Kreis Germersheim Eine Frau für alle Fälle
«Wörth». „Ruf doch mal die Uschi an!“ Dieser Ratschlag kursiert in Wörth immer dann, wenn vorwiegend ältere Menschen Rat und Hilfe brauchen, sich in dem Dickicht von Antragsformularen oder Fachbegriffen verheddern oder mutlos werden. Die Wörther wissen, „das ist Ursula Klöffer, die hat Ahnung“. Die 72-Jährige ist in vielen Bereichen engagiert. Nun kommt mit der Bestellung zur ehrenamtlichen Richterin eine neue Aufgabe dazu.
Seit 18 Jahren ist sie Vorsitzende des Sozialverbandes Deutschland (SoVD), der in Wörth über 70 Mitglieder hat, denen er Rat und Unterstützung im Sozialrecht bietet. So agiert die 72-Jährige zwischen Paragrafen und Praxis, sie liest sich in umfangreiche Schriftstücke ein, hält Kontakt zu den Juristen des Verbandes. Sie kennt sich in den Regelungen der Pflegeversicherung und des Schwerbehindertenrechts ebenso gut aus, wie sie lebenspraktische Ratschläge und Ermunterung für pflegende Angehörige bereithält, die an den Rand ihrer Belastungsgrenze kommen. Die soziale Absicherung in Deutschland ist zweifellos sehr gut, gerade die Pflegeversicherung bietet viele detaillierte Leistungen, aber viele Menschen wissen nicht, wo sie die richtigen Anlaufstellen finden. Oft ist Hilfe bei der Antragstellung oder bei Widerspruchsverfahren gegen Entscheidungen der Sozialversicherungsträger nötig. Klöffer musste selbst in jungen Jahren schlechte Erfahrungen machen, als sie mit einer Klage beim Sozialgericht scheiterte. Sie kümmerte sich um ihre pflegebedürftige Mutter und Tante und um ihren relativ jung verstorbenen Ehemann. „So was prägt Einstellungen und Engagement. Aber über den Sozialverband bieten wir auch gesellige Stunden, manchmal ist es für Menschen wichtig, auch mal das Herz auszuschütten“, ergänzt die agile Seniorin. Dieser Aspekt zwischenmenschlicher Beziehungen ist auch bei ihren Freitagsbesuchen in der Asklepios-Klinik Kandel wichtig. Sie gehört seit zehn Jahren dem Besuchsdienst an und unterstützt Patienten der Chirurgie-Abteilung mit kleineren Besorgungen, im Notfall Wäschedienst, aber auch mit „einem Späßle“ oder aufmunternden Gespräch bei schweren Krankheiten. „Hier kommt ja wieder unser ’Gelber Engel’, wird sie oft schon von Patienten begrüßt, die bereits „zur zweiten Hüfte oder Knie ins Krankenhaus kommen“. Der Samstag gehört dann einer 93-jährigen Dame in Durlach, die Ursula Klöffer mit Einkauf und Gesellschaft unterstützt. Und schließlich gehören manche Wintersonntage den Kaffeekränzchen der Christuskirche, hier ist Ursula Klöffer im Evangelischen Frauenkreis aktiv. Organisiert werden auch Ausflüge und Feste; Geselligkeit hilft gegen Einsamkeit und sorgt für ein freundliches Miteinander. Ganz nah dran an allen Facetten von Ereignissen, Freuden und Sorgen war Ursula Klöffer auch während ihrer über 20-jährigen Berufstätigkeit im RHEINPFALZ-Redaktionsbüro. Nun wartet ab Dezember auf Ursula Klöffer noch eine neue Aufgabe, der sie mit gespanntem Interesse entgegensieht, denn sie wurde auf Vorschlag des Sozialverbandes als ehrenamtliche Richterin beim Sozialgericht Speyer bestellt. Zusammen mit dem Berufsrichter und weiteren Beisitzern wird sie hier – an Recht und Gesetz gebunden – an der Rechtsfindung beteiligt sein. In der Strafgerichtsbarkeit heißen diese Beisitzer Schöffen. Gefragt sind bei dieser Aufgabe weniger juristische Kenntnisse, vielmehr sind es ihre lebenspraktischen Erfahrungen, die sie in die Verhandlungen und Beratungen einbringen wird. „Ich freue mich auf die neue Aufgabe, ich denke ich habe einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, weiß aber sehr wohl, dass man die Grenzen der Sozialversicherung nicht überdehnen sollte“, meint die Wörtherin mit Blick auf ihr neues Amt. Da bleibt am Ende dieses vielseitigen Engagements die Frage, warum man so viele Aufgaben, die viel Zeit und Kraft kosten, ehrenamtlich übernimmt? „Es ist das Helfen an sich, auch weil man merkt, man kann es, wenn man gebraucht wird.“