsführer Stefan Stöber ist das durch Deutschland und Österreich tourende Flohmarkt eine prima Sache, zumal man stets auf der Suche nach neuen Angeboten sei. Die Stimmung ist gut, sein Team hat auch tatsächlich für eine prima Atmosphäre gesorgt. Die angebotenen Speisen und Getränke haben faire Preise, die Zuckerwatte gibt es sogar umsonst. Im Mai wird dann auf dem großen Parkplatz vor der Disco auch eine Tuning-Messe stattfinden. Die wird vermutlich dann eher etwas für die Jungs sein und bei den Mädchen für gedämpfte Stimmung sorgen.

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