Kreis Germersheim Die Punker von der Lebenshilfe

Mario Grischy und Adnan „Adi“ Bozkurt auf der Bühne.
Mario Grischy und Adnan »Adi« Bozkurt auf der Bühne.

«Kreis Germersheim.» „Cheers, auf uns, auf Punkrock!“, prosten sich die beiden gleich nach der Ankunft zu. „Ach bin ich aufgeregt! Das hier ist ja Neuland und ganz anders als bei uns“, macht der 45 Jahre alte Adi gar nicht erst auf cool. Gemeinsam mit seinem Betreuer Mario (36) spielen sie seit sieben Jahren unter dem Bandnamen Die Bewohner Cover-Songs und Eigenkompositionen. Bislang traten sie nur auf Veranstaltungen der Lebenshilfe auf. Während der Gitarrist und Sänger Mario im Punk-Bereich bereits reichlich Live-Erfahrungen hat und gerade wieder eine neue Band zusammenstellt, ist der von Geburt an blinde Adi erstmals in der „freien Wildbahn“: „Es ist eine Ehre für uns, hier spielen zu dürfen. Ich hatte mich oft gefragt, warum wir mit unserem sehr guten Repertoire nicht mal in so einem Laden spielen können.“ Adi ist für die Percussions zuständig, Musik ist seine Leidenschaft, „da lasse ich niemand an mich ran. Es geht einfach darum, das innere Auge für den Rock ’n’ Roll zu öffnen.“ Die Gelegenheit für diesen Auftritt war günstig. Denn das integrative Punkkollektiv Metzer 58 kündigte sich in der Hackerei mit einer kleinen Tour an, die es auch nach Stuttgart führen wird. Ihr Motto lautet „Bier, Bier – Suff, Suff!“ – Übersetzt heißt das wohl „volle Pulle“ und sonst nichts. Eben ganz normaler Punkrock. Über Manuel Milliot von der Lebenshilfe Germersheim wurde dann der Doppelauftritt mit den Bewohnern festgezurrt. Und um das Ganze abzurunden, holte man noch Augenschmaus, die Ateliergemeinschaft der Lebenshilfe Wörth, mit einer Ausstellung dazu. Motto: „Bier, Bier – Suff, Suff!“ Fast 40 Bewohner und 12 Betreuer der Lebenshilfe Wörth und Westheim tummeln sich jetzt hier in der Hackerei. Für den Chef Christian „Plüschi“ Bundschuh ist es eine ganz normale Veranstaltung. Die Musiker bekommen wie üblich eine ordentliche Gage, Catering und eine Übernachtungsmöglichkeit gestellt. Man merkt ihm an, dass er die Stimmung genießt und der Abend etwas Besonderes für ihn ist. Und dennoch: „Man muss auf gar nichts Besonderes achten. Und Punk mit deutschen Texten – die Musik ist natürlich voll okay!“ Das ist währenddessen auch die Stimmung in der Kunst. Es wird viel gelacht und die Aufmerksamkeit so richtig genossen. Betreuerin Anke Sommer: „Die Öffentlichkeit ist sehr wichtig für die Künstler. Wir treffen dann viele Menschen, die ansonsten mit Beeinträchtigten nicht sehr viel zu tun haben.“ Ein Expertengespräch über Punk Sie weiß, dass das Malen für die in ihrer Sprachkompetenz sehr eingeschränkten Künstler wie Rita Becker oder Heidrun Hartmann eine wichtige Form ist, sich der Umgebung mitzuteilen: „Man malt ja nicht für sich alleine. Sondern gerade auch um sich auszudrücken.“ Die Akzeptanz der Hackerei-Besucher ist dann auch tatsächlich da. „Ich bin gezielt wegen der Ausstellung gekommen“ sagt zum Beispiel Tina aus Karlsruhe. Das Konzert nimmt sie nur als Zugabe mit. Die Bude ist schließlich voll und bleibt es bis zum Schluss. So sieht Erfolg aus. Adi hat währenddessen seine Nervosität komplett vergessen und läuft zu Höchstform auf. Die Resonanz ist gut, sie bekommen reichlich Applaus. Am Ende führt er mit Hackerei-Chef Plüschi noch ein langes Expertengespräch über Musik und Punk. Für Plüschi steht fest: „Ein sehr gelungener Abend, das können wir gerne wiederholen!“

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