Kreis Germersheim Die erste Ampel kennt kein Gelb
«Germersheim». Bei uns in Germersheim gibt es ein tolles Straßenmuseum, wer hätte das gedacht. Für die, die es noch nicht persönlich besucht haben, hatte ich mit Kurt Burger ein sehr interessantes Interview. Burger ist seit 2009 Gästeführer in Germersheim und auch hier geboren. Zuerst erfuhr ich einiges über das Straßenmuseum: Das Museum gibt es seit 1989 als Straßenmuseum.
1995 wurde es in das „Deutsche Straßenmuseum“ unbenannt, da es das einzige in dieser Art in Deutschland ist. „Auf 5000 Quadratmeter werden rund 1000 Exponate gezeigt. Wir sind hier im Zeughaus, welches ein Teil der Festung ist“, erzählte mir Burger. Die Idee so ein Museum zu erschaffen, stammt von drei Herren; einem Herrn Ruthe aus Koblenz, Herrn Freud aus Speyer und von dem ehemaligen Bürgermeister Dieter Hänlein. Sie alle waren beruflich im Straßenbau tätig. Das Zeughaus wurde 1834 – 1861 erbaut und diente zu diesem Zeitpunkt als Lagerstätte für Waffen. Ich erfuhr, dass die meisten Exponate Leihgaben oder Geschenke von befreundeten Firmen sind. so zum Beispiel eine noch funktionsfähige Dampfwalze von Faber; diese ist das größte und exklusivste Ausstellungsstück. „Das Museum zeigt den Besuchern, die Entwicklung des Straßenbaus vom Trampelpfad der Römer bis hin zur High-Tech Autobahn“ erklärte mir Burger. Das Museum wird vom Land unterstützt und finanziert sich durch Spenden und Eintrittsgelder.“ Früher gab es keine Kilometerangaben, daher gab es Stundensteine. Sie zeigten die Entfernung in Stunden an. Einer davon steht gleich im Eingangsbereich des Museum. „Er stammt aus dem Jahr 1789. Und auf ihm steht: 6 Stunden von Koblenz und 15 Stunden von Frankfurt am Main entfernt“, sagte Fachmann Burger. Im Museum gibt es einen 2000 Jahre alten Holzbohlenweg, gefunden wurde dieser in Osnabrück. Es ist das älteste Ausstellungsstück und wird in der Abteilung Zeit des Pflasters gezeigt. Der Erfinder der geteerten Straße war übrigens Dr. Goudron. Außerdem erfuhr ich, dass Asphalt ein Naturprodukt ist. Im Museum besichtigen kann man eine Nadelpenteration, einen Proctorhammer und ein Duktilometer, natürlich alles wichtige Geräte im Straßenbau. Gezeigt wird auch der Bau einer Autobahn in einem Glaskasten. „Die erste Autobahn, die A 555, war 40 Kilometer lang, sie führte von Bonn nach Köln. Auftraggeber war der ehemalige Bürgermeister von Köln Konrad Adenauer“ erfuhr ich von Burger. Ebenfalls zu sehen ist die erste Notrufsäule von 1938; diese Säulen standen immer auf dem Mittelstreifen. Ein wichtiges Gerät, „der Viermannstampfer“, wurde benutzt um den Untergrund der Straßen zu befestigen. Er wiegt 40 bis 50 Kilogramm. Bei unserem Rundgang durch das Museum zeigte mir Burger auch die erste Ampel. „Eine Heuerampel. So eine stand bei Ludwigshafen, Koblenz und Karlsruhe. Es gab auf ihr keine Gelbphase. Sie wurde mit vier Seilen gehalten. Heuer so hieß der Erfinder“ sagte Burger. Zu sehen gibt es auch einen Alten Tunnel. Hier wurde noch mit Hammer und Meisel der Stein aus dem Felsen gehauen und mit Holzbalken abgestützt. Zudem erfuhr ich: „Neu ist eine automatische Betonmaschine, diese haben wir vor kurzem erhalten. Denn es kommen regelmäßig neue Exponate ins Museum“. Dann zeigte mir Stadtführer Burger noch den Außenbereich des Museum. Hier zu sehen sind auch ein Betonzertrümmerer, eine Straßenwalze und eine Fräsmaschine (moderner Art). Auch eine alte Tankstelle der Firma Esso aus dem Jahr 1934 wird gezeigt. Und dann zeigte mir Burger noch einen Schneeräumer aus dem Jahre 1850, welcher zu der Zeit von vier Pferden durch die Straßen von Germersheim gezogen wurde. „Hier bin ich als Kind mitgefahren“ erzählte mir Burger stolz. Ich bedankte mich herzlich für die tolle Führung und dafür, dass Herr Burger sich so viel Zeit genommen hat, um mir alles zu zeigen und zu erklären. Ihr seht das Straßenmuseum ist ein Besuch wert. Es gibt viel zu entdecken.