Kreis Germersheim Bei der Wurst verliebt
Heute, Donnerstag, feiert das Ehepaar Albin und Sieglinde Reißig in seiner neuen, im Frühjahr bezogenen Wohnung „Im Stadtkern“ in Kandel seine Diamantene Hochzeit.
Das Jawort gaben sich die Eheleute 1957 in dem im Hohenlohischen, in der Nähe von Schwäbisch Hall gelegenen Ort Braunsbach. Es war dies der Heimatort der 1934 in Crailsheim geborenen Braut. Der Bräutigam ist ebenfalls 1934 geboren, im damals tschechischen Sudetenland in Morawes bei Brix. Nach der Vertreibung 1945 hat es den Elfjährigen mit seinen Eltern ins Oberhessische Schicht verschlagen. Kennen gelernt haben sich Sieglinde und Albin 1955 auf ihrem Arbeitsplatz in einer Metzgerei mit Gastwirtschaft in Stuttgart-Bad Cannstatt. Sie war dort als Kellnerin und er als Metzger tätig. Unmittelbar nach der Hochzeit zog das junge Paar nach Karlsruhe wo Albin, der sich inzwischen Fleischermeister nennen durfte, bei Pfannkuch als Ladenmetzger tätig war. In Karlsruhe wurden 1959 auch ihr Sohn und 1963 ihre Tochter geboren. Zur Familie gehören inzwischen aber auch noch eine Enkelin und drei Urenkel. Wegen einer Erkrankung des Familienvaters zogen die Reißigs 1965 nach Baiersbronn, kamen aber schon 1968 wieder nach Karlsruhe zurück, wo Albin weiter bei Pfannkuch arbeitete. Ein neuer Lebensabschnitt begann für die Familie Reißig als sie 1973 nach Kandel zog und sich der Vater dort selbstständig machte. Die älteren Kandeler können sich noch an die Metzgerei Reißig in der Haardtstraße erinnern. Im Jahr 1990 schloss das Ehepaar die Metzgerei weil, wie Sieglinde Reißig heute noch betont, ein Familienbetrieb nicht mit den vielen Märkten konkurrieren konnte. Ihr Ehemann arbeitete wieder als Ladenmetzger bei Pfannkuch, der ja inzwischen auch in Kandel einen Markt eröffnet hatte. Nach einem schweren Unfall ging er 1995 in Rente. Fragt man heute das Jubelpaar nach Hobbys, nach gemeinsamen Reisen und ähnlichem lautet die Antwort „So etwas kennen wir nicht. Wir gingen immer wieder gemeinsam spazieren, lernten dabei Kandels Umgebung und vor allem den nahen Bienwald kennen und fuhren gelegentlich auch mal nach Karlsruhe oder Bad Bergzabern.“ Da wundert es nicht, dass die Tochter Monika ihre Eltern liebevoll „Stubenhocker“ nennt. Doch Sieglinde und Albin waren glücklich und zufrieden mit diesem Leben in den eigenen vier Wänden. Unterbrochen wurde es nur wenn der Herr des Hauses am Dienstagnachmittag zum Seniorenkreis von St. Pius ging. Dort fühlte auch er sich wohl und all die älteren Frauen und Männer die er dort traf, freuten sich, wenn er ihnen Jahr für Jahr vor der Sommerpause einen Grillnachmittag bot. Doch heute sind nicht nur die langen Spaziergänge, sondern auch die Besuche beim Seniorenkreis vorbei. Beide Eheleute können auch mit einem Rollator nur sehr schwer gehen, denn das Alter verlangt eben seinen Tribut. Dennoch betont Sieglinde Reißig, dass sie und ihr Mann 60 Jahre lang eine gute und glückliche Ehe führten. Und das wird heute, verschiedener Gebrechen zum Trotz, im kleinen Kreis gefeiert.