Kreis Germersheim Der Asphalt soll leiser werden, die Autos sauberer

Der Bundestagsabgeordnete Tobias Lindner (Grüne) im „Elefanten“.
Der Bundestagsabgeordnete Tobias Lindner (Grüne) im »Elefanten«.

«Jockgrim». Neue Wege in seinem Bundestagswahlkampf beschreitet Tobias Lindner (Grüne). Am Mittwoch lud der 35-Jährige in die Gaststätte „Zum Elefanten“ unter dem Slogan „Drüber reden – mit Tobias“ ein. Etwas mehr als ein Dutzend Personen nahm die Gelegenheit wahr mit dem Abgeordneten ins Gespräch zu kommen. Im Zentrum standen ureigene Grünen-Themen wie Energie- und Verkehrspolitik.

Lindner

beschrieb, dass er neben dem Straßen-Wahlkampf auch in gemütlicher Runde über aktuelle Themen mit Bürgern sprechen möchte. Schnell war man beim Komplex „Abgase/Dieselaffäre“ angelangt. Oft werde behauptet, Grüne wollen ab 2030 den Verbrennungs-Motor verbieten. „Das trifft so nicht zu. Wir sagen, dass ab 2030 nur emissionsfreie Fahrzeuge zugelassen werden sollen – seien es Elektrofahrzeuge oder welche, die mit Gas betrieben werden“, betonte der promovierte Volkswirt. Das hieße, dass Vehikel, die vor dem Stichtag zugelassen würden, nach wie vor mit Verbrennungs-Motor auf der Straße wären. Ein weiteres Thema, das dem Wörther am Herzen liegt, ist die Stärkung des ÖPNV. „Es gibt einiges zu verbessern. So sollten wir die Strecke Karlsruhe-Neustadt elektrifizieren und zweigleisig ausbauen.“ Auch die Strecke Wörth-Lauterbourg könne optimiert werden. „Wie das geht, zeigt die Verbindung Kehl-Straßburg“, fügte der Südpfälzer hinzu. Er votierte dafür, ab 2020 im Güterverkehr mit „Flüsterbremsen“ zu agieren, die das Quietschen auf den Gleisen reduziert. Groß war die Kritik in der Runde an der Albtalverkehrsgesellschaft (AVG). Man war sich einig, dass der Nahverkehr auf der Schiene stärker genutzt würde, wenn die Leistung der Bahn stimmen würden. „Die Bahn ist zu unzuverlässig und fällt zu häufig aus“, meinte ein Bürger. Ein weiterer hatte das Gefühl, dass, wenn die Bahn Wagen ausfallen ließe, „dann in Richtung Pfalz“. Ursula Radwan (Grüne, Kreistagsfraktion) erklärte, dass die AVG große Probleme hätte, Fahrer zu finden und auszubilden. Es könne jedoch nicht sein, dass die Bürger wegen Personalmangels unter einem ineffizienten Nahverkehr leiden. Ein wichtiges Thema für Lindner ist der Ausbau der Radschnellwege. Derzeit besteht die Gefahr, dass die Hafenstraße für Radler gesperrt werde. Die Stadt Wörth wolle rechtlich dagegen vorgehen. Wegen der Eigentumsverhältnisse liege der Schlüssel zur Lösung jedoch bei der Landesregierung „mit der ich im Gespräch bin“, so Lindner. Ein Bürger forderte beim Autoverkehr die Kfz-Steuer verstärkt als Regulierungsmittel zu nutzen, damit die „richtigen PKWs auf der Straße sind“, nicht hochtourige SUVs. Lindner betonte, dass man die Steuer stärker an den C02-Emissionen orientieren und das Dienstwagen- sowie das Diesel-Privileg abschaffen solle. Was das Klima betrifft, plädiert der 35-Jährige dafür in den nächsten vier Jahren die 20 schmutzigsten Kohlekraftwerke dicht zu machen. Er erinnerte an den langen Atem der Grünen, die schon 1982 die Abschaltung der Kernkraftwerke forderten. Energie aus erneuerbaren Ressourcen gelte es weiter auszubauen. Lindner plädierte dafür, künftig nicht mehr verharmlosend von „Klimawandel“, sondern präziser von „Klimakrise“ zu sprechen.

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