Gibt es das noch:
Beim „Klickerles“ Tränchen vergossen
Gerlinde Langner aus Offenbach erinnert sich noch gut an den erdigen Bürgersteig vor ihrem Elternhaus in den 1960er-Jahren, als ob es erst gestern gewesen wäre. „Da wurde mit der Ferse ein Loch in den Boden gedreht und schon war das Ziel für die Murmeln fertig“, antwortet die 65-Jährige auf unseren Leser-Aufruf vom Januar. Durch Fingerschnipsen der Kugeln aus einer Entfernung von zwei Metern sollte dieses Loch getroffen werden. Wie viele andere Menschen in der Pfalz nennt sie die Murmeln „Klicker“. „Wer die meisten von ihnen versenkt, gewinnt die Kugeln der Spielkameraden.“ Mittlerweile spiele sie dies mit ihrem Enkel im eigenen Garten und mit den mehr als 60 Jahre alten Klickern.
„Klicker“ verbinden
Auch Birgit Kern (56) aus Spirkelbach teilt das Erlebnis. Gemeinsam mit Freunden und den Geschwistern habe sie „Klickerles“ gespielt. Auch ihr Sohn, inzwischen 25 Jahre alt, habe das Klickerspielen für sich entdeckt, erzählt sie. Petra Bechtold (63) aus Dammheim nennt noch einen weiteren Namen für ihre sorgsam aufbewahrten Murmeln: Bitcherles.
Neben Tauschgeschäften mit den Murmeln gab es noch das Spiel „abdackeln“, auch „Dackle“ genannt. Norbert Bergdolt (67) aus Weingarten erklärt: „Dabei mussten entfernt liegende Kugeln mit der abgeschossenen Kugel getroffen (gedackelt) werden.“ Zum Sieg gab es die Kugeln der anderen, der Verlierer musste „mit leeren Taschen, dafür mit Tränen heimgehen“. Gespielt haben er und seine Freunde mit Lehm- und Glaskugeln, letztere nannten sie „Kadatschen“.
Man braucht nicht viel
Eine weitere Spielvariante ermögliche ein Schuhkarton: „An der offenen Seite eines Schuhkartons schnitten wir zehn Löcher ein, die gerade so groß sein durften, dass ein Klicker hindurch passte“, schildert Helga Laible, ebenfalls aus Offenbach. „Im Anschluss wurden die Löcher von 1 bis 10 nummeriert. Wer dann mit dem Klicker in eines der Löcher zum Beispiel in Nummer 5 traf, erhielt dann auch fünf Kugeln.“ Noch heute erinnert sich die 73-Jährige in Supermärkten an ihre frühe Kindheit zurück, wann immer sie die Säckchen in den Regalen sehe.
Freude an der Murmelbahn
Die Glaskugeln könne man auch gut für maritime Dekorationen verwenden. Der Tipp stammt von Karin Faltermann (54) aus Heuchelheim-Klingen. Als Vorreiter der Glaskugeln seien Tonkugeln sehr beliebt gewesen, erklärt Algi Gerundt aus Wörth. An der Murmelbahn habe nun der Enkel seinen Spaß.
Martina Hagen berichtet von einem Teamspiel namens TAC, das auf einer Kombination aus Glaskugeln, Spielkarten und einem Holzbrett basiere. In Rheinland-Pfalz sei es noch weitgehend unbekannt, werde aber weltweit gespielt. Alle zwei Jahre fände eine TAC-Weltmeisterschaft im Schloss Blumenthal in Aichach in Bayern statt, erklärt die 65-Jährige weiter. Die Edenkobenerin hofft, dass sich zukünftig Neugierige an geselligen Runden beteiligen, etwa bei den TAC-Freunden der Südlichen Weinstraße, die sich einmal monatlich treffen. „Für unsere Familie gibt es kein schöneres Spiel“, erzählt Martina Hagen. Sie ist stolz auf ihre Glaskugeln aus Thüringen. Hier wurden seit Mitte des 19. Jahrhunderts die Murmeln mit dem auffälligen Spiralmuster, die durch viele Kinderhände gingen, hergestellt.
Die Serie