LINGENFELD / DUDENHOFEN
Dudenhofener Tempo-Anzeigetafeln in Lingenfeld: Gut gegen Raser, aber auch erlaubt?
In der Lingenfelder Schulstraße zeigt bereits seit August eine Tafel aus Dudenhofen den Verkehrsteilnehmern an, ob sie zu schnell unterwegs sind. Ein zweites Gerät des Ortsvereins Dudenhofen ist jetzt in der Kautzengasse aufgehängt worden. Dabei handelt es sich um jene Tafel, die zuvor im Spargeldorf in der Carl-Zimmermann-Straße stand. Der Ortsverein hatte es kürzlich abbauen müssen, weil die Verbandsgemeinde darauf gepocht hatte, dass das Aufstellen von Geschwindigkeitsmesstafeln alleine ihr Zuständigkeitsgebiet ist. Weil es laut Ortsvereinsvorsitzendem Manfred Hick Kontakte zwischen seinem Verein und der Bürgerinitiative „Lebenswertes Lingenfeld“ gibt, kam zusammen mit dem Lingenfelder Ortsbürgermeister Markus Kropfreiter (SPD) die Idee auf, das jüngst in Dudenhofen demontierte Gerät in der Lingenfelder Kautzengasse zu verwenden.
Froh über Unterstützung
„Ich bin sehr froh über die sehr kooperative Zusammenarbeit und die Unterstützung aus Dudenhofen“, sagt Kropfreiter. In der Kautzengasse wird nach seinem Eindruck häufig zu schnell gefahren. Gerade in Richtung Ortsmitte werde oft noch einmal aufs Gaspedal gedrückt, wenn die dortige Ampel auf Gelb springe. „Mit Anzeigetafel ist die Anzahl derer, die zu schnell fahren, niedriger“, ist er überzeugt von der Wirksamkeit der am Samstag aufgestellten Messgeräte. In einem weiteren Schritt sollen laut Kropfreiter in der Kautzengasse versetzte Parkplätze eingezeichnet werden, um Raser auszubremsen. Das wünschten sich die Anwohner so.
„Dies ist ein gutes Beispiel, wie wichtig es ist, die Kräfte zu bündeln und zusammenzuarbeiten“, sagt Manfred Hick dazu, dass die Geräte des Dudenhofener Ortsvereins nun in Lingenfeld Verwendung finden. Sein Verein plane, die mittlerweile vier Anlagen, über die man verfüge, künftig gegen „einen angemessenen Beitrag“ anderen Orten zur Verfügung zu stellen. Zumindest so lange, wie die Verwaltung der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen das Aufstellen im eigenen Dorf nicht erlaube. Hick hat dabei immer noch die Hoffnung, dass es noch einmal ein Gespräch mit der Verwaltung geben kann. Ein solches sei in der jüngsten Verbandsgemeinderatssitzung in Aussicht gestellt worden. Bislang habe die Verbandsgemeinde aber noch keinen Kontakt mit dem Ortsverein aufgenommen.
Verwaltung überrascht
Stellt sich die Frage: Warum ist in Lingenfeld erlaubt, was in Dudenhofen nicht geht? Möglicherweise ist aber auch bereits die Frage die falsche, denn eine Nachfrage der RHEINPFALZ bei allen Beteiligten legt nahe, dass es ein Kommunikationsproblem gegeben hat und das Aufstellen der Geräte in Lingenfeld von der örtlichen Verbandsgemeindeverwaltung unter falschen Voraussetzungen abgesegnet wurde. „Die Anlage stört ja niemand“, sagt auf der einen Seite Lingenfelds Ortsbürgermeister Kropfreiter. Er habe das Aufstellen des neuen Geräts mit der Verwaltung abgestimmt. Das bestätigt diese grundsätzlich auch.
Wie eine Nachfrage beim zuständigen Fachbereichsleiter Bürgerdienste Michael Kolesnikow ergibt, ging dieser allerdings davon aus, dass die Ortsgemeinde Lingenfeld die Geräte vom Dudenhofener Ortsverein komplett übernommen hat – tatsächlich sind sie nur geliehen. Vor allem aber ist Kolesnikow überrascht, dass der Ortsverein beabsichtigt, die von den Geräten gesammelten Daten auszulesen. Dass dies so ablaufen soll, bestätigt Vereinsvorsitzender Hick, der seinerseits nur Kontakt mit Kropfreiter, nicht aber mit der Lingenfelder Verbandsgemeindeverwaltung hatte.
„So wurde das mit uns nicht kommuniziert“, sagt nun wiederum Kolesnikow. Der Fachbereichsleiter war nach seinen Angaben davon ausgegangen, dass seine Abteilung in der Verwaltung die Auswertung übernimmt. „Die Daten gehen den Ortsverein Dudenhofen nichts an“, findet er. Was mit den Anzeigetafeln passiert, will Kolesnikow nun zunächst intern klären.
Einwurf: Gemeinsamer Kampf
Der Kampf gegen Raser ist im Grunde ein Anliegen, das Bürger wie Politik und Verwaltung gleichermaßen verfolgen. Allerdings sind gerade die Behörden gehalten sicherzustellen, dass dabei alles seinen geregelten Gang geht, auch beim Aufstellen von Geschwindigkeitsanzeigegeräten. In Dudenhofen sind die Fronten zwischen Ortsverein und Verwaltung verhärtet, in Lingenfeld hat es offenbar Missverständnisse zwischen Orts- und Verbandsgemeinde gegeben. Bleibt zu hoffen, dass es noch gemeinsame Lösungen geben wird und die teuren Geräte nicht in Garagen verstauben müssen. Denn eigentlich kämpft man doch den gleichen Kampf.