Kreis Germersheim Ein Drittel hat schon einen neuen Job
Sieben Monate nach Beginn der ersten von zwei Transfergesellschaften für ehemalige Beschäftigte der Schaidt Innovations (SI) GmbH, Schaidt, kann laut Industriegewerkschaft (IG) Metall, Neustadt, „eine erste, durchaus positive Bilanz gezogen werden“: Von den insgesamt 275 Betroffenen sei bisher rund jeder Dritte wieder auf den ersten Arbeitsmarkt vermittelt worden.
Die vom Zentrum für Arbeit und Bildung Frankenthal (ZAB) betriebenen Transfergesellschaften hatten laut IG Metall zum 1. August 2016 schon 224 ehemalige SI-Beschäftigte aufgenommen und zum 1. Januar 2017 nochmals 51. Dazu beigetragen, dass so viele Leute vermittelt werden konnten, haben laut IG Metall auch die gut 130 Weiterbildungsangebote, „die zum Großteil passgenau auf die Wünsche der Mitglieder der Transfergesellschaft zugeschnitten waren“. Bei diesen Angeboten handelte es sich in erster Linie um Anpassungsqualifizierungen wie EDV-Seminare und Staplerführerscheine, was in wenigen Tagen bis Wochen absolviert werden könne, sagte Harald Lange von der IG Metall auf Anfrage. Nach seinen Angaben waren die ehemaligen SI-Mitarbeiter überwiegend in der Produktion beschäftigt und in den unteren Lohngruppen angesiedelt. Die meisten seien im Alter zwischen 40 und 60 Jahren, wobei noch niemand jenseits der 60 vermittelt worden sei. Die meisten Vermittelten haben eine Anstellung im Umkreis von 30 Kilometern gefunden, auch jenseits des Rheins in Baden, sagte Lange. Die Transfergesellschaften wurden auf Betreiben der IG Metall und des SI-Betriebsrates, auf Grundlage eines Interessensausgleiches und Sozialplanes im Insolvenzverfahren gebildet, heißt es in der Gewerkschaftsmitteilung weiter. Bis zum 31. Juli sollen durch weitere Qualifizierungsangebote, bis hin zu einer neuen Berufsausbildung, die Vermittlungschancen der verbliebenen Teilnehmer der Transfergesellschaften auf den ersten Arbeitsmarkt erhöht werden. „Wichtigstes Ziel bleibt aber die Vermittlung in Arbeit, um so den Eintritt von Arbeitslosigkeit möglichst zu vermeiden“, schreibt die Gewerkschaft. Seit Jahresbeginn gehört die ehemalige Schaidt Innovations GmbH, zuvor Harmann-Becker, zur Webasto-Gruppe mit Sitz in Stockdorf, und firmiert nun unter Webasto Mechatronics GmbH. Die unter Auftragsmangel leidende SI war in finanzielle Schieflage geraten. Nach zwei Entlassungswellen im vergangenen Jahr wurde schließlich ein Käufer gefunden: Webasto. Das Unternehmen ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer für Dach-, Cabriodach- und Thermo-Systeme. Schon vor der Übernahme wurden in Schaidt elektronische Baugruppen für Webasto-Cabriodach-Systeme gefertigt. Von den verbliebenen 220 SI-Mitarbeitern wurden 166 übernommen. Nach harten Verkaufsverhandlungen, der Verkaufspreis wurde nicht genannt, und weil der neue Eigentümer der Gewerkschaft kritisch gegenüberstehe, erwartet die IG Metall, dass in Schaidt zukünftig ein „deutlich schärferer Wind“ wehen wird. |rhp/gs