Kandel
Der Bauminister im Bankvorstand
Er wohnt in Kandel und dort ist auch der Hauptsitz der Sparkasse Germersheim-Kandel. Was eher nebensächlich klingt, ist für Peter Dudenhöffer wichtig. Seine Kunden und Geschäftspartner sind ihm so auch im Privatleben immer wieder begegnet. „Das ist Verpflichtung einerseits und schafft Vertrauen andererseits. Und das ist wichtig.“ Eine weitere persönliche Konstellation, die ihm wichtig ist, sind die 25 Jahre im Vorstand, die er allesamt gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden Siegmar Müller verbracht hat.
Seine Schwerpunkte im Vorstand waren EDV und Organisation, Firmenkunden sowie Geschäftsstellen und Kreditgeschäft im südlichen Landkreis. Herausragend sei die Erfahrung „auf dem Bau“ gewesen. Dudenhöffer zeichnete verantwortlich für die Erweiterung und den Umbau der Hauptstelle in Kandel und verdiente sich dafür im Kollegenkreis den Beinamen „Bauminister“. Den trägt er mit Stolz, „man kann nicht immer so viel gestalten, wie bei einem solchen Bauprojekt.“ Einer seiner schönsten Erinnerungen ist das erste Sparkassen-Forum im neuen Gebäude mit dem Redner Hans-Dietrich Genscher. Den habe man gefragt, ob er Wasser wolle, worauf dieser geantwortet habe: „Wir sind doch in der Pfalz, ich möchte Riesling“.
Viel Bürokratie kostet Nerven
Am Gestalten lag ihm viel in seinem Job, der stetig wachsende Bürokratieberg, der das Bankgeschäft begleitet, habe aber auch Nerven gekostet. Auch er habe seine Kollegen vielleicht das eine oder andere Mal Nerven gekostet, er sei ungeduldig. „Wenn ich was für gut befunden hatte, wollte ich es auch gleich umsetzen. Das ging Kollegen manchmal zu schnell“, erzählt Dudenhöffer.
Was den Bürokratieberg angeht, erinnert sich Dudenhöffer an Urteile im Sinne des Verbraucherschutzes, die „wegen ein paar Wörtern“ in der Widerspruchsbelehrung der S-Kreditverträge unbefristet Widerspruch ermöglichten („Widerrufsjoker“). Das hätten Kunden dann Jahre nach Vertragsabschluss genutzt, um wegen gesunkener Zinsen per Widerspruch zu kündigen. „Und nicht, weil sie zum Zeitpunkt der Vertragsunterschrift mit den Konditionen unzufrieden gewesen wären.“
Nullzins führt in die Fusion
Die 2008er Bankenkrise habe „seine“ Sparkasse gut umschiffen können, „wir haben zum Glück auf die riskanten Subprime-Geschäfte der damaligen Zeit verzichtet“. Die hätten zwar attraktive Zinsspannen geboten, aber eben auch ein hohes Risiko. Ein zu hohes, wie man heute weiß. Wann das aktuelle Bankenproblem, die Null-Zins-Phase, gelöst sein wird, wagt er nicht vorherzusagen. Allerdings, da ist sich Peter Dudenhöffer sicher, „wird die Bankenlandschaft gerade der Regionalbanken in 10 bis 15 Jahren nicht zuletzt wegen der Digitalisierung anders aussehen als heute.“
Das Gespräch findet Ende Mai statt, Corona hat die Gesellschaft fest im Griff. „Corona macht einige Schwierigkeiten“, hat der Bankvorstand das Geschäft zu diesem Zeitpunkt noch im Blick. Vor allem die Fusion mit der Sparkasse Südliche Weinstraße, die damals schon besprochen wurde, mittlerweile beschlossen ist. Ohne konkret zu werden sind offensichtlich die Autobranche sowie Gastronomie- und Hotellerie, die, die am meisten zu leiden haben. Wie fast überall. „Wir haben keine Geschäftskunden, die wegen Corona am Abgrund stehen“, sagt der Banker. „Aber eine negative Entwicklung ist zu erkennen.“ Auch im wirtschaftlich starken Landkreis Germersheim.
Zur Person
Peter Dudenhöffer, 61, ist nach Ausbildung und Stationen in Landau und Karlsruhe seit 1995 Mitglied des Vorstandes der Sparkasse Germersheim-Kandel, seit 2002 Stellvertreter des Vorstandsvorsitzenden. Der Herxheimer wohnt in Kandel, ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder. Größtes Hobby ist Radfahren, früher war er aktiver Radrennfahrer beim RSV Rülzheim. Das 35 Jahre alte Rennrad gibt es noch. Im „Stall“ steht aber auch ein Mountainbike („mit Hilfsmotor“) für Touren im Pfälzerwald.