Kreis Germersheim Auf die Pauke hauen anstatt pauken
Den Stift gegen Drumsticks tauschen, Saiten zupfen, anstatt Seiten lesen, Raptexte entwickeln und Songtexte lernen, wo sonst Grammatik gepaukt wird: „Pop macht Schule“ eroberte gestern Morgen die Realschule Plus in Kandel. Was sich anfühlte wie eine große gemeinsame Bandprobe war für alle Beteiligten eine wertvolle musikalische und pädagogische Erfahrung.
Das Projekt der Popakademie gibt es seit 12 Jahren. Bewerben können sich jedes Jahr Schulen in der Metropolregion Rhein-Neckar. Acht Schulen werden unter den Bewerbern ausgewählt. Die Bewerberzahl war allein in dieser Runde um ein Vielfaches höher. Umso mehr hat sich Schulleiterin Cornelia Geiser gefreut, als sie Ende Januar die Zusage erhielt. Spätestens nach dem ersten Soundcheck in der Turnhalle sind die rund 90 teilnehmenden Schüler der Realschule Plus Kandel hellwach. Die Coachs der heutigen Workshops, alles Studierende der Popakademie im 3. Semester, zeigen, was mit Instrument und Stimme möglich ist. Aufgebaut sind Schlagzeug, E-Gitarre, E-Bass und Keyboard. Der erste Workshop findet gemeinsam mit allen Schülern statt: Bodypercussion. Im Kreis stehen die Teilnehmer, zwei Coachs stampften und klatschten Rhythmen auf den Hallenboden. Mal lauter, mal leiser. Nach dem locker werden bei der Bodypercussion können sich die Schüler zwischen fünf Workshops entscheiden. Bei „Meet the Band“ zeigen die Coachs, wie das Zusammenspiel der Instrumente die Klangqualität, Tiefe und Dynamik eines Liedes beeinflusst. Danach dürfen die Schüler selbst an die Instrumente und im Ensemble ihren Klangpart einstudieren. Beim Workshop „Texten“ wird das Gefühl für das Wort als musikalisches Element geschärft. Auch sonst plapperfreudige Schüler sind in ihr Textprojekt vertieft und suchen in Teams nach dem passenden Refrain. Die Themen Strand und Freunde kommen hierbei gut an. Beim „Singalong“, dem Workshop mit der eindeutig höchsten Mädchenquote, startet man mit Atemübungen. „Wir machen jetzt die ’Schnarch-Hechel-Sprech’-Übung“, ruft Leiterin Maria Raykhmann in die Runde. Gelernt wird der Song Cheap Thrills von Sia. Bei der anderen „Singalong“ Gruppe tönt man Lush Life von Zara Larsson durch die Tür. Für die Technikfans gibt es die Producer-Gruppe. Hier zeigt Adam Laszlo am Laptop mit passendem Musikproduktionsprogramm, wie man einfache Töne in Musikform bringen kann. So wird aus dem spitzen Klang von Drumsticks auf Tischbein ein ganz neues Geräusch. „Klingt nach Tropfsteinhöhle“, findet Teilnehmer Fabian. Der Workshop bekommt besondere Dynamik durch das Ausprobieren der Kinder und Jugendlichen. Plötzlich wird aus allem Musik, selbst aus dem Pusten in eine Colaflasche. Der Spaß ist den Schülern deutlich anzusehen. Auch die Schulband erfährt ein ganz eigenes Coaching. Zwei Coachs nehmen sich Zeit um den vier Schülern Möglichkeiten zu zeigen und Anregungen zu geben. „Die haben Bock, eigentlich ist nix schwierig“, erzählt Couch Jim Müller, der im 3. Semester E-Gitarre studiert. „Das Schwierigste ist es noch, die ganzen Infos einfacher rüberzubringen,“ sagt er. Das Projekt kommt so gut an, dass Pausen mehr durchgesetzt als eingehalten werden . Die Schüler würden am liebsten durchrocken. Die 13-Jährige Hellen behält den Tag auf jeden Fall gut im Gedächtnis. „Alle sind aus sich rausgekommen“, ist ihre Erfahrung beim Gesangsworkshop. Damit erfüllt sich ein weiterer Wunsch des Projekts: Das Selbstbewusstsein der Schüler zu stärken. Cornelia Geiser hofft, dass die musikalische Motivation erhalten bleibt und der Schulchor sowie die Schulband mehr Zulauf erhalten. Eine weitere Zusammenarbeit mit der Popakademie zum Beispiel in Form einer Projektwoche sei im Gespräch. Infos www.popakademie.de/projekte/popmachtschule |nbs