Kreis Germersheim Eine Stunde für Europa
Wie aus einer kleinen Idee ein großartiges Ereignis werden kann, lässt sich am Festungsfest-Sonntag (11. Juni) in Germersheim erleben. Aus dem einsamen Europafähnchen, das am Hause Mohr in der Jägerstraße hängt, wird ein Projekt, das Europa als Ereignis in den Mittelpunkt bringen soll. Europa hörbar, sichtbar und erlebbar, wie es Micha Mohr umschreibt.
„Wir müssen doch irgendetwas tun“, habe ein Freund gesagt, als das Krisengerede um Europa und den Brexit immer heftiger wurde. Daraus wurde nach dem Motto „Irgendetwas ist mehr als nichts“ das besagte Europafähnchen – und letztlich ein riesiges Projekt, das eine gesamte Kleinstadt in Europafieber versetzen soll. Die Mohrs, Micha und sein Bruder Ansgar, haben sich mit dem Verein Interkultur zusammengetan, der die Federführung übernommen hat. Höhepunkt des Interkultur-Europa-Projektes wird die Stunde zwischen 16 und 17 Uhr des Festungsfest-Sonntags sein.Europa sichtbar
Die Festungsgebäude sind mit Europafahnen und den Fahnen der europäischen Länder geschmückt. Dazu, so hoffen die Veranstalter, hängen an möglichst vielen Privat- und Geschäftshäusern in der ganzen Stadt Europafahnen. Interkultur hat eigens eine Fahnenmanufaktur ausfindig gemacht, die 1,50 mal 0,90 Meter große Fahnen zum Stückpreis von 10 Euro liefert. „Damit“, so Mohr, „wird Europa in der Festungsstadt sichtbar.“ Keinesfalls soll ihre Aktion das Festungsfest übertrumpfen oder ad absurdum führen. Vielmehr sei die Festung ja Abbild des Wandels in Europa. Und wenn zum historisch ambitionierten Fest Soldaten auflaufen, Böllerschüsse krachen, Manöver exerziert werden, beleuchte das die Vergangenheit der Festung. Die Gegenwart und Zukunft solle vom Europa-Projekt symbolisiert werden. Die Festung sei heute schließlich Uni, Kulturraum, Vereinstreff, Einkaufszentrum, Wohnort in einer Stadt mit Menschen vieler Nationalitäten, die friedlich zusammenleben. „Und damit das so bleibt, brauchen wir Europa“, gibt sich Micha Mohr überzeugt.
Europa hörbar
Aber Europa soll beim Festungsfest nicht nur sichtbar werden, sondern auch hörbar und erlebbar. Hörbar mit einer Germersheimer Fassung der Europa-Hymne „Ode an die Freude“. Befreundete Musiker der Musikerfamilie Mohr haben als Band „Abendland“ Beethovens Werk neu arrangiert, damit keine Tantiemen anfallen. Mit dabei auch der norwegische Schlagzeuger Helge Norbakken, der seit Jahren Gast in Germersheim ist und gerade in Sachen Kultursommer hier war. Diese neue Ode wird auf 300 CDs gepresst, die ab Samstag in Sparkasse, VR-Bank und weiteren Geschäften kostenlos zu haben ist. Die Idee dahinter: Jeder, der eine solche CD hat, soll die so oft er mag vervielfältigen, damit möglichst viele Germersheimer diese Hymne und den Germersheimer Europa-Rap, der ebenfalls auf der CD ist, haben. Am 11. Juni dann soll sie um 16 Uhr in Germersheim ertönen. Und zwar überall: In Kneipen, aus geöffneten Wohnzimmerfenstern, aus Autoradios, aus den Läden des verkaufsoffenen Sonntags. Geöffnet sind die Kirchen. Dort wird die Europa-Hymne als Orgelkonzert erklingen. Straßenmusiker sind natürlich ebenfalls willkommen.
Europa erlebbar
Zur gleichen Zeit startet Europa erlebbar auf der Interkultur-Bühne im Stadtpark Fronte Lamotte. Ballons gehen auf Europa-Reise, Briefbotschaften werden an zufällig ausgewählte Bewohner in den 28 EU-Ländern geschickt. Zurzeit arbeiten laut Mohr Studierende und Dozenten der Uni daran, diese Botschaften in die Sprachen der EU-Länder zu übersetzen. Auf der Bühne werden schließlich stellvertretend für die 28 EU-Länder Studierende einen Kernsatz für Europa in den europäischen Sprachen formulieren: „Europa ist nicht alles. Aber ohne Europa ist alles nichts!“ Der „Brexit“ ist dabei nicht berücksichtigt, „noch ist Großbritannien ja EU-Mitglied“, sagt Micha Mohr. Und fügt mit einem Grinsen an: „Vielleicht überlegen sie es sich nach unserer Aktion ja anders.“ Bestätigt sehen sich die Mohrs in der Unterstützung vieler Sponsoren, darunter auch die neuen Eigentümer der Festungsteile Stadtkaserne und Stengelkaserne. Auch Stadt und Stadtwerke stehen auf der Unterstützerliste, ebenso Sparkasse und VR-Bank. „Wir hoffen, dass am Festungsfest-Sonntag auch die Vereine an ihren Fest-Standorten mitmachen“, sagt Micha Mohr. Info Europafahnen (Sterne auf blauem Grund) der Größe 1,5 x 0,9 Meter gibt es für 10 Euro beim Verein Interkultur. Wer das Europa-Projekt unterstützen möchte, kann Interkultur spenden, IBAN DE57 5485 1440 0020 0552 08, Stichwort „Für Europa“.