Kreis Germersheim Bienen machen mehr als Honig
„Bienen machen Honig“, verkünden die Schlaumeier-Kinder der Büchelberger Kita, die mit ihrer Erzieherin zur RHEINPFALZ-Sommertour gekommen sind. Dass es rund um Bienen noch viel mehr Faszinierendes zu berichten gibt, erfahren sie und die 12 anderen Teilnehmer beim Imker- und Bienenzuchtverein Kandel. Zur Freude der Kinder imitiert Rainer Giseker die „Bienensprache“, in der mit einem schwänzelnden Hinterleib angedeutet wird, wo die Futterquellen liegen. Der ehemalige Polizeibeamte gehört ebenso wie Jürgen Rodamer und Heinz Pfalzgraf zu den „alten Jungimkern“, die in der Bienenzucht ein anspruchsvolles Hobby fürs Rentenalter und im Kandeler Verein eine solidarische Interessengemeinschaft gefunden haben. Sie organisieren diese Sommertour für die RHEINPFALZ-Leserinnen und Leser und Pfalzgraf öffnet ruhig und ohne Hektik einen Brutkasten, auch wenn es auf dem Gelände in Büchelberg summt und brummt. Auf den einzelnen Ebenen lässt er die in die Wachswaben eingelagerten Pollen probieren. „Schmeckt ähnlich wie früher, beim Suggeln an Kleeblumen“, lachen einige Besucher, die sich lebhaft über den gesundheitlichen Wert des Honigs austauschen, der sich bei vielerlei Erkrankungen von Erkältungen bis Hautproblemen entfalte. Auch Blütenpollen sind sehr geschätzt, weil sie reich an Proteinen, Mineralien und Vitaminen sind. Sabine Mayer berichtet von gutem Erfolg mit Propolis-Tropfen gegen Halsweh und bei Hautkrankheiten. Man kann es an den Kästen als das klebrige „Bienenharz“ erkennen, mit dem die Tiere ihren Stock vor Viren und Pilzen schützen. Dieses überlieferte „Volkswissen“ ist schon seit langem bekannt, weiß Heinz Pfalzgraf. Inzwischen wird intensiv in der Forschung gearbeitet, um natürliche Stoffe in Arzneien einzubauen. Lange Zeit war Honig nur auf dem Speiseplan der Schlösser und Klöster, während einfache Leute sich diesen süßen Luxus nicht leisten konnten. Heute ist diese Leckerei für alle da, doch dies ist nur die eine Seite der Bienenzucht. Eine ganz zentrale Rolle haben die kleinen Insekten für unser Ökosystem, da sie Bestäuber für 80 Prozent aller Pflanzen sind und damit zum Erhalt der Artenvielfalt und der Kultur und Landwirtschaft wesentlich beitragen. Durch Monokulturen und Pestizide in der Landwirtschaft sind sie sehr gefährdet. Auch der derzeitige Trend zum Schotterstein-Vorgarten trage dazu bei, dass Schmetterlinge und Bienen heimatlos werden, bedauerten die engagierten Bienenfreunde und die naturliebenden Besucher. Sie lobten die schönen Streuobstwiesen rund um Büchelberg und schwärmten von eigenen blühenden Hausgärten. Nicht zuletzt schilderte „Bienenflüsterer“ Pfalzgraf den Besuchern das interessante Leben und Wirken eines Bienenvolkes, bei dem sich so manches Arbeitsteam eines Unternehmens Anleitung zu fairer und effizienter Zusammenarbeit holen könnte. Pro Bienenstock sind im Sommer etwa 50 000 Arbeiterbienen mit dem Eintragen der Blütenpollen und der Brutpflege beschäftigt, die Bienenkönigin legt Eier in die Waben. „Der Drohn“, die männliche Biene ist nur für die Befruchtung der Königin zuständig und anschließend überflüssig. Da konnte ein heiterer Seitenhieb von Brigitte Defiebré auf die männlichen Besucher nicht ausbleiben, als man später zum nahrhaften Abschluss der RHEINPFALZ-Tour kam. Für alle Schleckermäuler gab es Proben von hellem Raps-, feinem Blüten- oder würzigem Kastanienhonig. Info: Bienenzuchtverein Kandel