Kreis Germersheim Die „Inkawurzel“ geht immer

In ihrer Heimat gilt sie als Heilpflanze mit geradezu sagenhaften Eigenschaften. Zum griffigeren Verständnis hat sie der Gärtnermeister aus Hergersweiler nun kurzerhand in „Inkawurzel“ umgetauft. So ungewöhnlich ist das nicht, da sie in Südamerika generell unter zig anderen Trivialnamen bekannt ist. Nun soll sie auch in der Südpfalz populärer werden. Gefunden hatte er die Wurzel bei einer Recherche im Internet: „Ich wollte etwas Exotisches, das sich im hiesigen Sandboden produzieren lässt“, erinnert er sich. Was er nun an Informationen über die Yacon fand, machte ihn mehr als neugierig. Als echte Allrounderin mit süßlich-fruchtigem Geschmack lässt sie sich nicht nur roh, gekocht, gebraten, gegrillt und paniert, sondern auch als Zutat eines Früchtecocktails oder erfrischenden Mixgetränks genießen: „Ananas- und Orangensaft, dazu etwas Zimt, das schmeckt“. Es habe ihn sofort fasziniert, mit der Wurzel so viel anfangen zu können. Dass sie in Europa noch immer unbekannt ist, kann er sich nur mit viel Ironie erklären: „Entweder Kolumbus hat sie dort vergessen oder sie wurde wegen ihres tollen Aromas noch unterwegs von den Seeleuten aufgegessen.“ Dieser Appetit dürfte der Gesundheit der Mannschaft kaum geschadet haben. So sagt man, dass die sättigend wirkende Yacon viele Mineralstoffe und Vitamine habe, die guten Darmbakterien fördere und überhaupt für Diabetiker ideal sei, da sie den Blutzuckerspiegel nicht erhöhe. Zudem habe sie einen so hohen Anteil an freier Glutaminsäure, dass sie ohne weiteres als natürlicher Geschmacksverstärker eingesetzt werden könne. Bis Anfang dieses Jahres durfte die Inkawurzel nur privat angebaut werden und war somit im Handel nicht erhältlich. Doch seither ist sie in der EU freigegeben. Für Bösherz ist diese Entscheidung nur folgerichtig: „Wenn sich die Menschen in Peru seit 1500 Jahren von diesem Grundnahrungsmittel ernähren, warum sollte das dann nicht auch bei uns funktionieren?“ Doch vor dem Genuss steht auch bei der Inkawurzel harte Arbeit. Sie muss im Gewächshaus vorgezogen werden und ist sehr frostempfindlich, Nacktschnecken und Wühlmäuse sind ihre größten Feinde. Selbst wenn bis zur Ernte im Oktober alles gut gegangen ist, warten noch allerhand Gefahren. So sei der Einsatz eines Vollernters nicht möglich, da die Wurzeln bei Schädigungen an der empfindlichen Haut faulen würden. Also sei nach dem behutsamen Herausheben der mannshoch wachsenden Pflanze mittels einer eigens von ihm konstruierten Drei-Zinken-Gabel Handarbeit notwendig. Besondere Vorsicht ist dann notwendig, wenn die Wurzeln von der Erde befreit werden. Walter Bösherz: „Sie sind dann nämlich dermaßen spröde, dass sie leicht in tausend Teile zerspringen können“. Sofern die Ernte gut eingebracht wird und bis zur Auslage an den Markständen keine drastischen Verluste durch hungrige Transporteure entstehen, dürfte sich ab dem Spätherbst das genaue Studium des regionalen Gemüseangebots also durchaus lohnen. Und das ganz gleich, ob dann auf den Schildchen Yacon oder Inkawurzel stehen wird.