Kreis Germersheim Bitte absteigen!
Radschnellverbindungen sollen das Radfahren vor allem für Berufspendler attraktiv machen. Mit Blick auf die Rheinbrücken-Problematik werden Autofahrer gerne aufgefordert, auf das Fahrrad umzusteigen. Aber auch Radler müssen zwischen der Südpfalz und Karlsruhe ein Nadelöhr passieren. Konkret werden die Pläne für die Radschnellverbindungen in der badischen Region um Karlsruhe. Dort stellt der Regionalverband Mittlerer Oberrhein drei entsprechende Korridore auf den Prüfstand. Zwei davon verlaufen in Nord-Süd-Richtung: zwischen Bruchsal und Ettlingen (über Stutensee und Karlsruhe) einerseits und andererseits zwischen Leopoldshafen und Bühl (über Karlsruhe und Rastatt). Im Bereich der Stadt Karlsruhe sollen diese beiden Routen zusammen mit einer Ost-West-Radwegschnellverbindung einen Ring bilden. Die Ost-West-Verbindung erstreckt sich über 25 Kilometer von Pfinztal über Karlsruhe bis an den Rhein. „Dass es dort einmal weitergehn muss, ist nahezu selbstredend“, sagt Regionalverbandsdirektor Gerd Hager. Aus der Pfalz gebe es bereits positive Signale. Für die Kreisverwaltung Germersheim trifft dies zu. Landrat Fritz Brechtel (CDU) ist der Meinung, dass Radschnellwege ein neuer Bestandteil der modernen Verkehrsinfrastruktur sind. Deshalb setze er sich dafür ein, dass das Thema auch auf rheinland-pfälzischer Seite vorangetrieben werde, teilt er mit. Eine Potenzialbetrachtung von Radschnellwegverbindungen sei bereits 2014 im Auftrag des Landesbetriebs Mobilität erstellt worden. Das Ergebnis: im Korridor „Oberrhein zwischen Karlsruhe/Wörth und Worms“ erscheine ein Radschnellweg sinnvoll; zum Korridor gehören unter anderem auch Kandel, Germersheim und Herxheim. Als nächsten Schritt schlägt Brechtel eine Machbarkeitsstudie vor. Zudem müsste die Finanzierung geklärt werden. In Baden-Württemberg übernehme das Land für ausgewählte Verbindungen die Trägerschaft, bezahle also Bau und Unterhaltung. Aber auch ohne Machbarkeitsstudie ist selbst für Laien schnell klar, dass eine Radschnellverbindung im Bereich der bestehenden Rheinbrücke nur schwer machbar ist. Denn in beiden Fahrtrichtungen werden Radfahrer auf der rheinland-pfälzischen Seite mit der Aufforderung konfrontiert: „Bitte absteigen!“ Der Grund ist auf der Südseite die unübersichtliche Bahnunterführung, auf der Nordseite die extrem steile und zudem abknickende Rampe. Beide Situationen sind baulich bedingt und lassen sich offenbar nur schwer oder gar nicht beseitigen. Bleibt als Möglichkeit die geplante zweite Rheinbrücke. Die wird aber immer noch ohne Radweg geplant. Er würde Schätzungen aus dem Jahr 2013 zufolge rund zwei Millionen Euro kosten. Der Bund will offenbar aus prinzipiellen Erwägungen nicht zahlen: Er soll für Radwege nur zuständig sein, wenn Radfahrern auf einer Bundesstraße aus Sicherheitsgründen eine Alternative angeboten werden soll. Die Brücke wird aber als Kraftfahrstraße geplant, auf der Radfahrer eh nicht fahren dürfen. Eine Finanzierung durch die Kommunen – Kreise und Gemeinden – dürfte ausscheiden. Der Kreis Germersheim hat kein Geld, die Stadt Wörth auch bald keines mehr. Die Stadt Karlsruhe lehnt die zweite Rheinbrücke sowieso ab und argumentiert außerdem, dass diese für die Radfahrer Verschlechterungen bringe, die der Verursacher – also der Bund – auch beseitigen solle. Dabei bezieht sich die Stadt Karlsruhe auf Aussagen des Verkehrsclubs Deutschland (VCD), dem zufolge wegen der Anbindung der zweiten Rheinbrücke an das Ölkreuz der Radweg verlegt werden müsse. Dies bedeute zwar nur 200 Meter Umweg, bringe durch scharfe Kurven aber Zeitverlust und zusätzliche Unfallgefahr, so der Verkehrsclub. Auch dies spricht gegen eine Radwegschnellverbindung über die bestehende Brücke.