Kreis Germersheim
Coronavirus: Vorerst keine Infekt-Ambulanz im Landkreis
Container vor Kliniken, Zelte vor Krankenhäusern – an diesen Anblick hat man sich in Karlsruhe, Speyer und Neustadt in den vergangenen Tagen gewöhnt. Vor den Südpfalzkliniken in Kandel und Germersheim wird es solche Einrichtungen zur Erfassung von Patienten mit einer möglichen Corona-Infektion allerdings nicht geben, sagte der Ärztliche Direktor, Karlheinz Elger, im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Der Grund: „Wir haben keinen Auftrag für die ambulante Versorgung“ sagt Elger.
Anlaufstelle abseits der Klinik
Es sollte vielmehr eine Anlaufstelle abseits des Krankenhauses geben, fordert Elger und sieht andere Stellen in der Verantwortung: Kassenärztliche Vereinigung, Kreisverwaltung und niedergelassene Ärzte müssten mitspielen. Die Asklepios-Kliniken würden bei personellen Engpässen dann natürlich unterstützen. „Das wäre eine sehr elegante Lösung“, sagt Elger. Er könnte sich zum Beispiel das Gebäude im alten Lidl als Standort vorstellen.
Die kurzfristige Einrichtung einer Infekt-Ambulanz, geleitet von der Kassenärztlichen Vereinigung, wäre „sinnvoll und dringend erforderlich“ um die Arztpraxen und die Krankenhäuser zu entlasten, heißt es auch von Landrat Fritz Brechtel (CDU) und Christian Jestrabek, Leiter des Gesundheitsamts. Entsprechende Gespräche mit den Asklepios-Kliniken wurden geführt.
Dennoch wird es nicht so schnell eine solche Anlaufstelle geben: „Dem Gesundheitsamt der Kreisverwaltung ist es nicht möglich, eine solche Einrichtung zu betreiben, da es mit seinen Aufgaben in Zeiten der Corona-Epidemie über alle Maßen ausgelastet ist“, heißt es in einer Mitteilung vom Donnerstagabend: „An das Land ergeht die dringende Bitte, eine solche Lösung zu unterstützen.“
Notfall-Lager gut gefüllt
In den Südpfalzkliniken gebe es keinen Mangel an Hygienemasken oder anderen Materialien: „Der Notfallschrank und das Notfalllager sind gut gefüllt“, sagt Dr. Elger. Auch beim Personal gebe es noch keine Ausfälle. „Wir gehen davon aus, dass wir eine Durchseuchung erleben werden“, sagt Elger. Viele würden die Infektion mit dem Coronavirus nicht einmal bemerken, allerdings werde es auch Todesfälle geben.
„Hype nicht ganz ehrlich“
„Der Hype ist nicht ganz ehrlich“, sagt Elger. „Wenn wir Messen absagen, warum spielt dann die Bundesliga noch vor Publikum?“ Hier spielten kommerzielle Interessen eine Rolle, „das ist unethisch.“
Ursprünglich war geplant, ab Mitte März in einem „Krebsmonat“ mit Vorträgen in den Kliniken über Tumorerkrankungen zu informieren. Das falle nun aus, man wollte nicht ungefiltert Menschen von außen durch die Gänge laufen lassen. „Wir wollen ein Signal setzen: Wir passen auf euch auf“, sagt Elger.
Zur Sache: Das sagen die Hausärzte „Panikmache“
„Das ist Panikmache, eindeutig“, kommentiert Dr. Peter Nienhaus, Hausarzt mit Praxis in Minfeld und stellvertretender Vorsitzender der Vertretung Freier Ärzte, Hambacher Bund, den Umgang mit dem Coronavirus in Deutschland. Kinder und junge Menschen erkrankten kaum, gravierende Verläufe gibt es bei Patienten, die schon vorher erkrankt waren. „Das ist bei Influenza nicht anders.“
Hintergrund für die kritische Einschätzung des Arztes sind auch seine eigenen Erfahrungen. So hatte eine besorgte Mutter angerufen: Das Kind war aus der Schule ausgeschlossen worden, weil es gehustet hatte. Er habe die Frau dann an das Gesundheitsamt verwiesen, sagt Nienhaus.
Die Kassenärztliche Vereinigung habe angekündigt, einen Fahrdienst organisieren zu wollen, erzählt er. Dieser soll Menschen mit Verdacht auf eine Infektion zuhause aufsuchen und ihnen dort einen Abstrich unternehmen. Derzeit werden Freiwillige für einen solchen Fahrdienst gesucht.
Keine Hysterie
Bei einem Rundruf bei weiteren Praxen im Landkreis zeigt sich: Keine Hysterie, keine Panik. Eine besondere Situation gibt es in Kandel. Die Menschen würden entsprechend ihrer Symptome mit speziellen Terminen in die Praxis zur Untersuchung einbestellt, sagt Allgemeinmediziner Dr. Thomas E. Rother, Kandel, zu dem besonderen Konzept in seiner Praxis. Zudem stünden bereits am Eingang ausreichend Mundschutz und Desinfektionsmittel zur Verfügung.“
„Das war aber schon immer so“, erklärt der gelernte Unfallchirurg und Orthopäde. Desinfektionsmittel haben wir die Praxis immer ausreichend vorrätig. Auch habe man „eine tägliche Telefon-Sprechstunde eingerichtet. So bleiben wir erreichbar und können schnell auf die Belange der Leute eingehen.“
Nicht merklich mehr zu tun
Dr. Stefan Scherer aus Jockgrim sagt: „Zwar haben wir wenige Einzelfälle, in denen die Menschen beruhigt und aufgeklärt werden müssen, insgesamt haben wir nicht merklich mehr zu tun.“ In der Praxis von Dr. Wolfgang Fritz, Wörth, sieht man das genauso: „Manchmal rufen die Leute an und erkundigen sich telefonisch nach bestimmten Anzeichen“, aber schnell gebe es Entwarnung.
Auch in der Praxis von Dr. Harry Faust in Lingenfeld „hält sich alles in Grenzen. „Wir haben genauso viele grippale Infekte wie in den Vorjahren auch“, so Anja Lutz auf Anfrage. Das bestätigt auch eine Arzthelferin aus der Arztpraxis von Dr. Schneider in Germersheim: „Es ist Erkältungszeit, das merken wir“, sagt sie.