Kandel RHEINPFALZ Plus Artikel Aus Freundschaft zu Flüchtlingen aus Ukraine Wohnung gestellt

Marina und rechts Svetlana beim Deutsch-Lernen.
Marina und rechts Svetlana beim Deutsch-Lernen.

Erst pflegte sie für kurze Zeit die schwerkranke Mutter von Elke Getto und half in großer Not. Nun revanchiert sich die Familie und lässt zwei ukrainische Cousinen in der Wohnung der verstorbenen Mutter wohnen. Doch die Flüchtlinge sorgen sich.

„Finden wir nach unserer Ankunft in Deutschland auch eine gute, für uns passende Unterkunft?“ Das fragen sich wohl viele ukrainische Flüchtlinge, die wegen des Krieges in ihrer Heimat geflüchtet sind. Für die aus Kiew stammende Marina stellte sich diese Frage nicht, wusste sie doch, dass in Kandel bei der Familie von Hermann und Elke Getto eine Wohnung auf sie wartete.

Kennengelernt haben sich die Gettos und Marina weil diese Ende 2021 und zu Beginn des Jahres 2022 als Pflegerin für Elkes schwerkranke Mutter tätig war. Auch wenn Marina wegen des Todes von Elkes Mutter nur eine kurze Zeit im Haus der Gettos arbeitete, entstand dort doch eine enge Freundschaft weil, so Hermann Getto, „die Chemie gestimmt hatte“. Als dann in der Ukraine der Krieg ausbrach und dort viele Frauen mit ihren Kinder flüchteten, versuchten die Gettos Marina per Brief und Telefon zu erreichen, um ihr nach Rücksprache mit den Schwestern von Elke die noch voll möblierte Wohnung von deren Mutter als Unterkunft anzubieten. Marina nahm dieses Angebot gerne an und wohnt nun zusammen mit ihrer Cousine Swetlana in Kandel.

Mutter bleibt im Haus in Kiew

Wie Marina in einem Gespräch mit der RHEINPFALZ berichtete, war neben der Cousine auch ihre 86 Jahre alte Mutter bei der Flucht mit dabei. Schon vorher geflüchtet war ihre Tochter, die kurz zuvor ein Zwillingspaar geboren hatte und mit ihm im Bunker leben musste. Heute ist sie bei Freunden in der Nähe von Hannover untergebracht. Marinas Mutter blieb zunächst in Polen und ist inzwischen wieder in ihre Heimat zurückgekehrt, wo sie, „auf das Haus der Familie aufpassen wollte“. Wie inzwischen aus Kiew zu hören war, ist an diesem Haus nur ein geringer Schaden entstanden, während die meisten Nachbarhäuser zerstört sind. Sorgen machen sich Marina und Swetlana aber vor allem um ihre Männer, den Schwiegersohn und den Sohn der, so Swetlana, noch sehr jung ist, aber dennoch schon für sein Heimatland kämpfen muss.

In Kandel haben sich Swetlana und Marina inzwischen, vor allem wohl durch die Hilfe von Elke und Hermann Getto recht gut eingelebt. Als Dankeschön werden die beiden, die von Marina und Swetlana als „unsere Freunde fürs Leben“ bezeichnet werden, zum Essen eingeladen, wenn sie die ukrainische Spezialität „Borscht“ kochen. Gettos berichteten übrigens, dass nicht allein die Bekanntschaft mit Marina sie zum Helfen gebracht hat. Vielmehr waren es die Erzählungen ihrer Eltern, die ihnen über das Verlassen der Heimat berichteten. Herrmann Gettos Eltern mussten in den Kriegsjahren 1939 und 1944 ihren Heimatort Kapsweyer räumen und nach Franken ziehen und Elkes Vater musste nach dem Krieg aus Pommern flüchten.

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