Kreis Germersheim Eisbrecher beenden Schlittschuhlaufvergnügen
Geschichten aus der Geschichte: War das Eis auf der im Winter gefluteten Lingenfelder Au dick genug, wurde es gebrochen, um im Sommer Bier damit zu kühlen.
. Zugefrorene Seen, Weiher und überflutete Flächen wurden in vergangenen Zeiten nicht nur dazu genutzt, um auf Schlittschuhen scheinbar mühelos über spiegelglatte Eisflächen zu gleiten. Lange bevor das winterliche Freizeitvergnügen in den Vordergrund rückte, stand die Gewinnung dicker Eisblöcke und deren Nutzung durch die örtlichen Bierbrauer im Mittelpunkt. Der 1988 verstorbene Josef Sellinger berichtete im Rückblick auf die Zeit um 1900, dass damals mit Beginn des Winters der „kleine Wörth“ und die Wiesen der „Lingenfelder Au“ überflutet und sich damit zu Eisflächen wurden. Die verwandelten sich in jenen Monaten auch in ein ideales Übungsgelände für die Mitglieder des Germersheimer Schlittschuhklubs, der bereits in den 1890er Jahren Erwähnung findet und bis in die 1920er Jahre hinein existierte. Aus dem Jahr 1919 stammt die Nachricht, dass der Eislaufverein Germersheim seine Eislaufbahn von den Auwiesen wieder in die oberen Kleinrheinwiesen zurück verlegt hatte, wo sie sich auch schon früher befunden hatte. Die Kinder der Festungsstadt Germersheim fanden auf dem dortigen Eis ihr winterliches Vergnügen, genauso wie in den Mauern des Städtchens. Dort war bei Schnee die Rampe am Nordflügel der Infanteriegalerie der Fronte Beckers von der Wallkrone bis in den Graben zum Rodeln freigegeben. Wie sich Sellinger erinnerte, bedurfte das Rodeln auf diesem Militärgelände stets der ausdrücklichen Freigabe und Erlaubnis durch die Festungskommandantur, welche diese von den Schülern freudig aufgenommene Nachricht in der Volksschule und im Progymnasium bekannt geben ließ. „Und da gabs dann ein munteres Treiben vom frühen Nachmittag bis zur Dämmerung. Das Rodeln im Bereich der Fronte Beckers gehört zu meinen schönsten Erinnerungen“ schrieb Sellinger über jene Zeit noch Jahrzehnte später. Wenn die Eisdecke auf den überfluteten Flächen der Lingenfelder Au dick genug geworden war, war es bald vorbei mit den paradiesischen Verhältnissen für Schlittschuhläufer. Dann begann das „Eisbrechen“. Dabei wurde das Eis, mit großen Handsägen zu Blöcken geschnitten, von den Germersheimer Bauern auf Fuhrwerken in die Tiefkeller der drei Germersheimer Brauereien, die es um die Jahrhundertwende gab, gebracht. Wenn die Keller mit dem Eis gut gefüllt waren, wurden sie zugemauert und im Frühjahr und Sommer, wenn das Bier einer besonderen Kühlung bedurfte, wieder aufgebrochen. Ein besonderes winterliches „Event“ jener Tage war ein „Eiskonzert“, das am 9. Januar des Jahres 1901 von der Regimentskapelle des 17. Infanterie-Regiments auf dem Eis der Kleinrheinwiesen dargebracht wurde, wie der „General-Anzeiger für Germersheim und Umgebung“ damals zu berichten wusste. Der in den frühen 1930er Jahren anstelle eines ehemaligen „Krottenlochs“ in Germersheim angelegte Schwanenweiher diente bald schon der sportlichen Betätigung auf dem Eis. 1933 wurde die Eisbahn witterungsbedingt bereits Anfang Dezember eröffnet. Der örtliche Verkehrs- und Verschönerungsverein übte die Aufsicht aus; Schlittschuhlaufen war von 8 Uhr morgens bis 22 Uhr abends möglich, auch eine Bahn für das „Eiskegeln“ hatte man abgesteckt. Der Eintritt, den der Verein erhob, kostete für Erwachsene 20 Pfennig am Tag, und betrug für Kinder nur die Hälfte. Als Gegenleistung hielt der Verein eine „Wärmehalle“ bereit und an Samstagabenden und sonntags verschönerte zudem noch Musik vom Grammophon beim sogenannten Schallplattenkonzert die mehr oder weniger kunstvollen Bewegungen der Besucher auf dem Eis.