Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Der Frust muss raus

Alle Aktivitäten sind ersatzlos gestrichen.
Alle Aktivitäten sind ersatzlos gestrichen.

Das beliebte Ausflugsziel Naturfreundehaus Bienwald ist wegen Corona geschlossen. Pächter Peter Bolze schimpft. Dabei hat er das größte Kapital, das es derzeit gibt: Er ist kreditwürdig und genießt Vertrauen von allen Seiten.

Keine Gäste weit und breit. Das Naturfreundehaus ist zu, alle Veranstaltungen abgesagt. Klar, dass Pächter Peter Bolze emotional angespannt ist. Seine neun Vollzeitkräfte und ein dreiviertel Mitarbeiter sind in Kurzarbeit. Die dreizehn Aushilfen sind ohne Beschäftigung, verdienen derzeit gar nichts. Für den Azubi ist die Situation ebenfalls unbefriedigend.

Über die Konditionen der Ende März beschlossenen zinsfreien Soforthilfen schüttelt Bolze nur den Kopf. „Eine Lachnummer“, kommentiert er und rechnet die Beträge durch, die auf seinen Betrieb nicht so recht passen wollen. Mit möglichen 15.000 Euro Zuschuss auf die kommenden drei Monate ist ihm nicht geholfen. Wobei: Das Zahlenwerk ist komplex und zu hundert Prozent hat in den ersten Tage kaum jemand durchgeblickt. Schließlich kam Bolze doch noch Unterstützung zu pass. Bei seiner Hausbank hat er via KfW-Sonderprogramm einen Kredit aufgenommen, der im ersten Jahr tilgungsfrei und dann mit etwas über einem Prozent Zinsen zurückzuzahlen ist. Damit hat sich Bolze anfreunden können. Fuchsig ist er trotzdem noch immer. Mehr gereizt als optimistisch sagt er: „Ich gehe davon aus, dass der Betrieb bald wieder normal läuft. Anfang Mai sollte es hier wieder losgehen.“

Verband bietet Hilfe an

Ob die Maßnahmen zum Infektionsschutz tatsächlich so bald gelockert werden, sei dahin gestellt. Offensichtlich aber hat Bolze das Vertrauen seiner Bank. Weil er – laut offizieller Bedingung – bis zum 31. Dezember 2019 nie Zahlungsschwierigkeiten hatte, ist er kreditwürdig. Man traut ihm zu, trotz Corona-Krise das Naturfreundehaus Bienwald auch weiterhin zu betreiben. Und genau diese Botschaft kam auch von Wilfried Winstel, Vorstand der Naturfreunde Kandel: „Er soll sich sofort bei uns melden, wenn er Zahlungsschwierigkeiten hat“, so Winstel, „dann können wir Miet- oder Pachtnachlass oder auch Stundungen vereinbaren. Das ist doch selbstverständlich.“

Seit 20 Jahren ist Peter Bolze Pächter im Naturfreundehaus Bienwald, schon seine Eltern haben von 1982 bis 1991 das Haus geführt. Er kennt den Betrieb wie kaum ein anderer. Bolze ist auch Kassenwart der Naturfreunde Kandel, kurzum: Mehr Vertrauen in seine Person geht wohl kaum. Und trotzdem: Bolze ist am Schimpfen. Auf die Politik, auf die Regierung ... Was ihn so verärgert, ist, dass in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, die Soforthilfen würden den Betrieben problemlos helfen und alles wieder gut machen. Das sei Humbug! Dem ist nicht so und der Eindruck ist falsch. Und Politiker, die diesen vermeintlichen Eindruck vermitteln, findet man gegenwärtig in keiner Partei. Trotzdem kann man Bolze verstehen. Er braucht ein Frustventil, um mal Dampf abzulassen. Ob Politik und Regierung hierfür jedoch die richtigen Adressen sind, sei auch dahin gestellt.

Sämtlich Einnahmen sind einfach weggebrochen

Die Schließung des Hauses nutzt Bolze momentan für Renovierung. Die alte Tapete kommt runter, die Wände werden neu verputzt und mit Platten bestückt. Was er ansonsten neben laufendem Betrieb irgendwie hätte unterbringen müssen, kann er jetzt – wie er sagt – „stressfreier“ angehen. Wobei: Der Stress ist unterschwellig allgegenwärtig. Eigentlich war demnächst ein Live-Konzert angedacht. Es fällt voraussichtlich genauso aus wie im Juni der „Kandeler Hüttenzauber“. Sämtliche Einnahmen aus Gastronomie und Übernachtung sind weggebrochen. Seine Mitarbeiter tun ihm leid. Sage keiner, das sei kein Stress! Dass ihm mit Corona jetzt allseits Vertrauen entgegengebracht wird, stimmt Bolze jedoch etwas versöhnlich. Das tut gut. Und ist besser als Dampf ablassen.

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