Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Die Polizeidienststelle wird zur Kunstgalerie

Die Schüler mit Dienststellenleiter Thomas Lederer und Lehrerin Sabine Brand-Scheffel bei der Vernissage.  Foto: Norman P. Krauß
Die Schüler mit Dienststellenleiter Thomas Lederer und Lehrerin Sabine Brand-Scheffel bei der Vernissage.

Wenn die Polizei auf ihrer Dienststelle in Wörth Tatverdächtige vernimmt, schauen jetzt viele Augen zu. Es sind farbintensive „Augenbilder“ von Schülern des Europagymnasiums Wörth, die – sauber gerahmt – in der Polizeidienststelle ausgestellt werden. Dazu: expressionistische Landschaftsstudien, Perspektivzeichnungen und eine Pastellkreideskizze im Stil von Peter Paul Rubens.

Es sind vor allem die Augen, die es Dienststellenleiter Thomas Lederer besonders angetan haben: Der Sehsinn nehme ein Viertel der menschlichen Wahrnehmung ein und sei besonders für die Polizeiarbeit essenziell, sagt er an die 16 Schüler gewandt, die zur Ausstellungseröffnung in der Polizeiinspektion vorstellig geworden sind. Zu den Kunstwerken selbst sagt der Polizeihauptkommissar: „Die Schönheit liegt im Auge des Betrachters“, und will das ganz positiv verstanden wissen. „Alle Bilder sind Schätze“, sagt er und spricht von einem „Mehrwert für die Dienststelle.“

Bei den jungen Künstlern verschwindet die anfängliche Nervosität allmählich. Viel Kontakt mit der Polizei hatten sie bislang nicht. Beim „Fahrradführerschein“ damals vielleicht, erinnern sich die Elftklässler Moritz aus Neuburg und David aus Wörth zusammen mit den Neuntklässlerinnen Chiara (Maximiliansau) und Danielle (Büchelberg). Anders bei Hanna aus Wörth – die Elftklässlerin hat im vergangenen Jahr ein Schulpraktikum bei der Polizei gemacht und kann sich eine Ausbildung bei der Polizei gut vorstellen.

Und wie sind die Schüler mit der Ausstellung ihrer Arbeiten zufrieden? „Gut“, erklärt einer nach dem anderen etwas scheu. „Ist schon aufregend“, fasst sich die Kandelerin Leonie (9. Klasse) ein Herz. „Es ist schön, dass das jemand außerhalb der Schule sieht“, bestätigt Alisa (11. Klasse, ebenfalls aus Kandel). Wenn sonst Bilder aus Kunst-AG oder Kunstunterricht in der Schule gezeigt würden, liefen die meisten nur achtlos vorbei. Auf der Polizeiinspektion könnten sich Betrachter mit den Bildern befassen und in Ruhe ansehen, hofft sie. Nur die Vorstellung, dass die „Augenbilder“ bei der Vernehmung von Tatverdächtigen à la „Tatort“ fixieren, die gefällt der Neuntklässlerin Sina (Berg) nicht wirklich. „Das wäre mir nicht recht“, sagt sie. Aber Vernehmungen sind ja nur die Ausnahme des Alltags auf der Polizeiinspektion, die es im vergangenen Jahr mit rund 2000 Unfällen und 3200 Straftaten zu tun hatte, wie Lederer berichtet. 72 Mitarbeiter seien in Wechselschichten im Einsatz.

Dass ihre Kunstprojekte in der Polizeiinspektion gezeigt werden hatten die Schüler zunächst nicht gewusst. „Es wurde uns erst im Nachhinein gesagt“, sagt die Luisa (11. Klasse, Kandel). Die Polizistin Barbara Zobel hatte den Kontakt zum Europagymnasium gehalten und mit den Lehrerinnen Elise Bode, Beate Kuhn und Sabine Brand-Scheffel das Projekt zum Laufen gebracht. Sabine Aufdermauer, Mitglied der Schulleitung, erzählt denn auch, dass sie zuerst irritiert war, als bei Schulveranstaltungen die Polizei erschien. Brand-Scheffel berichtet, sie habe mit der Architektur der Dienststelle zu kämpfen gehabt, um die richtigen Plätze für die Bilder zu finden. „Wir haben sehr farbige, großflächige Arbeiten ausgesucht, die gut mit der Architektur korrespondieren“, sagt sie. Bei einem Rundgang durch die Dienststelle suchen die Schüler ihre Arbeiten und machen Fotos. Die Neuntklässlerin Florence aus Kandel muss gleich zweimal in das Dienstzimmer mit ihrer Arbeit und Fotos schießen.

Die Ausstellung sei auf Dauer ausgerichtet, so Lederer. Im Laufe der Zeit könne umgehängt werden und weitere Bilder der Schüler des Europagymnasiums gezeigt werden. Aber im – Achtung: Wortspiel – Augenblick scheint er mit den bereits gezeigten Arbeiten sehr glücklich. „Das ist unglaublich“, sagt er mehr zu sich selbst, während er vor einigen Bildern steht.

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