Kreis Germersheim Einloggen, wischen, klicken

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Wir sind Digital: Tablet statt Schulheft heißt es derzeit im Mathematik-Leistungskurs der 11. Klasse des Europa-Gymnasiums Wörth. Das Projekt „Ideen bewegen - Der Wettbewerb zur digitalen Schule“ stellt die Geräte zur Verfügung. Gestern stand der erste reguläre Unterricht mit den Tablets auf dem Stundenplan.

Wörth. „Klink dich einfach mal da drauf“, sagt Marcus Rutz-Lewandowski, Lehrer am Europa-Gymnasium Wörth. Er zeigt dabei auf einen großen Bildschirm, der vor der Tafel steht. „Ok“, antwortet Tanja Ruppenthal und beginnt auf dem Tablet, das vor ihr auf dem Tisch liegt, herumzutippen. Gespannt warten die Mitschüler des Mathematik-Leistungskurses der 11. Klasse darauf, dass Ruppenthals Hausaufgaben auf dem Bildschirm erscheinen. Das Problem: Es passiert nichts, die Bildschirmanzeige verharrt im Ausgangszustand. „Der will dich anscheinend nicht“, sagt Rutz-Lewandowski, als nach einigen Sekunden noch immer keine Verbindung hergestellt wurde. Dann solle sie sich eben auf dem Beamer einloggen, schlägt er vor. Und siehe da: Nach ein paar weiteren Wischern und Drückern Ruppenthals auf ihrem Tablet erscheint auf der weißen Tafel neben dem Riesen-Fernseher ein Graph. Als Ruppenthal gerade mit ihrer Erläuterung der Aufgabe beginnen will, tut sich plötzlich doch etwas auf dem Bildschirm. Eine Benutzeroberfläche ist darauf zu sehen. „Das ist jetzt meins“, sagt Rutz-Lewandowski, „dann sollte ja deins auch gehen“. Also loggt sich Ruppenthal – diesmal erfolgreich - auf dem großen Gerät ein. Auch dort ist nun ihre Lösung der Hausaufgabe zu sehen und sie kann mit der Erklärung beginnen. Das komme hin und wieder vor, dass es nicht auf Anhieb funktioniert, meint Ruppenthal, nachdem sie wieder auf ihren Platz zurückgekehrt ist. Trotzdem findet sie, dass „es eine Erleichterung ist, mit Tablets zu arbeiten“. Man erspare sich dadurch das lästige Mitschleppen der Bücher. „Die haben wir zwar noch, nehmen sie aber nur selten mit“, so Ruppenthal. Auch die herkömmlichen Hefte haben weitestgehend ausgedient, denn das Tablet sei „wie ein mobiles Heft“, sagt sie. Probleme bei der Benutzung gebe es selten. „Es funktioniert wie ein Smartphone und das können wir ja alle bedienen“, so Ruppenthal. Auch Rutz-Lewandowski wischt zielsicher über den kleinen Bildschirm seines Tablets. Er sehe bei sich sogar „einen Bediener-Vorsprung“ gegenüber den Schülern, weil er „es in fast jedem Kurs schon seit längerem verwendet, sofern es die technischen Voraussetzungen ermöglichen“. Den Einsatz der digitalen Hilfsmittel hält er „für absolut sinnvoll“. Gerade im Mathe-Unterricht sei es eine erhebliche Erleichterung, wenn es zum Beispiel darum geht Graphen darzustellen. Die Möglichkeit, dass der Kurs einen Monat lang komplett mit Tablets samt großem Bildschirm und den erforderlichen Hilfsmitteln ausgestattet ist, ergab sich aus der Teilnahme am Programm „Ideen bewegen − Der Wettbewerb zur digitalen Schule“. Im ersten Schulhalbjahr habe er sich beworben, sagt Rutz-Lewandowski, im Februar sei dann die Zusage gekommen. „Die Initiative ’Digitale Bildung neu denken’ stellt uns in diesem Zusammenhang leihweise und kostenlos die Tablets und alles, was dazu gehört, zur Verfügung“. Innerhalb der nächsten Wochen arbeiten die Schüler nun an verschiedenen Projekten, die mit Hilfe der technischen Geräte gelöst und am Ende präsentiert werden sollen. So sollen sie zum Beispiel untersuchen, welche Funktion die Wölbungen eines Weizenbierglases oder Form von Brückenbögen beschreibt. Für Rutz-Lewandowski geht es nicht nur um die Mathematik, sondern auch darum herauszufinden, „wie man digitale Hilfsmittel sinnvoll im Unterricht einsetzen kann“. Denn neben den Chancen, die diese Hilfsmittel bieten, sieht er auch Gefahren. Man müsse schon aufpassen, dass sinnvolle Dinge nicht durch technische Spielereien ersetzt werden, sagt er. In Sachen Spielereien scheint es zumindest seitens der Schüler wenig Probleme zu geben. „Am Anfang, als alles neu war, hat natürlich jeder ein bisschen herumprobiert und zum Beispiel Bilder hin und her geschoben“, gibt Ruppenthal zu. Mittlerweile sei das aber nicht mehr so interessant. Ob der Unterricht der Zukunft genau so aussieht, wie gestern die erste Mathestunde mit Tablets – das wagt Rutz-Lewandowski heute nicht zu behaupten. „Als wir vor ein paar Jahren die interaktiven Whiteboards angeschafft haben, war ich überzeugt davon, dass das die Zukunft ist“, sagt er. Aus seiner Sicht sei dieses Technologie aber mittlerweile „ein toter Ast, weil die Boards viel zu teuer in der Anschaffung sind“. Mit dem erprobten System erreiche man den gleichen Effekt und das wesentlich günstiger. „Hier hat die Technik uns und auch sich selbst überholt“. ZUR SACHE: Digitale Bildung neu denken In Kooperation mit dem Bildungswirtschaftsverband Didacta, der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Goethe-Universität Frankfurt am Main, der Onlineplattform meinunterricht.de und der Verlagen Westermann, Pons und Cornelsen möchte die Initiative „Digitale Bildung neu denken“ die Weiterentwicklung digitaler Möglichkeiten für das Lehren und Lernen in den Schulen und Hochschulen fördern. Ein Projekt der Initiative ist „Ideen Bewegen - Der Wettbewerb zur digitalen Schule“, an dem das Europa-Gymnasium Wörth nun teilnimmt. (cde)

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