Kreis Germersheim Eine Schule für alle Abschlüsse

Noch sind die Wände im Raum 08 der Berufsbildenden Schule in Germersheim kahl. Das am Montag bezogene Büro des stellvertretenden
Noch sind die Wände im Raum 08 der Berufsbildenden Schule in Germersheim kahl. Das am Montag bezogene Büro des stellvertretenden Schulleiters Ingolf Käsmeier. Und wenn die Organisationsbugwelle am Schuljahresbeginn verebbt ist, wird auch die eine oder andere Bürowand nicht mehr so kahl sein.

«Germersheim.» Sein neues Büro ist noch leer. Nur Schreibtisch, Tisch, Computer stehen da in Raum 08. Die Wände sind kahl. Noch. Ingolf Käsmeier hat seit Schuljahresbeginn ein Büro im Erdgeschoss der Berufsbildenden Schule (BBS) in Germersheim. Nach einem Jahr als kommissarischer Stellvertreter des Schulleiters ist er jetzt offiziell der zweite Mann der BBS Germersheim-Wörth hinter Rainer Sprotte. Der neue Mann hat gleich zwei dicke Brocken vor sich, die er neben dem Schulalltag abräumen muss. Er soll gemeinsam mit dem Schulträger Kreisverwaltung und Kollegen den Wörther Standort auf die Produktion der Zukunft, „Industrie 4.0“ ein- und umstellen. „Das wird sicher ein Schwerpunkt“, sagt Käsmeier. Es gehe aber nicht nur um „Industrie 4.0“. Am Standort Germersheim soll Hochvolttechnologie in die Ausbildung eingeführt werden. Dabei geht es, passend zum Kfz-Standort Germersheim, um Elektromobilität. Weniger mit Ausbildung, viel mehr mit Verwaltung hat der zweite große Brocken zu tun. Das Gebäude am Standort Wörth, wo etwa 950 der 1900 Schüler unterrichtet werden, ist ziemlich marode. Käsmeier kennt sich dort aus, er war zuletzt Abteilungsleiter in Wörth. „Die Ausstattung ist gut, nur das Gebäude ist in keinem gutem Zustand“, nennt er beispielsweise Rohrbrüche, die es immer wieder mal gebe. Er weiß aber, dass die vom Kreis schon angekündigte Generalsanierung noch dauern kann. Erstmal will der Kreis die Integrierten Gesamtschulen in Wörth und Kandel fertig haben. Den Flur der Schulverwaltung am Standort Germersheim kennt Käsmeier bestens – auch wenn er sein Büro gerade erst bezogen hat. Er ist der Berufsbildenden Schule seit 1999 verbunden, als er hier sein Referendariat begonnen hat. Der 48-Jährige unterrichtet Metalltechnik und Sport, war damit seit 2003 am Standort Wörth aktiv, abends dann an der Fachschule Technik in Germersheim. 2008 wurde er Leiter des Standortes Wörth, seit Schuljahresbeginn 2018/19 ist er stellvertretender Schulleiter mit jeweils 50 Prozent in Germersheim und Wörth. „Unser Kerngeschäft sind die Berufsschulen“, nennt Käsmeier Prioritäten. Deshalb sei die Pflege der Zusammenarbeit mit den Ausbildungsbetrieben in Industrie und Handwerk ein wichtiger Teil seiner Arbeit. Sein Beruf sei aber so interessant, weil die Berufsausbildung eben nicht alles ist an der Schule. Er haut den Satz „Mit jeder Eingangsvoraussetzung ist alles machbar“, heraus und spricht damit die Vernetzung aller Bildungsgänge vom Berufsgrundschuljahr bis zum Abitur oder bachelor-vergleichbaren Abschlüssen in Technik und Betriebswirtschaft an. Und in allen Bereichen sorge die Digitalisierung für einen rasenden Wandel der enorme Flexibilität auch und gerade von den Lehrern fordere. Rund 120 gibt es an der BBS, von denen viele an beiden Standorten unterrichten. Käsmeier spricht das landesweite Pilotprojekt BS20 an. Darin wird der Unterricht der Berufsbildenden Schulen in Modulen und nicht mehr in Klassenverbänden angeboten. „Die Kurs- statt Klassensysteme stellen sicher, dass wir Bildungsangebote für kleine Berufsgruppen schaffen können“, sieht der stellvertretende Schulleiter einen Vorteil des Projektes. Das sei wichtig, weil „kleine Berufsgruppen“ nicht immer „kleine Berufsgruppen“ sind. Heute zählen laut Käsmeier beispielsweise Frisöre dazu, vor wenigen Jahren noch gab es eine regelrechte Frisörschwemme. Umgekehrt könnten aktuell Kleine wie Werkzeugmechaniker oder Karosserie- und Fahrzeugmechaniker bei entsprechender Nachfrage aus Industrie und Handwerk schnell zu Boom-Berufen werden. Diese Vielfalt und stete Veränderung hätten großen Anteil daran, dass ihm die Berufsbildende Schule so viel Spaß mache, sagte Käsmeier. Extrem spannend sei die erste Schulwoche nach den Ferien. „Da wird alles eingeteilt und es stellt sich oft erst heraus, welche Klassen gebildet werden können und welche nicht.“ Wenn das dann geklärt ist, wird sicherlich auch die ein oder andere kahle Wand im neuen Büro verschwinden.

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