Kreis Germersheim
Diamantene Hochzeit in Westheim: Beim Ja-Wort lag tiefer Schnee
Am 19. Februar 1960 sagten sie im Standesamt Kirrweiler, einen Tag später im „Klösterle“, einer kleinen Neustadter Kirche, zueinander Ja. „Es war damals kalt“, erinnert sich der heute 81-Jährige. Und seine 82-jährige Ehefrau weiß genau, dass Schnee lag. Gefeiert wurde mit 30 Personen in Renates Elternhaus in Kirrweiler. Zum Aufwärmen gab es Markklößchensuppe und danach Schweinelende mit Nudeln und Salat sowie Rindfleisch mit Meerrettich und Kartoffeln.
Doch wie kam ein Westheimer an eine Kirrweilerin? Ganz einfach: durch Zufall und mit seinem zweifarbigen und verchromten Heinkel-Roller, auf den er stolz war: „Ich bin damit überall aufgefallen.“ Reinhard Scheid, ebenfalls aus Westheim, bat Willi Freudenstein im Jahr 1958, 14 Tage vor Ostern, ihn zu einer Freundin nach Kirrweiler zu fahren. Dort angekommen trafen die beiden Männer auf gleich zwei Mädchen: Scheids Freundin hatte zufällig ihre Freundin dabei. Und wer war das? Na klar: Renate.
Nach dem Kino zum ersten Mal geküsst
Gemeinsam verbrachten die vier jungen Leute einen schönen Abend im Café – und Willi zahlte für Renate die Rechnung. „Er hat mir gleich gefallen, hatte keine langen Haare“, betont Renate. „Ich hatte keine großen Absichten“, gesteht Willi. Er hatte seinen Freundeskreis in Lingenfeld, ging dort gerne ins Kino. Renate ergriff die Initiative, fragte ihn, ob man sich wieder treffe. 14 Tage später, einen Tag vor Ostern, war es im Café soweit. Und siehe da: Willi hatte sogar ein Ostergeschenk dabei – eine Kuchenplatte aus Glas. „Damit hatte ich nicht gerechnet“, sagt die Kirrweilerin.
Die Treffen häuften sich – und fanden nun im Kino in Maikammer statt. Der erste Kuss war nur eine Frage der Zeit – und ereignete sich nach dem zweiten Kino-Besuch vor der Haustür. Auch die Eltern von Renate und Willi verstanden sich gut. Unmittelbar nach der Hochzeit zog die Ehefrau nach Westheim, ins frisch aufgestockte Elternhaus von Willi in die Holzmühlstraße. Dessen Schwiegervater hatte dabei kräftig mit angepackt.
Über eine Million Kilometer unfallfrei
Willi ist gelernter Maurer, war 20 Jahre „auf Montage“, hat Akustikwände „in ganz Deutschland, der Schweiz und Luxemburg“ errichtet und war dabei auf vielen Großbaustellen, unter anderem dem Flughafen Frankfurt, tätig. „Ich bin über eine Million Kilometer gefahren – unfallfrei“, betont er. Bevor er nach 47 Arbeitsjahren 1998 in Rente ging, war er als Säurebau-Obermonteur bei der BASF tätig. Früher spielte er Handball, später Fußball, war Übungswart bei den Schäferhundevereinen Rülzheim und Lingenfeld und saß fünf Jahre für die Wählergruppe Sinn im Ortsgemeinderat. Seit 1971 gehört der Angler dem Lingenfelder Angelsportverein an: 15 Jahre war er dort Gewässerwart, fünf Jahre zweiter Vorsitzender. Er leitete den Bau des Anglerheims und organisierte Fischerfeste.
Seine Frau unterstützte ihn, indem sie im Verein mithalf. Beruflich füllte sie früher für den Rewe-Markt Wein in Neustadt ab, war als Hausfrau und kurze Zeit als Reinigungskraft tätig. Gerne erinnern sich beide an schöne Urlaube in Leutasch zurück. Das Paar hat zwei Söhne, eine Tochter und drei Enkel. Gefeiert wird heute bei Sohn Harry im Finkenweg 14.