Kreis Germersheim Ein Dünger ohne tierische Zusätze entwickelt

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Kandel: Biolandwirt Bernd Kugelmann hat einen Dünger kreiert, der ohne tierische Stoffe auskommt. Der Vorsitzende des bio-veganen Anbauverbands glaubt, dass Konsumenten keine Pellets aus Schweinehaaren auf dem Acker wollen und setzt auf Aufklärung der Kunden.

Biogassubstrat plus Grünschnitt, dazu etwas Vinasse – so lauten die Hauptbestandteile der Zauberformel von Bernd Kugelmann für veganen Dünger. Der Landwirt selbst ist weder Vegetarier noch Veganer, sondern weiß ein gutes Rumpsteak zu schätzen. „Aber kein Billigfleisch!“, betont er. Als Vorsitzender des frisch gegründeten bio-veganen Anbauverbands will der Kandeler Verbraucher für die Herstellung von Lebensmitteln sensibilisieren. Während der Ausbildung zum Landwirtschaftsmeister hatte Kugelmann auch eine Station in einem Schweinezuchtbetrieb mit 20.000 Ferkeln. „Da mussten wir als Lehrlinge morgens die toten Ferkel mit der Schubkarre herausholen“, erinnert er sich. Seitdem stand für ihn fest: Nie mit Tieren Geld verdienen. Nach der Übernahme des elterlichen Hofs am Stadtrand von Kandel hat er 2005 auf Biolandwirtschaft umgestellt. Auf den 60 Hektar Land baut Kugelmann mit zehn festangestellten Mitarbeitern im Jahr circa eine Million Zucchini an, außerdem Kürbis, Fenchel, Erdbeeren, Feldsalat und Lauch. Doch im Sommer 2011 wurde der Landwirt stutzig: Mitten in der Ehec-Krise wurde er von einem der führenden Lebensmittelhändler Deutschlands kontaktiert. Er sollte unterzeichnen, dass bei seinem Anbau nichts Organisches dabei war, erinnert er sich. Daraufhin hat sich Kugelmann den Dünger, den er verwendete – „ein erlaubter und favorisierter Biodünger“ – genauer angesehen. Das Ergebnis fand er erschreckend: Der Dünger bestand zu einem Teil aus Schlachtabfällen, dem Abwasser vom Abbrühen der Schweine. Biogemüse wächst also auch ganz legal mit Hilfe von Pellets aus Schweinehaaren und Federmehl heran. Dazu komme eine hohe Keimbelastung mit Fäkalkeimen und Listerien, sagt Kugelmann. Zudem musste er den Dünger inzwischen aus China importieren. Eine Auswirkung des wachsenden Biomarktes: Am Anfang habe er die Tonne Biodünger noch für 350 Euro bekommen, jetzt koste eine Tonne 900 Euro und werde noch dazu von weit her importiert, sagt er. Also machte er sich auf die Suche nach veganem Dünger. „Ich habe verschiedene Sachen ausprobiert und bin zwei Jahre lang auf die Nase gefallen“, sagt er mit einem Lächeln. Als Versuchskaninchen fungierten Zucchini, da diese Pflanzen schnell reagieren. „Da konnte ich gleich sehen, ob was nicht stimmt“, sagt er und nennt typische Anzeichen: „Werden die Blätter gelb, bekommen sie Blätter wie Rhabarber ...“ Die Vinasse (fermentierter Sirup) aus der Wodkaindustrie fanden sie nicht so bekömmlich: „Sie war zu salzhaltig und zu reich an Kali, die Kulturen sind auf dem Acker verbrannt.“ Doch dann fand er seine Formel – vegan und regional: Die Basis ist Biogassubstrat aus nachwachsenden Rohstoffen von der Biogasanlage in Lustadt. Dazu kommt Grünschnitt von regionalen Häckselplätzen plus etwas Zuckervinasse, „das ist wie Traubenzucker für den Menschen, das ist der Anschub für Mikroorganismen und Bakterien“. Schon 2014 hatte er sein Patent für „ein Verfahren zur landwirtschaftlichen Herstellung eines bio-veganen Lebensmittels“ angemeldet. Die Mitarbeiter des Deutschen Patent- und Markenamts in München begannen zu prüfen. Inzwischen hatte Kugelmann Kontakt zu einem bio-vegangen Netzwerk in Berlin aufgenommen, das schon länger einen Anbauverband gründen wollte. Bei den bio-veganen Feldtagen im November 2015 war er fasziniert. Im Netzwerk sind zu 90 Prozent Veganer, deshalb musste er mit eigener Bettwäsche einreisen, weil die Daunenfedern im Bettzeug der Unterkunft verpönt war. „Aber so viele junge Leute haben sich interessiert, engagiert“, sagt er begeistert. Kurz davor war er bei der Zukunftswerkstatt des Pfalzmarktes, „da war ich der Jüngste“, sagt der 50-Jährige. Da er mit seinem Düngerpatent eine Definition für veganen Landbau liefern konnte, kam die Verbandsgründung voran. Danach kam endlich Post aus München: Mit dem Datum vom 31. Dezember 2015 war sein Patent eingetragen worden. Die Widerspruchsfrist ist am 1. Juli abgelaufen. Nun will der Anbauverband stärker in die Öffentlichkeit treten. Kugelmann hofft, dass besser informierte Kunden bewusster einkaufen. „Ich glaube kaum, dass ein Verbraucher akzeptiert, dass mit Schlachtabfällen gedüngt wird“, sagt er. Schon heute bestehen 40 Prozent seiner Arbeitszeit aus der Vermarktung. Wegen der aggressiven Preispolitik der Großbetriebe glaubt er, dass auch in den regionalen Mitnahmemärkten die Zukunft liegt. Einen solchen gibt es auch bei ihm auf dem Pfalz-Bio-Hof im Kandeler Sonnenweg 1: Dort stehen derzeit kistenweise Zucchini, Fenchel, Erdbeeren bereit. Die Kunden packen sich ihre Ware selbst ein, wiegen sie selbst ab und bezahlen dann in eine Kasse. Probleme gebe es keine, sagt Kugelmann. „Die Kunden vertrauen unserer Arbeit, wir vertrauen unseren Kunden.“

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