Kreis Germersheim Bei Gewitter geht in der ganzen Straße das Licht an
Kandel. Der Starkregen am 7. Juni 2016 hat Spuren hinterlassen. Noch immer sichtbar in den Gärten der Anwohner der Hubstraße. Spürbare in der Stimmung, wann immer ein paar Tropfen vom Himmel fallen. Die Anwohner in der Hubstraße fühlen sich mit ihren Sorgen nicht ernst genommen. Bürgermeister und Verwaltung setzen darauf, dass mit dem Neubaugebiet K2 die Gefahr gebannt sein wird.
Schlammwasser war den Hügel oberhalb der Hubstraße herabgeschossen, hatte Gärten verwüstet und Keller verschmutzt (wir berichteten mehrfach). Kurz nach dem Regen wurde ein Erdwall aufgeschüttet, damit nicht noch einmal große Wassermassen den Hang hinunterrauschen können. 2017 sollen auf dem Acker die ersten Häuser des Neubaugebiets K2 entstehen. „Ein halbes Jahr ist vergangen, Briefe sind hin und her gegangen, mehr ist nicht passiert“, sagt Sabine Schepanski und klingt frustriert. Dabei seien sie mit den Aufräumarbeiten im Keller noch immer nicht fertig, erzählen Ulrike und Anna-Barbara Michel. Die Anwohner halten zusammen, tauschen sich über ihre Bedenken aus. „Man will das totschweigen“, vermutet Thomas Baumgärtner. Seine Frau Heike betont: „Es geht nicht um Schadensersatz. Es soll vermieden werden, dass das noch einmal passiert.“ Wenn jetzt ein Gewitter über Kandel hinwegziehe, dann gingen überall in der Hubstraße die Lichter an, berichten die Anwohner. Sie erinnern sich alle noch gut an den Sommerabend, als der Schlamm kam. „Ich habe die gluckernde Toilette bewacht und erstmal das klare Wasser gesehen. Kurz darauf kam die braune Brühe,“ erinnert sich Thomas Baumgärtner. Zwar heißt es von den Verbandsgemeindewerken, dass die Kanäle nicht überlastet seien. Doch das kann er nicht so recht glauben. „Wenn da noch was angeschlossen wird, dann haben wir das immer“, befürchtet er. Die Reihe der Wasserereignisse in der Straße lautet 2011,2014, 2016. Da könne man sich nicht mit dem Verweis auf Jahrhundertregen herausreden, sagt Baumgärtner, „da muss eine Gemeinde doch reagieren.“ Die Anwohner machen sich Sorgen: Was passiert, wenn der nächste Starkregen während der Erschließungsarbeiten einsetzt und am Hang gerade sowieso schon viel Erde bewegt wird? Und was passiert, wenn das Wasser der Bewohner des Neubaugebiets K2 dann durch die schon vorhandenen Kanäle der Stadt ablaufen soll? In der Hubstraße ist man überzeugt: Die Kanäle sind zu klein und jetzt schon mit dem Oberflächenwasser überlastet. „Wenn es sich dann zeigt, dass das Entwässerungskonzept nicht funktioniert, dann ist es zu spät“, sagt Michel. Aber selbst wenn man aufgeben und weggehen wollte: „Keiner kauft hier mehr ein Haus“, sagt Baumgärtner. „Wir fordern, dass die Stadt Maßnahmen trifft, dass kein Schaden mehr eintritt“, sagen die Hubstraßler deshalb unisono. Es ärgert sie, dass die Bürokratie lange dauert, die Versicherung auf Papiere der Stadt warten muss. Aber es trifft sie etwas anderes: „Keiner der Bürgermeister fragt mal nach“, fühlen sich die Anwohner von Stadtbürgermeister Günther Tielebörger (SPD) und Verbandsbürgermeister Volker Poß (SPD) alleine gelassen. Dem sei nicht ganz so, entgegnen beide auf Nachfrage der RHEINPFALZ, sie seien durchaus vor Ort gewesen. Allerdings könnten sie sehr gut verstehen, dass die Anwohner inzwischen bei jedem stärkeren Regen nervös werden. Tielebörger sieht bei der Absicherung des Baugebiets den Erschließungsträger in der Pflicht. Anfang 2017 soll es daher eine entsprechende Versammlung mit den Anwohnern geben, kündigt er an. Und was die Bemessungen von Kanalrohren angeht: Diese werden größtenteils von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) in Neustadt vorgegeben, erläutert Poß. Ganz konkret fragen sich die Hubstraßler, wie viel Gartengestaltung sie wagen sollen. Schließlich hatte es im Juni auch einen Nachbarn erwischt, der erst frischen Rollrasen angelegt hatte. „Lasse ich jetzt wirklich den Gärtner kommen?“, überlegt Linda Hör. Bei einem Starkregen hatte der Schlamm auch Saatgut mitgebracht, erinnert sich Baumgärtner: „Wir hatten danach Mais im Garten.“ |tnc