Kreis Germersheim Eingeschlossene Klasse befreit

Mutig, ohne Angst klettern die Kinder die Leiter hinunter.
Mutig, ohne Angst klettern die Kinder die Leiter hinunter.

Rauch stieg aus dem Fenster des Wirtschaftsraumes im Bürgerhaus. Vermutlich durch einen Defekt an der Heizung im linken Kellerraum trat Rauch aus und setzte sich durch einen Energieschacht in den rechten Keller fort. Inzwischen waren auch die beiden Treppenhäuser des Bürgerhauses verqualmt.

Glücklicherweise handelte es sich nur um eine Übung: Vermisst wurden der Hausmeister, der in den Keller gegangen war und eine Erzieherin, die sich im Wirtschaftsraum im ersten Obergeschoss befand. Der Museumsleiter hatte sich im Dachgeschoss aufgehalten und rief aus dem Dachfenster um Hilfe. In den Räumen des Viehstrichmuseums im zweiten Obergeschoss war eine Schulklasse. Sie hatten die Tür verschlossen, sodass kein Rauch eindringen konnte. Zwei Minuten nachdem der Alarm ausgelöst worden war, rückte die Schaidter Feuerwehr mit dem Tanklöschfahrzeug und einem Einsatzwagen an. Einsatzleiter Florian Gauckel eilte in das Gebäude, seine Mannschaft sperrte die Hauptstraße und die Kreuzung ab und schloss die Schläuche vorsorglich an den Unterflurhydranten an. Schnell folgten die Kameraden mit den Atemschutzgeräten und holten den Hausmeister und die Erzieherin aus dem Rauch. Inzwischen rückte die Feuerwehr aus Büchelberg an. Feuerwehrmann 4/44 informierte sich über die Lage, wies seine Leute ein. Rüdiger Knoll, der sich hinter dieser Nummer verbirgt, ist Technischer Leiter der Feuerwehr und anerkannter Spezialist: er wird zu internationalen Einsätzen herangezogen. Ohne Zeitverlust funktionierte das Zusammenspiel der vier Feuerwehren der Stadt. Nach zehn Minuten war die Wörther Feuerwehr da und fuhr die Drehleiter aus. Längst hatte der Einsatzleiter die Lage im Griff und die nächsten Maßnahmen eingeleitet. Der Museumsleiter musste mit der Drehleiter aus dem Dachgeschoss geholt werden. Hans Bantz, ein sportlicher Schaidter Bürger, kletterte mühelos aus dem kleinen Fenster heraus. Dafür gab es Applaus von den Zuschauern und vom 1. Beigeordneten Klaus Ritter Trost: „wenn hinten Feuer und vorn die Drehleiter ist, geht Höhenangst von alleine weg“. Nach zehn Minuten hatte es auch die Feuerwehr aus Maximiliansau an den Einsatzort geschafft. Schon auf der Fahrt haben die Kameraden die Atemschutzgeräte angelegt. Dann legten sie zusammen mit Feuerwehrleuten der anderen drei Wehren die Steckleitern aus und lehnten sie an die Fenster im zweiten Stock. Die Schüler im geschlossenen Museumsraum waren am wenigsten gefährdet und mussten nun die schmale Leiter heruntersteigen. Oben legte ihnen ein Feuerwehrmann die Rettungsleine an, auf der Leiter nahm sie ein weiterer Feuerwehrmann in Empfang und begleitete sie Sprosse für Sprosse hinunter. Alina, Josefine, Michelle, Xaver und Shaun von der Schaidter Jugendfeuerwehr gaben die eingeschlossene Schulklasse. „Wir haben das vorher geübt und hatten keine Angst“, sagte die zehnjährige Josefine. „Und wir haben dicht gehalten“, fügte Alina hinzu. Wenn es darauf ankommt, so berichteten die Fünf, könnten sie auch den Rettungsknoten und das Begleiten über die Leiter. Ortsvorsteher Kurt Geörger schaute interessiert zu. Auf „seine“ Feuerwehr sei Verlass. Bei 35 aktiven Feuerwehrleuten, 17 Jugendlichen und 22 Bambinis weiß Wehrleiter Frank Rinnert nichts von Problemen, die Feuerwehr in kleineren Orten oft haben. Nach einer knappen halben Stunde waren alle Personen außer Gefahr. Jetzt schleppten die Feuerwehrleute einen riesigen Ventilator heran, der den Rauch ganz vertreiben sollte. Oliver Ripberger von der Schaidter Feuerwehr hatte die Übung sozusagen in Szene gesetzt. Nicht einfach, weil immer wieder ein geeignetes Objekt gefunden werden muss. In der Schule, in der Sporthalle und in einer Firma in Schaidt waren in den vergangenen Jahren bereits Übungen. Jedes Jahr muss ein anderer Ortsteil die Jahresübung vorbereiten. Zum Glück wurden die Feuerwehren während der großen Trockenheit nicht gefordert. Jürgen Stephany, Wehrleiter der Stadt Wörth: „Wir hatten keinen Waldbrand, obwohl der Waldbrandindex zwischen vier und fünf war, und obwohl wir das größte Waldgebiet mit dem Bienwald haben. Wir haben uns vorbereitet mit größerer Alarmierung in der ersten Phase und haben Begehungen gemacht, Löschteiche kontrolliert und vorbereitende Maßnahme über den Landkreis abgestimmt.“ „Es ist extrem wichtig, dass man sich gegenseitig kennt, schätzt und vertraut“, betonte Wörths Bürgermeister Dennis Nitsche. Für Wörths Wehrleiter Jürgen Stephany sei es die erste gemeinsame Übung gewesen, er lobte die beteiligten Einsatzkräfte. Aufgefallen seien im drei Punkte: das Halten, Sichern und Herausholen mit den Steckleitern müsse künftig noch weiter geübt werden .

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