Bellheim / Pirmasens
Brauerei legt in Gastronomie kräftig zu
„Das Unternehmen entwickelt sich gut.“ Das sagte Roald Pauli, Vorstand und Mehrheitsaktionär der Park & Bellheimer AG nach der Hauptversammlung, die am Donnerstag als Videokonferenz stattfand, der RHEINPFALZ. Nach den teils herben Einbußen in der Corona-Krise, laufe das Geschäft nun wieder. Insbesondere in der Gastronomie. Hier war der Fassbierverkauf, der einen Großteil des Geschäfts ausmache, nach früheren Angaben nahezu gänzlich eingebrochen. Doch nun kehre der Erfolg dank einer stabilen Vertriebsstrategie zurück, so Pauli in der Versammlung, in der auch der Geschäftsbericht fürs vergangene Jahr vorgestellt wurde. Nach den ersten sechs Monaten dieses Jahres liege der Umsatz mit 10,6 Millionen Euro um 1,1 Prozent über dem Vergleichszeitraum von 2019, also vor der Krise. Auch der Absatz bei den alkoholfreien Getränken der Marke Bellaris liege mit 18 Prozent im ersten Halbjahr über dem Branchendurchschnitt der Mineralbrunnenbranche von drei Prozent.
Pauli erwähnte auch die Probleme mit den gestörten Lieferketten, was sich auf die Verfügbarkeit von Rohstoffen und Betriebsmitteln sowie auf die Preise auswirke. Mit Rohstoffen sei das Unternehmen für dieses Jahr gut versorgt. Von Ersatzinvestitionen abgesehen, seien fürs laufende Jahr keine größeren Investitionen geplant. Dank der millionenschweren Investitionen der vergangenen Jahre, bis zuletzt im Jahr 2021, sei der Betrieb auf einem sehr modernen Stand. Das sei auch gut so angesichts der unkalkulierbaren Risiken des Ukraine-Kriegs, sagte er der RHEINPFALZ. Die Mitarbeiterzahl von rund 130 ist nach seinen Angaben konstant geblieben.
Weniger Zuckereinsatz
Neue Produkte seien zwar geplant, aktuell aber nicht. Er sehe keine Lücke im breiten Sortiment des Unternehmens mit seinen Marken Park, Bellheimer, Valentins Weißbier, Rheingönheimer Weizenbier und Bellaris. Er wies darauf hin, dass man darauf setze, den Zuckeranteil in den alkoholfreien Getränken zu reduzieren. Zuckerersatzstoffe seien keine Alternative, „weil die noch den Geschmack beeinträchtigen“, antwortete er einem Aktionär.
Ein anderer wollte wissen, ob das Unternehmen in Rechtsstreitigkeiten verwickelt ist. Pauli sagte, dass es derzeit nur eine juristische Auseinandersetzung gibt, den seit Jahren andauernden Markenrechtsstreit um Valentins Weißbier. Hier habe die Brauerei vor dem Bundesgerichtshof zwar vor Jahren den Prozess gewonnen, aber die Schadensersatzklage sei noch nicht abschließend entschieden.
Aktienmehrheit ausgebaut
Ein Aktionär warf dem Brauereichef vor, dass er zu Lasten der Kleinaktionäre seinen Anteil als Mehrheitsaktionär ausgebaut hat. Pauli wies dies zurück. Ja, er habe zwar seinen gemeinsam mit seiner Frau gehaltenen Aktienanteil von 81,29 auf 84,8 Prozent erhöht, aber nicht weil er Kleinaktionäre aus dem Unternehmen drängen wollte. Vielmehr seien ihm die Pakete von zwei Aktionären zum Kauf angeboten worden. Dass sie nicht an der Börse verkauft, sondern von ihm gekauft wurden, begründet er damit, dass er den Aktienkurs habe stützen wollen.
Pauli widersprach auch der Aussage eines Aktionärs, wonach die Brauerei in ihrem Einzugsgebiet Gaststätten an die Konkurrenz verliere. Das Gegenteil sei der Fall, so der Brauereichef. Zwar verliere man hin und wieder einen Gastrobetrieb, etwa wegen Geschäftsaufgabe, gewinne aber mehr hinzu. So bestünden zu 1400 der zwischen 1600 und 1700 Bestandsbetriebe im Einzugsgebiet vertragliche Vereinbarungen. Im vergangenen Jahr seien 21 Betriebe neu hinzugekommen und im ersten Halbjahr dieses Jahres weitere 31. Als Hauptabsatzgebiet benennt Pauli die Pfalz und außerhalb davon das Elsass und die Metropolregion Rhein-Neckar. Im Brauereieigentum befinde sich derzeit ein Objekt, das „Bellheimer Braustübl“, „das jedoch geschlossen ist“. Gepachtet habe das Unternehmen „einen Biergarten in Zweibrücken und ein Objekt in Heidelberg“, sagte Pauli der RHEINPFALZ.
Neuer Aufsichtsrat
Gewählt wurde in der Hauptversammlung auch: der Aufsichtsrat der Aktiengesellschaft. Neben dem Vorsitzenden Michael Kranich (Manager Director der Calibrium AG, Zürich) gehören ihm wie bisher Eric Schäffer (Chef der Oppacher Mineralquellen), Fritz Brechtel (Landrat Kreis Germersheim) und Bernhard Matheis (Ex-Oberbürgermeister von Pirmasens) an. An die Stelle der Belegschaftsvertreter Klaus Haag und Andreas Kurz rückten Thomas Straub (Wirtschaftsprüfer und Steuerberater aus Maikammer) sowie Udo Vogel (Chef der gleichnamigen BMW-Autohäuser, Landau).