Minfeld RHEINPFALZ Plus Artikel Der Grüne unter den Roten

Die Ehrennadel der SPD ist die jüngste Auszeichnung, die Clemens Nagel erhalten hat.
Die Ehrennadel der SPD ist die jüngste Auszeichnung, die Clemens Nagel erhalten hat.

Seit gut 50 Jahren ist Clemens Nagel nun Genosse. Der Widerstand gegen die Atomkraft hat ihn einst zu den Sozialdemokraten geführt. Die Liste seiner politischen Ämter ist lang, ebenso die seiner Auszeichnungen. So ganz ohne Ehrenamt geht es bei dem 77-Jährigen auch heute noch nicht

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges wurde Clemens Nagel in Thüringen geboren. Allerdings nur, weil Kandel zu diesem Zeitpunkt als Rote Zone evakuiert war. Seine Mutter stammte aus Kandel und auch er wohnte ab dem Alter von drei Monaten hier, erzählt er. Er machte Abitur und studierte Lehramt in Karlsruhe. Im Jahr 1971 trat Clemens Nagel, damals noch als junger, verbeamteter Lehrer in Karlsruhe arbeitend, in die SPD ein. Der Grund: Nahe der Gemeinde Neupotz war das damals größte Atomkraftwerk in Deutschland geplant, erzählt Nagel, und das wollte er verhindern. Und zwar zusammen mit einer Partei, in der zu dieser Zeit die Mehrheit für Atomkraft war, bei der aber bei Entscheidungen auch kaum jemand an der Zustimmung der Jusos vorbeikam.

Und so kam es dann auch, dass Nagel bereits 1975 mit knapp 30 Jahren zum zweitjüngsten Abgeordneten in den Mainzer Landtag gewählt wurde (nach dem gut ein Jahr jüngeren Rudolf Scharping). Die Jusos hatten nämlich verhindert, dass der damalige Verbandsbürgermeister und Landtagsabgeordnete Oskar Böhm seinen Sohn als Nachfolger zum Landtagsabgeordneten „installierte“. Dort hatte er auch den Spitznamen der „Grüne unter den Roten“, gehörte er doch neben anderen Ausschüssen verschiedenen Umweltausschüssen an.

20 Jahre lang Ortsbürgermeister in Minfeld

Überhaupt kam einiges an politischen Posten bei Nagel zusammen, die meisten allerdings ehrenamtlich. So saß Nagel von den nunmehr 51 Jahre als SPD-Mitglied bis 2009 unter anderem 30 Jahre im Gemeinderat Minfeld. Davon war er von 1984 bis 2004 sogar Ortsbürgermeister. Außerdem war er drei Legislaturperioden Mitglied des VG-Rates Kandel. Auch gehörte er eine Legislaturperiode dem Kreistag an.

Doch auch viele andere Ehrenämter hatte er inne, etwa als Vorsitzender des Vereins „Kulturscheune Minfeld“. Von 2009 bis 2016 war er Präsident der Oberrheinkonferenz, von 1995 bis 2013 Vizepräsident des Partnerschaftsverbandes beziehungsweise Freundschaftskreises Rheinland-Pfalz/Burgund und nach seinem freiwilligen Ausscheiden aus dem Landtag noch 13 Jahre Beauftragter der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit in der Mainzer Staatskanzlei. Bei den letzten beiden Ämtern sei ihm sicher zugute gekommen, „dass ich fließend französisch spreche und keinen Dolmetscher brauche“, sagt Nagel.

Bundesverdienstkreuz und „Pour le Mérite“

Für sein Engagement wurde Nagel unter anderem mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse und dem französischen Nationalorden „Pour le Mérite“ ausgezeichnet. Vor wenigen Tagen erhielt er nun bei der Jahreshauptversammlung des SPD-Ortsverbands Minfeld auch noch die Ehrennadel der Partei. Er habe immer Politik mit Leidenschaft betrieben, betont er. An der Politik habe ihn immer das Kennenlernen und die Begegnung mit Menschen gereizt. Schön sei gewesen, etwas für die Menschen tun zu können. Als Bürgermeister und im Gemeinderat habe ihm zudem gefallen, mehr gestalten zu können. Dies sei als Abgeordneter im Landtag, besonders anfangs in der Opposition. Ein Machtpolitiker sei er bei allen Ämtern aber nie geworden, sagt er und erzählt als Beleg eine Geschichte von seiner Frau. Mit dieser ist er seit 1968, also länger als mit der SPD verheiratet. Als er in Landtag zog, habe ihm seine Frau gedroht, sie werde seine Koffer vor die Tür stellen, wenn er sich ändere. „Nach zwei Jahren hat sie mit dann bestätigt, dass das nun nicht mehr nötig sei“, erzählt er schmunzelnd.

Ein politisches Ehrenamt hat Nagel im Moment noch inne. Er ist seit zwei Jahren Vorsitzender des Ortsvereins der SPD Minfeld. Er sei aber eigentlich nur eingesprungen, weil es gerade keinen anderen gab. Er wollte in den zwei Jahren einen Nachfolger finden. Corona habe ihm aber einen Strich durch die Rechnung gemacht, so dass er noch einmal zwei Jahre dran gehängt habe.

Im Alter von 30 Jahren zog Clemens Nagel 1975 in den Mainzer Landtag ein.
Im Alter von 30 Jahren zog Clemens Nagel 1975 in den Mainzer Landtag ein.
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