Neupotz RHEINPFALZ Plus Artikel Ein Piks, der Leben rettet

Die Finger bewegen und entspannt liegen – dann läuft es.
Die Finger bewegen und entspannt liegen – dann läuft es.

Trotz oder gerade wegen der Coronavirus-Pandemie laden der Blutspendedienst des Deutschen Roten Kreuz (DRK) und der Neupotzer Ortsverein zur Blutspende ein. Um die 60 Spender kommen normalerweise. Doch wie sieht es während der jetzigen Krisenzeit aus?

„Ihr Geburtsdatum bitte“, sagt ein Mitarbeiter des DRK-Blutspendedienstes West und reibt kräftig einen, mit Alkohol oder einer anderen zur Desinfektion geeigneten Flüssigkeit, getränkten Pad kräftig über die Haut. Die Antwort kommt prompt und scheint richtig zu sein, denn nach einem erneuten Sprühen und Reiben sagt der ganz in weiß gekleidete Mann: „Jetzt pikst es gleich.“ Und schon dringt die Nadel in die Armbeuge des rechten Armes ein, das dunkelrote Blut fließt über einen Kunststoffschlauch in kleine Röhrchen und Plastikbeutel. „Geht es Ihnen gut“, folgt die nächste Frage und dabei blickt der DRK-Mitarbeiter in das Gesicht des Spenders. Alles scheint in Ordnung. Das Blut fließt und landet in einem großen Beutel, der rund einen halben Liter fasst. Dieser liegt auf einem Gerät, das den Beutel hin und her bewegt sowie wiegt. Der DRK-Helfer wendet sich ab und geht zur nächsten Liege.

Zuerst wird Temperatur gemessen

„Wir haben den Ablauf wegen Corona etwas umgestellt“, sagt Patrick Venter vom Blutspendedienst West. Er ist an diesem Blutspendetag im Neupotzer Bürgerhaus der Verantwortliche. „Zuerst wird die Temperatur gemessen“, sagt er. Diese dürfe nicht über 37,5 Grad liegen. Liege sie höher, werden die Spendenwilligen abgewiesen. Das ist Venter zufolge früher nicht so gewesen. Da haben auch Menschen mit Temperaturen zwischen 38 und 39 Grad spenden dürfen, wenn „sie sich wohl fühlten und die Untersuchungsärzte es erlaubten“. Eine höhere Temperatur könne eben Anzeichen für eine Infektion mit dem Coronavirus sein. „Das gespendete Blut wird nicht auf das Virus untersucht“, sagt Velter. Da es eine Lungenkrankheit verursache, könne man das Virus nur über einen Abstrich im Rachenraum nachweisen. Bei überwundener Erkrankung befänden sich nur Antikörper im Blut und das sei für die spätere Verarbeitung unerheblich.

Abstand wird eingehalten

Am Donnerstagabend stehen einige Frauen und Männer auf der Treppe zum Obergeschoss des Kultur- und Freizeithauses in Neupotz. Wegen der Ansteckungsgefahr durch Corona zeigt Gisela Vorpahl keine Angst. „Wir halten alle Abstand“, sagt die Mehrfachspenderin aus Neupotz. Auch Torsten Volandt winkt ab. Er ist ebenfalls Mehrfachspender mit über 60 Spenden. Mehr als 60 Spenden hat auch Jörg Hoffmann aus Kandel. Er hat mittags im Internet noch nachgeschaut, ob die Blutspende stattfindet. „Bei der letzten in Kandel hatte ich Spätschicht“, sagt er. Deshalb sei er jetzt nach Neupotz gekommen.

Für Sven Glaser ist alles neu. Er ist mit Familienangehörigen hier – insgesamt vier Erstspender. Warum er jetzt spendet? „Ich habe Zeit, kein Fußballtraining und wir sind alle gerade zuhause“, sagt der junge Neupotzer.

Höhepunkt ist das Essen

Mit einem Piepton signalisiert die Maschine, auf der der Blutbeutel hin und her geschwenkt wird, dass das Gewicht erreicht ist. Patrick Velter fragt wieder nach dem Wohlergehen, während er das Ziehen der Nadel vorbereitet. „Jetzt fest auf den Tupfer drücken“, sagt er. Ein kurzes Ziepen in der Armbeuge und die Nadel ist draußen. Mit Klebestreifen wird der Tupfer fixiert und ein verstellbares Plastikband drückt zusätzlich auf die Stelle.

Jetzt geht es zum Essen – der Höhepunkt für viele Blutspender. Normalerweise wird an einer langen Tafel in Neupotz gespeist, zur Auswahl stehen Belegte und Kuchen. Diesmal ist es anders. Mehrere Tische stehen verteilt im Raum. Abstand ist auch beim Essen gefordert. Und das Essen spielt eine große Rolle, gerne wird auch ein zweites Mal zugegriffen.

Keine Kinder mitbringen

„Schön wäre es, wenn die Blutspender, auf die wir ja dringend angewiesen sind, momentan keine Kinder mitbrächten“, sagt Günter Glaser. Der Kuhardter ist für die Organisation der DRK-Blutspenden in der Südpfalz zuständig. Die Abstände zwischen den Liegen werde auf zwei Meter vergrößert, Desinfektionsmittel stehe bereit – alles, damit wegen der Coronavirus-Infektionsgefahr Helfer und Spender geschützt seien.

Und die Helfer sind gefordert. „Wir haben weniger Leute im Einsatz , damit wir die Gefährdung gering halten“, sagt Michael Kropp vom DRK-Ortsverein Neupotz. Dennoch laufe es gut. In der Regel habe der über 200 Mitglieder starke Ortsverein rund 60 Blutspenden an einem Termin. „Diesmal hatten wir 98“, sagt Glaser und ist sehr froh darüber. „Wir brauchen diese dringend“. Doch müsse das alles von den Helfern bewältigt werden.

Zur Sache

Nach Angaben des DRK-Blutspendedienst West werden in Deutschland täglich rund 15.000 Blutspenden benötigt. Der Spendedienst versorgt Krankenhäuser und Arztpraxen in Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und im Saarland mit Blutpräparaten. In diesem Gebiet werden demnach etwa 3500 Blutspenden pro Tag eingesetzt. Aus einer Spende werden Blutkonserven, -plättchen und -plasma gewonnen. Spenden können Personen ab dem 18. Geburtstag, die gesund sind und mindestens 50 Kilogramm wiegen.

Die Bereitschaft der Menschen, auch während der Corona-Krise Blut zu spenden, ist laut einem Sprecher des DRK-Blutspendedienstes West groß. Die Schließung von Schulen und anderen öffentlichen Gebäuden stellt den Blutspendedienst vor ein neues Problem: Vielerorts fehlt es an Räumen, um Blutspenden zu sammeln.

Die Finger bewegen und entspannt liegen – dann läuft es.
Die Finger bewegen und entspannt liegen – dann läuft es.
Die Finger bewegen und entspannt liegen – dann läuft es.
Die Finger bewegen und entspannt liegen – dann läuft es.
x