Kreis Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Deutsche Fähnchen mit Halbmond auf Datteln gespickt

Einfach, aber lecker: Zum Fastenbrechen gibt es Linsensuppe und Hackfleischbällchen. Foto: Iversen
Einfach, aber lecker: Zum Fastenbrechen gibt es Linsensuppe und Hackfleischbällchen.

Mit dem Fastenbrechen Eid al-Fitr wurde in der Moschee der Türkisch-Islamischen Gemeinde Wörth der Fastenmonat Ramadan beendet. Unter den 60 Teilnehmern in der Ulu-Moschee in der Eisenbahnstraße waren viele Gäste, die nicht der Gemeinde angehören. Gemeindevorstand Fatih Yilmaz hob das am gleichen Tag begangene Jubiläum des Grundgesetzes hervor.

Von Matthias Dreisigacker

Wörth. „Dreh- und Angelpunkt ist der Artikel 1, die Würde des Menschen ist unantastbar. Das Jubiläum ist ein Anlass, dessen Verpflichtung und Bedeutung zu reflektieren“, sagte Yilmaz zum 70. Jahrestag des Grundgesetzes. Bürgermeister Dennis Nitsche (Wörth, SPD) lobt das „seit vielen Jahren exzellente Verhältnis miteinander“. Für den SPD-Bundestagsabgeordneten Thomas Hitschler ist das Fest „die schönste Abrundung eines Tages, die ich mir denken kann“. Beeindruckt von der Vereidigung von Bundeswehrsoldaten auf dem Hambacher Schloss am Vormittag verweist auch er auf das Grundgesetz und betont, dass „in den heutigen Tagen die Freiheit der Religionsausübung mit fünf Ausrufezeichen geschrieben werden muss“.

Die Kürze und Prägnanz der Begrüßungsworte ist auch der Tatsache geschuldet, dass die Zeit knapp wird. Um 21.19 Uhr geht die Sonne unter. Dann endet der Fastenmonat Ramadan. Iman Cengiz Yagci zitiert aus den Suren 190 bis 490, die sich der Schöpfung der Erde widmen. Der Text wird anschließend auf Deutsch verlesen. Dann darf auch noch der elf Jahre alte Talha etwas rezitieren, ehe der Iman erneut zum Gebet anhebt. Übersetzt wird nun nicht mehr, doch die letzten beiden Worten versteht jeder zweifelsfrei: „Guten Appetit!“ Traditionell liegt für jeden eine Dattel bereit, heute gespickt mit einem deutschen Fähnchen mit einem Halbmond. Das Essen ist schlicht, aber hervorragend. Es beginnt mit einer Linsensuppe, dann gibt es Hackbällchen mit Reis, Kartoffeln und einem grünen Salat. Den Abschluss bilden süße Backwerke, die nicht als diätische Lebensmittel bekannt sind. Vorstandsmitglied Bozkurt Ugur: „Bei uns kann man essen, bis man platzt. Sie können gerne Nachschub verlangen!“

Dass das Eid al-Fitr hier im gemeinsam begangen wird, ist noch keine lange Tradition. Früher war es üblich, dass sich die Gemeindemitglieder gegenseitig nach Hause einluden. Mitte der 80er Jahre hatte die Gemeinde in einem alten Schuhladen in Maximiliansau begonnen, ehe nach ein paar Jahren das jetzige Gebäude gekauft und umgebaut wurde.

Der Gemeinschaftssaal, in dem das Fest jetzt begangen wird, wurde erst vor zwei Jahren renoviert. An der Wand hängt ein TV-Bildschirm, es gibt einen Beamer und auch eine Play Station: „Für die Kinder und jugendlichen“, sagt Ugut. Die Bedeutung gehe über das körperliche hinaus, erläutert er: „Der ganze Mensch als Einheit fastet, die Seele soll gezügelt werden.“ Der Ramadan folgt dem islamischen Mondkalender und rutscht in jedem Jahr zehn Tage nach vorne. Gerade in den heißen Jahreszeiten wird es dann zur Herausforderung, am Tag nichts Trinken zu dürfen.

„Das klappt sehr gut, besser kann ich es mir nicht vorstellen“, lobt Fatih Yilmaz die Zusammenarbeit mit der Verwaltung, den Nachbarn und den Kirchengemeinden in Wörth. Nur das Verhältnis zwischen Deutschland und der Türkei auf der großpolitischen Ebene bereitet ihm zur Zeit Sorge. Ismail Düzgün wiederum schaut optimistisch in die Zukunft. Er ist promovierter Wirtschaftsingenieur und Vorstand für Personalmanagement und -entwicklung bei Daimler in Germersheim. „Das allerwichtigste ist der Mensch und die Werte, die wir alle teilen. Und wenn wir uns daran halten, dann sehe ich kein Problem in dieser Gesellschaft Erfolg zu haben und glücklich zu sein. Wir leben hier, unsere Heimat ist hier. Nichts anderes habe ich als Kind in dieser Moschee, in der Schule und an der Universität gelernt.“ Wichtig sei für beide Seiten die Bereitschaft, auf einander zuzugehen und selbst in kritischen Diskussionen einen Konsens zu finden.

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