Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Diese Krankenhaus-Mitarbeiterinnen stecken hinter der Schutzmaske

Sie kümmern sich mit ihren Teams um die Covid-19-Patienten in der Kandeler Klinik: Sandra Mindum, Leiterin der Intensivstation,
Sie kümmern sich mit ihren Teams um die Covid-19-Patienten in der Kandeler Klinik: Sandra Mindum, Leiterin der Intensivstation, Fellenza Aliu, Leiterin der Station 4, und Pflegedienstleiterin Andrea Armbrust.

Wer im Landkreis Germersheim an Covid-19 erkrankt, wird in der Kandeler Asklepiosklinik behandelt. Die RHEINPFALZ hat die Frauen getroffen, die sich um die Pflege dieser Menschen kümmern. Ein Gespräch über die Bedeutung von Passwörtern, neue Herausforderungen und darüber, was den Patienten derzeit am meisten fehlt

Die Maske macht den Unterschied. Da sind sich die drei Fachfrauen einig. „Acht Stunden mit Maske, das ist anstrengend“, sagt Sandra Mindum, Leiterin der Intensivstation in der Kandeler Asklepiosklinik. „Man muss sich erstmal auf das Atmen konzentrieren.“ Und nicht nur das: Etwas essen oder trinken, der Gang auf die Toilette, „das alles will gut geplant sein.“ Denn beim An- und Auskleiden von FFP2-Schutzmaske, Brille, Schutzkittel und Handschuhen wird jedes Mal wertvolles Material verbraucht. Diese Schutzkleidung soll Pflegekräfte bei der Versorgung von Patienten, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben, schützen. Doch sie sorgt gleichzeitig für neue Arbeitsbedingungen.

Die körperliche Nähe zum Patienten bleibt indes bestehen: „Pflegekräfte können nicht sagen, ich mache das aus der Entfernung“, sagt Andrea Armbrust, Pflegedienstleiterin der Klinik. Zudem ist der Kontakt zu den Patienten wichtiger denn je. Angehörige dürfen die Klinik seit Wochen nicht mehr betreten, auch nicht bei einer Einlieferung über die Notaufnahme.

Man erkennt kaum, wer sich dem Bett nähert

Die Schutzkleidung schafft Distanz, „das ist wie eine Wand“, sagt Fellenza Aliu, Leiterin der Isolier-Station 4, also der Station „mit den positiv Getesteten“. Dazu kommt: Man erkennt nicht unbedingt, wer sich hinter der Maske verbirgt. „Es ist wichtig, eine Beziehung zu den Menschen aufzubauen, die frisch einen positiven Befund erhalten haben“, sagt Aliu. Gerade hier gebe es viele Ängste. Es dauere länger, bis die Kommunikation klappt, „aber das Feedback ist positiv, die Patienten erzählen viel.“

An das Krankenbett dürfen nur Pflegekräfte und das medizinische Personal, auch in schwierigen Momenten. Zum Beispiel, wenn Covid-19-Patienten wieder ohne maschinelle Beatmung auskommen sollen. „Wenn jemand aus dem künstlichen Koma aufwacht und niemand ist da – dann ist da die Pflegekraft“, sagt Mindum mit Blick auf ihre Erfahrungen der vergangenen Wochen. Aliu merkt an: „Wir sind jetzt Mutter, Schwester und Freundin.“

Wer ist am anderen Ende der Leitung?

Alle Kontakte laufen jetzt über das Telefon. Hier sei der Datenschutz eine Herausforderung, erläutert Armbrust: „Wer ist wirklich am anderen Ende der Leitung und darf die Auskünfte bekommen?“ Letztendlich entscheide der Arzt. Auf der Intensivstation hat man eine eigene Lösung gefunden: „Es wird ein Passwort vereinbart, das beim Telefonat abgefragt wird“, sagt Mindum.

So konnten sich auch die Angehörigen der elsässischen Patienten nach deren Befinden erkundigen. „Sie waren froh, dass sie in Deutschland behandelt werden konnten“, sagt Mindum über die Menschen, die aus einer überlasteten Klinik aus Strasburg nach Kandel gebracht wurden.

Für die drei Fachfrauen kam die Corona-Pandemie nicht unerwartet. Schon nach den ersten Berichten aus China war ihnen klar: „Da kommt etwas auf uns zu.“ Im Februar gab es erste Gespräche in der Kandeler Klinik. „Die Faschingsveranstaltungen hätten schon nicht stattfinden dürfen“, sagt Mindum kritisch. Ihre Kolleginnen nicken zustimmend. „Es ist schlimm, dass so viele Menschen sterben müssen, ohne von ihren Angehörigen Abschied nehmen zu können“, sagt Armbrust mit Blick auf Italien oder Spanien.

Kinder werden später umarmt

Das Gespräch findet bei strahlendem Sonnenschein im Freien statt, an einem großen Tisch mit viel Abstand. Armbrust, Mindum und Aliu haben die Corona-Spielregeln verinnerlicht. Vorschriften vom Arbeitgeber zum privaten Abstandhalten benötigen sie keine. „Das macht jeder von sich aus“, sagt Aliu. Auch die Familien wissen, worum es geht: Die Kinder werden direkt nach dem Dienst nicht umarmt, sondern erst, wenn Mama geduscht hat.

Wer den ganzen Tag bei der Arbeit hautnah mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu tun hat, braucht abends keine Nachrichten oder Talkshows zu diesem Thema mehr. Auch zuhause wird kaum darüber gesprochen: Mutter und Bruder von Fellenza Aliu arbeiten ebenfalls in der Pflege – da sei man froh, wenn es um etwas anderes gehe.

Die Kliniken in Germersheim und Kandel wurden umstrukturiert, um auf eine mögliche große Welle vorbereitet zu sein. Derzeit bauen viele Pflegekräfte ihre Überstunden ab.

„Aber wir wissen, wenn es brennen sollte, sind alle da“, sagt Armbrust. Die Bereitschaft sei groß. „Die Situation hat das Team zusammengeschweißt.“ Allerdings sei auch eines klar, merkt Aliu an: „Covid-19 wird es jetzt immer geben, wie Influenza oder Schweinegrippe.“

Dienst in Schutzkleidung auf der Covid-19-Station: Dr. Christian Schremp und Dr. Lanner.
Dienst in Schutzkleidung auf der Covid-19-Station: Dr. Christian Schremp und Dr. Lanner.
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